Zwei Corona-Fälle in Eltze

Am Sonntag haben der Präsident des Landesgesundheitsamtes Matthias Pulz (von links), die Niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann und Regionspräsident Hauke Jagau in einer Pressekonferenz über den ersten Corona-Fall in der Region Hannover informiert. (Foto: Region/Christpoh Borschel)
 
"Regelmäßiges Händewaschen ist die effektivste Möglichkeit, um sich vor einer Infektion zu schätzen", sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann. (Foto: Pixabay)

Ein 68-Jähriger hat sich bei einer Busreise nach Südtirol mit dem Virus infiziert / Am Dienstag wurde er auch bei einem 63-jährigen Mitreisenden nachgewiesen

ELTZE/REGION (fh). Lange Zeit war das Coronavirus vorwiegend auf die chinesische Region Wuhan begrenzt geblieben – zuletzt hat es sich in weiteren Ländern, unter anderem in Norditalien stark verbreitet und auch in Deutschland sind vermehrt Fälle aufgetreten. Am Samstag wurde die Krankheit nun erstmals bei einem Patienten in der Region Hannover nachgewiesen: Ein 68-jähriger Mann aus Eltze hat sich mit dem Virus infiziert, aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer Busreise nach Südtirol. Insgesamt nahmen an dieser Fahrt 47 Personen teil, von denen ein Großteil aber in Sachsen lebt, wo das Busunternehmen seinen Sitz hat.
Bei einem 63-Jährigen Eltzer, der ebenfalls an der Reise teilgenommen hatte, wurde der Virus am Dienstag nachgewiesen. Das Gesundheitsamt hatte ihn bereits am Sonntag ebenfalls als enge Kontaktpersonen des Infizierten eingestuft und ihn und seine Ehefrau deshalb unter häusliche Quarantäne gestellt. Als sich bei ihnen am Montagabend grippeähnliche Krankheitssymptome zeigten, veranlasste das Gesundheitsamt die Entnahme von Abstrichen und leitete die Proben an das Landesgesundheitsamt weiter. Während sich die Corona-Infektion bei dem 63-Jährigen bestätigte, war die Probe seiner Frau negativ.
Eine stationäre Behandlung im Krankenhaus ist nach Angaben der Region bei beiden Infizierten bisher nicht erforderlich. Um eine Ausbreitung zu verhindern, stehen sie und ihre Ehefrauen für 14 Tage unter häuslicher Quarantäne. Nun ermittelt das Gesundheitsamt, mit wem der 63-Jährige seit seiner Rückkehr engen Kontakt hatte. Enge Kontaktpersonen werden gegebenenfalls ebenfalls isoliert und bei Hinweisen auf eine Corona-Infektion auch getestet. 
So war das Gesundheitsamt auch vorgegangen, nachdem am Samstag das Testergebnis des ersten Patienten vorlag. Für 24 enge Kontaktpersonen, die alle in Uetze leben, wurde daraufhin vorsorglich eine 14-tägige Quarantäne im häuslichen Bereich angeordnet, um die mögliche Inkubationszeit abzuwarten. Das Gesundheitsamt stehe mit ihnen in regelmäßigem Austausch. Bei 15 Verdachtsfällen, die schon am Wochenende getestet worden waren, war das Virus nicht nachgewiesen worden.
Um kein unnötiges Risiko einzugehen, war der für Samstag geplante Dorfball kurzfristig abgesagt worden, bei dem sonst viele Eltzer auf engem Raum zusammengekommen wären. Außerdem blieben die Grundschulen Uetze und Eltze sowie die Kindertagesstätte in Eltze am Montag vorsorglich geschlossen. Das hatte die Region zusammen mit der Gemeinde Uetze entschieden, weil Sonntagabend noch ein Teil der Untersuchungsergebnisse ausstand. Bereits am Dienstag öffneten die Einrichtungen wieder.
Am Montag beschrieb der Eltzer Ortsbrandmeister Ralf Boeck die Atmosphäre im Dorf als „Business as usual“. Panik sei bisher nicht ausgebrochen. „Die direkt Betroffenen sind alle informiert und getestet und für alle anderen heißt es: weitermachen wie gehabt.“
Boeck hatte am Samstag als erster im Dorf von der Infektion des 68-Jährigen erfahren, noch vor dem Betroffenen selbst. Denn bevor der Name des Patienten übermittelt worden war, hatte das Gesundheitsamt der Region Hannover eine allgemeine Information über einen nachgewiesenen Corona-Fall in dem Ortsteil erhalten. Regionspräsident Hauke Jagau gab das an den Uetzer Gemeindebürgermeister Werner Backeberg weiter, der sich wiederum an Boeck wandte. Der wusste schnell, wer gemeint war und erklärte sich bereit, ihn zu informieren.
„Der Bürgermeister und ich waren uns einig, dass man so etwas nicht am Telefon mitteilen, sondern persönlich überbringen sollte“, so Boeck. Als er an der Haustür klingelte, öffnete ihm die Ehefrau des Betroffenen, die ruhig und gefasst auf die Nachricht reagiert habe. Mit dem Patienten selbst sei er nicht zusammengetroffen. „Ich habe aber mit ihm telefoniert und zum Glück geht es ihm gut. Von seinem Befinden her ist er gesund und arbeitsfähig“, sagt Boeck mit einem Augenzwinkern.
Ortsbürgermeister Hans-Hermann Brockmann hofft, dass das so bleibt: „Ich bin mit den Betroffenen befreundet und wünsche ihnen natürlich einen milden Verlauf und eine schnelle Genesung.“ Auch er beschreibt die Stimmung in Eltze als unaufgeregt. „Dazu versuche ich auch selbst beizutragen“, sagt er. Der ein oder andere habe sich am Wochenende bei ihm gemeldet und nachgefragt, wie man sich jetzt verhalten solle. „Ich rate ihnen, unnötige Großveranstaltungen zu meiden und sich nicht unbedingt in den Sprühnebel zu stellen, wenn jemand niest“, fasst er zusammen.
Das weitere Vorgehen und Maßnahmen zum Infektionsschutz würden sowohl innerhalb der Region Hannover als auch auf Landesebene abgestimmt, betonte die Niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Hannover. Das Landesgesundheitsamt hat ein Bürgertelefon zum Coronavirus eingerichtet. Es ist montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer (0511) 4505555 erreichbar.
Grund zur Panik bestehe nicht, betont auch Reimann und appelliert an die Bürger: „Bleiben Sie ruhig, aber wachsam und halten Sie sich an die Hygienevorschriften.“ Wer einen begründeten Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus habe, solle seinen Arzt unbedingt anrufen und nicht etwa die Praxis aufsuchen, um dort nicht die anderen Patienten und Mitarbeiter anzustecken. Der 68-jährige Eltzer habe sich vorbildlich an diese Vorgehensweise gehalten, lobte Reimann.
Nachdem er am 24. Februar von der Busreise zurückgekehrt war, habe er zunächst keinen Anlass gehabt, sich untersuchen zu lassen. Denn Südtirol, das Reiseziel der Gruppe, zählt nicht zu den Risikogebieten und bei ihm selbst gab es zunächst auch keinerlei Anzeichen für eine Erkrankung. Als er jedoch Atembeschwerden bemerkte, habe er sofort telefonisch seinen Arzt konsultiert, der ihn daraufhin zu Hause besucht und dort auch die Probe genommen habe, die er dann bei einem privaten Labor auf Grippeviren und auf Corona untersuchen ließ. „Sowohl der Patient als auch sein Arzt haben sich ausgesprochen umsichtig verhalten“, sagte Reimann. Und auch die Meldeketten sowie die Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, Labor, Kommunen und Landesbehörden hätten verlässlich und reibungslos funktioniert.

Coronavirus – Was zu beachten ist 

Wird sich das Virus weiter verbreiten?

„In Eltze handelt es sich um einen isolierten Einzelfall. Noch befinden wir uns in einer Phase, in der wir versuchen, die Infektionsketten schnell zu unterbrechen“, sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann. Auch in Deutschland müsse man aber darauf vorbereitet sein, dass sich das Virus weiter ausbreite. „Unser Ziel muss es dann sein, die Verbreitung zumindest zu verlangsamen“, betont sie.
Dahinter stehe auch die Hoffnung, dass es im Frühjahr für das Virus deutlich schwerer werde. „Coronaviren sind wie alle anderen Viren auch lichtempfindlich und mögen keine Trockenheit“, erläutert Reimann. Die nasskalte Witterung begünstige die Ausbreitung. „Je weiter es ins Jahr reingeht, desto günstiger werden die Bedingungen wieder für diejenigen, die die Viren bekämpfen und desto schlechter werden die Bedingungen für die Viren.“ Deshalb sei es sinnvoll, auf Zeit zu spielen. Zugleich sollten gefährdete Gruppen wie ältere Menschen mit Vorerkrankungen besonders geschützt werden.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

„Es gelten im Prinzip die gleichen Verhaltensregeln wie bei der Grippe“, betont Mustafa Yilmaz, Leiter des Gesundheitsamtes der Region Hannover. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen mit Seife für jeweils etwa 30 Sekunden. Außerdem sollte Abstand gehalten und auf Händeschütteln verzichtet werden. Wer selbst erkrankt ist, sollte in die Ellenbeuge husten oder niesen. So gelangen die Erreger nicht auf die Hände und können über diesen Weg nicht mehr verteilt werden.

Wer sollte eine Atemmaske (Mund- und Nasenschutz) tragen?

„Man sollte sie dann tragen, wenn man selbst infiziert ist, um die Viren nicht weiter zu verbreiten und die anderen zu schützen“, stellt die Gesundheitsministerin klar. Es sei hingegen mehr als zweifelhaft, ob es auch andersherum funktioniere. „Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass sich gesunde Menschen durch das Tragen einer solchen Maske vor einer Infektion schützen können“, betont Reimann.
Die Weltgesundheitsorganisation rate sogar davon ab, da sie eine trügerische Sicherheit suggerieren und Menschen dann eventuell auf andere Maßnahmen verzichteten, die viel wichtiger seien wie beispielsweise das regelmäßige Händewaschen. Da es bei den Mund- und Nasenschutzmasken aufgrund der großen Nachfrage teilweise schon Engpässe gibt, appelliert die Ministerin, sie nur einzusetzen, wenn sie tatsächlich erforderlich sind.

Wie wichtig ist Desinfektionsmittel für die Hände?

„Die Hände mit Wasser und Seife zu waschen, ist noch immer die effektivste Möglichkeit, um sich zu schützen“, betont Gesundheitsministerin Carola Reimann. Handdesinfektionsmittel sei lediglich dann eine sinnvolle Alternative, wenn man unterwegs sei und keine Möglichkeit zum Händewaschen habe.