Zehn Jahre Gelbes Haus

Sigrun Woitzik (von links) und Karin Unnasch-Scheller zeigen die gelben Körber, die jetzt am Eingang bereit stehen. Nach jeder Benutzung werden sie desinfiziert.
 
Das Gelbe Haus sammelt die Kleiderspenden im Lager und sortiert sie dann nach und nach.
 
Peter Brandes (von links), Ulrich Prößler und Pastor Steffen Lahmann pflanzen im Pfarrgarten die Stieleiche, die das Gelbe Haus gespendet hat. (Foto: privat)

Gemeinnütziger Secondhand-Laden ist nach der Corona-Pause wieder geöffnet / Geburtstagsfeier auf das nächste Jahr verschoben

Hänigsen (fh). Um das zehnjährige Bestehen des gemeinnützigen Secondhand-Ladens zu feiern, hatte das Team vom „Gelben Haus“ eigentlich eine bunte Party im Hof geplant. Doch wegen der Corona-Epidemie muss sie ausfallen, ebenso wie der Festgottesdienst und die Tagesfahrt für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. „Nächstes Jahr werden wir das aber alles nachholen und dann einfach unser elfjähriges Bestehen groß feiern“, kündigt Karin Unnasch-Scheller an.
Zusammen mit sechs anderen Ehrenamtlichen hat sie den Secondhand-Laden 2010 als freies diakonisches Projekt gegründet. Damals hatte es in der Kirchengemeinde Hänigsen-Obershagen Diskussionsveranstaltungen zum Thema Kinderarmut gegeben. „Wir haben dann überlegt, was wir vor Ort dagegen tun können“, erinnert sich Unnasch-Scheller.
Die Idee: Im Gelben Haus können Kleiderspenden abgegeben werden, die dann zu günstigen Preisen weiterverkauft werden. Der Erlös kommt Familien in Notsituationen und bei finanziellen Engpässen zugute – egal ob das Geld für die Stromrechnung fehlt, für eine neue Waschmaschine oder für eine Klassenfahrt. Außerdem werden Projekte der örtlichen Kita und des Dorftreffs für Kinder und Jugendliche unterstützt.
Sein erstes Quartier fand das „Gelbe Haus“ etwas versteckt an der Brandstraße. „Wir hatten anfangs noch Bedenken, dass sich manch einer sonst vielleicht nicht zu und herein traut, weil er sich schämt, gebrauchte Kleidung zu kaufen“, blickt Unnasch-Scheller zurück. Doch diese Sorge habe sich schnell zerstreut. Denn offensichtlich hatten sie mit ihrer Idee einen Nerv getroffen: Mit Kleiderspenden wurden sie geradezu überhäuft und auch die Kunden ließen nicht lange auf sich warten. „Man geht heute Secondhand kaufen. Das ist ein richtiger Trend geworden“, so die Hänigserin.
Umso mehr freue sie sich, dass sie vor vier Jahren an ihren jetzigen Standort an der Windmühlenstraße 10 wechseln konnten. „Wir sind hier mitten im Zentrum von Hänigsen und haben auch ein Schaufenster, das wir dekorieren können“, nennt Unnasch-Scheller die Vorteile. Seitdem habe die Laufkundschaft deutlich zugenommen. Vor allem Frauen kämen zum Stöbern vorbei, Männer seien eher zögerlich. „Vom Alter her ist es aber bunt gemischt: Von Schwangeren über junge Mütter mit Babys bis hin zu Rentnerinnen kommen alle zu uns“, beschreibt die Mitbegründerin. Der Anteil älterer Kundinnen sei seit dem Umzug etwas größer geworden. Denn an der Brandstraße war der Laden nur über eine Treppe zugänglich, jetzt ist er ebenerdig und barrierefrei.
Einige Kundinnen seien ganz gezielt auf der Suche nach Schnäppchen und gut erhaltener Markenware. Nach den Erfahrungen von Unnasch-Scheller stehen ihre Chancen nicht schlecht. „Manchmal werden bei uns ganze Kartons mit fast neuwertigen Artikeln abgegeben, zum Teil sind sogar noch die Preisschilder dran“, beschreibt sie. Sie selbst habe ihren Kleiderschrank aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit etwas reduziert und kaufe jetzt bewusster ein. „Wenn man die großen Mengen gut erhaltener Kleidung hier sieht, stimmt einen das schon nachdenklich“, sagt sie.
Doch immerhin sei es dem Gelben Haus zu verdanken, dass all das nicht auf dem Müll lande, sondern in den meisten Fällen einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin finde. Im Moment würden sogar ganz besonders viele Spenden abgegeben. „Viele Menschen haben in den zurückliegenden Wochen wegen der Corona-Epidemie mehr Zeit zu Hause verbracht und das genutzt, um ihre Schränke auszumisten“, begründet Unnasch-Scheller. Außerdem nähmen viele Kleiderkammern zur Zeit nichts an, weil ihre Lager voll seien. Denn Alttextilien, die sonst ins Ausland geliefert oder beispielsweise für Dämmstoffe an die Industrie verkauft würden, hätten aufgrund der Krise keine Abnehmer gefunden, Transportwege seien teilweise unterbrochen.
Das Gelbe Haus hat demgegenüber gleich zwei Vorteile: Zum einen verfügt es seit dem Umzug selbst über recht große Lagerräume, zum anderen hole die Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg die Ladenhüter und weniger gut erhaltenen Artikel auch weiterhin regelmäßig ab. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Unnasch-Scheller. Trotzdem appelliert sie bei dieser Gelegenheit noch einmal an alle Bürger, nur tragbare und saubere Kleidung abzugeben!
Anfang Mai hat das Gelbe Haus die Pause wegen der Corona-Epidemie beendet – anfangs mussten sich die Kunden zum Einkauf anmelden, mittlerweile gibt es wieder feste Öffnungszeiten, nämlich montags, donnerstags sowie jeweils am ersten Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr und montags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr. „Normalerweise öffnen wir auch am Donnerstagnachmittag, aber das können wir im Moment nicht stemmen“, erläutert Unnasch-Scheller. Denn von den 27 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen seien im Moment nur 20 im Einsatz und zum Teil vorerst auch nur um Lager. „Einige wollen den Kundenkontakt verständlicherweise noch meiden, weil sie zu Hause Risikopatienten haben oder selbst zur Risikogruppe gehören“, begründet Unnasch-Scheller. Außerdem versuchten sie im Moment jede Schicht mit vier Personen zu besetzen, statt sonst mit drei. „Denn wir müssen uns ja nicht nur um den Verkauf kümmern, sondern auch darauf achten, dass die Hygieneregeln eingehalten werden und die Kontaktdaten unserer Kunden erfassen“, beschreibt sie die zusätzlichen Herausforderungen.
Den Tresen haben die Ehrenamtlichen weiter nach hinten in den Laden versetzt und ihn mit einer Plexiglasscheibe als Spuckschutz versehen. Extra zur Wiedereröffnung haben sie außerdem drei knallgelbe Einkaufskörbe angeschafft, die jetzt am Eingang stehen. „Es dürfen immer nur drei Kunden gleichzeitig in den Laden. Wenn kein Korb mehr da ist, müssen sie warten“, so Unnasch-Scheller. Von dort aus weisen dann gelbe Pfeile am Boden den Weg, damit sich niemand in die Quere kommt.
Doch wer durch den Laden bummelt, sollte nicht nur nach unten gucken – es lohnt sich, den Blick auch einmal Richtung Decke zu schweifen zu lassen: Denn dort hängt eine große selbstgenähte Stoffgirlande, die auf das zehnjährige Bestehen des Gelben Hauses hinweist. Daran erinnert von jetzt an übrigens auch eine Stieleiche im Pfarrgarten, die das Team des Secondhand-Ladens anlässlich des runden Geburtstages gespendet hat und die vor wenigen Wochen dort eingepflanzt wurde.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels war uns bei den Öffnungszeiten ein Fehler unterlaufen. Wir bitten das zu entschuldigen. Korrekt ist: Das Gelbe Haus ist zur Zeit montags, donnerstags sowie jeweils am ersten Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr geöffnet und montags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr.