Uetzer Büchereien im Umbruch

Ruth Andresen (rechts) bekommt in der Bücherei Uetze jetzt Unterstützung von Uta Krieger-Juhnke.
 
Ursula Düsterbeck von der Uetzer Gemeindeverwaltung (rechts) bedankt sich bei Barbara Boeck, die sich 15 Jahre lang in der Bücherei Eltze engagiert hat. Zum Jahreswechsel hat die Leihstelle ihren Betrieb eingestellt. (Foto: Gemeinde Uetze)

Gemeinde hat zweite Bibliothekarin eingestellt / Zweigstelle in Eltze wird aufgelöst

Uetze (fh). Die Büchereien in der Gemeinde Uetze sind wegen der Corona-Epidemie im Moment geschlossen - doch hinter den Kulissen ist einiges in Bewegung. "Zusammen mit der Verwaltung arbeiten wir gerade ein Konzept aus, um die Weichen für die Zukunft zu stellen", kündigt Bibliothekarin Ruth Andresen an. Einzelheiten seien noch nicht spruchreif. Aber auch in den zurückliegenden Wochen hat sich schon einiges getan.
Bisher hatte Andresen die beiden Büchereien in den Ortschaften Uetze und Hänigsen mit ihrer halben Stelle alleine betreut. Seit kurzem bekommt sie nun Verstärkung: Die Gemeinde hat Uta Krieger-Juhnke mit acht Wochenstunden als zweite Bibliothekarin eingestellt. "Es gab vorher keine Vertretungsregelung. Wenn ich nicht da war, konnten die Büchereien nicht öffnen", blickt Andresen zurück. Ihren Urlaub habe sie deshalb versucht, in die Schulferien zu legen und mit viel Vorlauf anzukündigen. Doch wenn sie krank geworden sei, hätten Nutzer auch mal von einem auf den anderen Tag vor verschlossenen Türen gestanden. In solchen Fällen kann künftig Krieger-Juhnke einspringen.
Vor diesem Hintergrund bedankt sich Andresen besonders bei Monika Schirmer, die sie in den vergangenen Jahren in der Leihstelle in Uetze ehrenamtlich unterstützt hat. Ohne ihr Engagement wäre es personell noch enger gewesen. Zum Jahreswechsel hat Schirmer ihren Dienst nun beendet, ebenso wie drei weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Büchereien.
In Dollbergen hat sich Rosemarie Weschke nach 15 Jahren aus dem ehrenamtlichen Bücherei-Team verabschiedet. Nun stehen dort ebenso wie in Dedenhausen noch zwei Ehrenamtliche zur Verfügung. In Eltze ist indes eine Ära zu Ende gegangen: Denn die dortige Bücherei hat ihren Betrieb zum Jahreswechsel ganz eingestellt. Sie wurde zuletzt in erster Linie von der örtlichen Grundschule genutzt und komplett von Ehrenamtlichen betreut. Barbara Boeck und Beate Iwan haben in Eigenregie den Bestand verwaltet, neue Bücher ausgesucht und die Öffnungszeiten inklusive Ausleihe und Rückgabe organisiert. Jetzt hören die beiden auf.
Eigentlich wollte die Gemeinde Uetze den langjährigen Einsatz der vier scheidenden Ehrenamtlichen bei einer kleinen Abschiedsfeier würdigen, doch aufgrund der Corona-Epidemie und des erneuten Lockdowns war das nicht möglich. Stattdessen haben Ruth Andresen und die zuständige Sachbearbeiterin der Gemeinde Uetze Ursula Düsterbeck die vier Frauen einzeln besucht und ihnen mit Abstand und Maske einen Blumenstrauß als Dankeschön überreicht.
In drei Jahren steht übrigens eine weitere Zäsur bevor: Dann wird Bibliothekarin Ruth Andresen nach insgesamt fast 40 Jahren im Dienst der Gemeindebüchereien in den Ruhestand gehen. Bis dahin will sie gemeinsam mit Krieger-Juhnke noch einiges auf den Weg bringen. Denn nicht nur für Urlaubs- und Krankheitsvertretung, sondern auch im täglichen Betrieb sei die personelle Verstärkung wichtig. "Meine Arbeitszeit war mit Beratung, Ausleihe und Rückgabe fast komplett ausgefüllt", so Andresen. Vieles andere sei deshalb auf der Strecke geblieben.
So hätte sie beispielsweise gern ein Bilderbuchkino für Kleininder angeboten und das Ferienangebot Julius-Club umfangreicher gestaltet - doch dafür war keine Zeit. "Vielleicht können wir jetzt zu zweit einige dieser Ideen umsetzen", hofft sie. Und auch hinter den Kulissen gebe es einiges nachzuholen. "Im Moment machen wir zum Beispiel eine intensive Bestandsaufnahme. Wir schauen welche Bücher da sind, was fehlt und was wir ändern wollen", nennt Krieger-Juhnke ein Beispiel.
Für die 48-Jährige geht mit der Anstellung in der Uetzer Bibliothek ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Sie habe vor einigen Jahren sogar schon mal eine Initiativbewerbung bei der Gemeinde eingereicht. "Als die Stelle dann ausgeschrieben wurde und ich schließlich die Zusage bekommen habe, habe ich gejubelt", sagt sie. Sie ist in der Gemeinde Uetze aufgewachsen und hat in Hannover Bibliothekswesen studiert. Danach hat sie viele Jahre lang in der Bibliothek der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gearbeitet. "Aber die Arbeit in einer öffentlichen Bibliothek war immer mein Traum", sagt sie. Parallel betreut Krieger-Juhnke zur Zeit ehrenamtlich die Bücherei der Grundschule Uetze. Doch da auch ihr jüngster Sohn mittlerweile auf der weiterführenden Schule ist, sucht sie dafür dringend einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.