"Wir brauchen ein Umdenken"

Die Uetzer Gleichstellungsbeauftragte Ann-Kristin Rauhe fordert eine faire Verteilung von Arbeit und Lohn. (Foto: privat)

Die Uetzer Gleichstellungsbeauftrage fordert einen breiten Diskurs über Sorge-Tätigkeiten

Uetze (dno). Die Corona-Krise hat mehr denn je bewusst gemacht, dass Berufe und Tätigkeiten, die oft stiefkindlich behandelt werden, nun unseren Alltag zusammenhalten und für ein bisschen Stabilität sorgen. „Systemrelevante Berufe“ - so die offizielle Bezeichnung. Dazu zählen unter anderem der Gesundheits- und Pflegebereich, der frühkindliche Bildungssektor oder die Arbeit im Einzelhandel. Dort liegt die Beschäftigungsquote der Frauen zwischen 80 Prozent und 90 Prozent.
„Frauen halten mit ihrer Arbeit das Rad des gesellschaftlichen Lebens am Laufen, das wird jetzt ganz deutlich“, erklärt Ann-Kristin Rauhe, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Uetze. Es werde selbstverständlich hingenommen, dass zum größten Teil Frauen die bezahlte sowie unbezahlte Sorge-Arbeit in beruflicher und privater Hinsicht übernehmen. "Lohn und Arbeitsleistung sowie Arbeitsbelastung sind hier bei weitem nicht deckungsgleich", kritisiert Rauhe und fordert: „Die faire Aufteilung, sollte ein gemeinsames gesellschaftliches Ziel sein.“
Die Krise habe diese Berufszweige in den Fokus gerückt: Sie würden in den sozialen Netzwerken gelobt, von den Fenstern aus beklatscht und auch von der ein oder anderen Prämie sei die Rede. "Doch was passiert, wenn die Krise vorüber ist?", fragt Rauhe. Der Diskurs darüber müsse intensiv und mit konkreten Konsequenzen auf allen politischen Ebenen geführt werden. "Die gemeinsame gesellschaftliche Sorge-Verantwortung lediglich auf den Schultern der einen Hälfte der Gesellschaft auszulagern, ist weder zielführend noch fair“, kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte.
Eine angemessene Entlohnung sei dabei nur die eine, wenn auch nicht unwichtige, Seite der Medaille. „Wichtiger ist, dass wir uns klar machen müssen, dass zum Funktionieren unserer Gesellschaft, Menschen, die sich kümmern und die Sorge-Tätigkeiten in beruflicher und privater Hinsicht übernehmen, elementar wichtig sind", appelliert Rauhe und resümiert: "Die Arbeit dieser Menschen im Privaten als Selbstverständlichkeit hinzunehmen und im Berufsleben oft mit Niedriglöhnen abzuspeisen, zeigt, welch gravierenden Wertewandel wir vollziehen müssen.“