Vorschläge für den Nahverkehr

Der CDU-Regionsabgeordnete Bernward Schlossarek (von links) und Karin Pfitzner von der Verkehrsabteilung der Regionsverwaltung sind zum Ortstermin nach Dedenhausen gekommen.
 
Der CDU-Regionsabgeordnete Bernward Schlossarek (von links), Karin Pfitzner von der Verkehrsabteilung der Regionsverwaltung sowie Arne Stellfeldt und Janik Ricke von der Jungen Union Uetze diskutieren über die Zuganbindung in Dedenhausen.

CDU-Politiker, Junge Union und Regionsverwaltung treffen sich am Bahnhof Dedenhausen

Dedenhausen (fh). Wie lässt sich vor Ort die Verkehrswende vorantreiben – hin zu mehr öffentlichem Nahverkehr und Elektro-Mobilität? Mit dieser Frage hat sich die Junge Union Uetze seit ihrer Gründung im vergangenen Herbst beschäftigt und ein Ideenpapier dazu verfasst. Der CDU-Regionsabgeordnete Bernward Schlossarek hat die Vorschläge der Nachwuchspolitiker aufgegriffen: Er hat eine offizielle Anfrage an die Regionsverwaltung gestellt und zusätzlich einen Ortstermin am Bahnhof Dedenhausen vereinbart, zu dem nicht nur CDU-Politiker gekommen sind, sondern auch Karin Pfitzner vom Fachbereich Verkehr der Regionsverwaltung.
Obwohl er in Lehrte lebe, fühle er sich auch Uetze verbunden, zumal die Gemeinde keinen eigenen Vertreter in der Regionsversammlung habe, begründet Schlossarek sein Engagement. „Ich war Lehrer an der Orientierungsstufe in Uetze. Unsere Ausflüge und Klassenfahrten haben wir entweder am Bahnhof in Dollbergen oder in Dedenhausen begonnen“, erinnert er sich. Deshalb sei ihm die Situation vor Ort vertraut. Von dem Ideenpapier der Jungen Union habe er aus der Zeitung erfahren. „Ich fand die Vorschläge spannend und wollte nicht, dass das einfach so im Sande verläuft“, betont er.
Der Bahnhof Dedenhausen nimmt in den Überlegungen der Nachwuchspolitiker eine zentrale Rolle ein: Sie wünschen sich dort während des Berufsverkehrs einen 20-Minuten-Takt; morgens und nachmittags sollen demnach je Richtung drei statt bisher zwei Züge pro Stunde fahren. „Ich pendele selbst fast jeden Tag mit dem Zug von Dedenhausen nach Hannover und zu den Hauptverkehrszeiten sind sie oft überfüllt“, schilderte Janik Ricke, der Vorsitzende der Jungen Union Uetze, seine Erfahrungen. Sollte eine dichtere Taktung nicht möglich sein, ließe sich auch durch längere Züge mit einem zusätzlichen Wagen Abhilfe schaffen.
Doch der Region zufolge ist gegenwärtig beides nicht umsetzbar. Im aktuellen Fahrplan verkehren auf der Strecke Hannover – Wolfsburg montags bis freitags in der Zeit von 6 bis 8 Uhr und 16 bis 19 Uhr jeweils zwei Züge pro Stunde. Schon dieses Angebot sei mit Schwierigkeiten verbunden. So würden die Enno-Züge im Bereich Gifhorn beispielsweise von Fernverkehrszügen überholt und im Hauptbahnhof Hannover sowie auf der Strecke zwischen Lehrte und Hannover gebe es ohnehin Engpässe. Deshalb könnten die Nahverkehrszüge im Moment nicht einmal im regelmäßigen 30-Minuten-Takt verkehren, sondern im Abstand von 40 und 20 Minuten. Nur wenn in einigen Bereichen zusätzliche Gleise verlegt würden, ließe sich daran etwas ändern – und das sei zumindest kurzfristig nicht in Sicht.
Auch bezüglich zusätzlicher Waggons dämpfte Karin Pfitzner die Erwartungen. Im Moment verkehren auf der Strecke Züge mit maximal zwei Wagen. Damit ein dritter Wagen angehängt werden könnte, müssten die Bahnsteige verlängert werden – und zwar nicht nur in Dedenhausen, sondern auf der gesamten Verbindung. Das sei aber teuer und wäre außerdem nur möglich, wenn auch die Landkreise Peine, Gifhorn und die Stadt Wolfsburg mitzögen. Und die zeigten bisher kein Interesse. Der Vorsitzende der Jungen Union Uetze Janik Ricke zeigte sich enttäuscht: „Man kann doch nicht fordern, dass die Leute auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, wenn man dafür nicht die nötigen Kapazitäten und Rahmenbedingungen schafft.“
Etwas bessere Chancen auf Umsetzung hat ein anderer Vorschlag der Jungen Union: Die Nachwuchspolitiker wünschen sich eine Erweiterung des Park-and-Ride-Parkplatzes (P+R) am Bahnhof Dedenhausen. Denn Berufspendler aus den Nachbarorten kommen zum Teil mit dem Auto, um dort dann in den Zug nach Hannover umzusteigen. Weil im Moment wegen der Corona-Epidemie viele Menschen im Home-Office arbeiten, ist der Parkplatz vergleichsweise leer. Vorher war er nach Einschätzung der Region aber meist voll ausgelastet. Alle 113 Pkw-Stellplätze seien in der Regel belegt gewesen.
Deshalb ziehe man einen Ausbau in Betracht. Doch erst einmal sei nun Dollbergen an der Reihe, wo der Ausbau von 100 zusätzlichen Stellplätzen im Herbst beginnen soll. „Wir wollen erst einmal abwarten, wie sich das auswirkt. Vielleicht fahren dann einige eher nach Dollbergen, sodass Dedenhausen entlastet wird“, vermutet Pfitzner. Doch für den Fall, dass weiterhin ein Bedarf bestehe, gebe es durchaus schon konkrete Pläne für die Erweiterung in Dedenhausen. So sei in der Diskussion, eine Fläche anzukaufen, die direkt an die jetzige P+R-Anlage auf der Nordseite des Bahnhofs angrenzt.
Um auch bei der Anfahrt zum Bahnhof klimafreundliche Mobilität zu fördern, plädiert die Junge Union dafür, im Zuge einer möglichen Baumaßnahme auch Ladesäulen für E-Autos sowie Fahrradkäfige zu installieren. Gerade für den zweiten Punkt wirbt auch die CDU-Ratsfrau Marion Gellermann: „Dann müssten zumindest die Pendler aus dem Dorf und aus Eltze nicht mit dem Auto zum Bahnhof kommen.“
Als es bei dem Ortstermin in Dedenhausen plötzlich anfängt, zu regnen, macht Janik Ricke noch auf ein weiteres Manko aufmerksam. „Auf den Bahnsteigen gibt es kaum eine Möglichkeit, sich unterzustellen“, kritisiert er und fragt: „Wie soll ich da denn jemanden überzeugen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen?“ Dabei sei er mit der Verkehrsanbindung eigentlich gar nicht so unzufrieden: „Der Enno ist größtenteils pünktlich und an und für sich sind morgens und nachmittags zwei Züge pro Stunde ja schon ein gutes Angebot – sie sind nur einfach zu voll“, resümiert er.