Uetze will sich für Klimawandel wappnen

Die Feldberegnung spielt in der Gemeinde Uetze eine große Rolle, um die Ernte zu sichern. Ein Modellprojekt soll dafür sorgen, dass auch in trockenen Sommern genug Wasser für alle da ist. (Foto: Symbolbild/Pixabay)

Ein Modellprojekt soll dafür sorgen, dass es auch in trockenen Sommern keine Konflikte um Wasser gibt

Uetze (fh). Im Burgdorfer Holz hat die Trockenheit vielen Bäumen zugesetzt, Fuhse und Erse führten historisch wenig Wasser und im Spreewaldsee löste der niedrige Pegelstand 2020 sogar ein massives Fischsterben aus - die zurückliegenden Sommer haben auch in der Gemeinde Uetze ihre Spuren hinterlassen. "Da war der Klimawandel für uns mit Händen zu greifen", sagt Bürgermeister Werner Backeberg und ergänzt: "In Zukunft wird Trockenheit in der Vegetationsperiode eher die Regel als die Ausnahme sein."
Vor diesem Hintergrund plant er zusammen mit der Region Hannover ein Kooperationsprojekt mit dem etwas sperrigen Arbeitstitel "Gemeinschaftliches Handeln im Klimawandel - Klimaangepasstes Wassermanagement für Landwirtschaft, Umwelt und Mensch in der Gemeinde Uetze". Die Überlegung dahinter: Wenn es im Sommer zu wenig regnet und das Wasser immer knapper wird, könnte das bald auch zu Konflikten zwischen Land- und Forstwirtschaft, Trinkwasserversorgern, Umweltverbänden und Anwohnern führen.
Denn einerseits ist das Burgdorfer Holz Trinkwassergewinnungsgebiet. Andererseits gibt es in der Gemeinde viele Ackerflächen. In der Projektbeschreibung wird Uetze als "Gemüsegemeinde" und als "Zwiebelhauptstadt" bezeichnet. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und die Feldberegnung spiele eine entscheidende Rolle, um die Ernte zu sichern und ihre Qualität zu steigern. Entsprechend groß sei der Wasserbedarf, zumal die sandigen Böden besonders schnell austrockneten. "Deshalb ist es wichtig, dass wir alle Akteure an einen Tisch bringen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln", betont Backeberg.
Die Region Hannover will deshalb im Verbund mit der Gemeinde Uetze ein Modellprojekt umsetzen, das anderen betroffenen Kommunen als Vorbild dienen kann. Dafür hat sie im November eine Projektskizze beim Bundesumweltministerium eingereicht und hofft jetzt auf einen Zuschuss aus dem Programm "Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel". "Für dieses Frühjahr erwarten wir die Rückmeldung, ob unser gemeinsames Projekt in die zweite Bewerbungsphase gekommen ist", sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.
Sofern die Region dann überzeugen kann und eine Zusage erhält, soll das Projekt im September 2021 starten und Ende 2023 abgeschlossen sein. Von den Gesamtkosten in Höhe von 330.000 Euro könnte der Bund gemäß Förderrichtlinie rund 80 Prozent übernehmen, also mehr als 260.000 Euro. "Sollte unsere Bewerbung keinen Erfolg haben, werden Anträge für andere Fördertöpfe ins Rennen geschickt", kündigt Abelmann an. 
Im Laufe des Projektes sind vier Workshops geplant, zu denen bis zu 50 lokale und regionale Akteure aus Land- und Forstwirtschaft, Gewässerwirtschaft und Naherholung eingeladen werden sollen. "Bislang galt Niedersachsen und insbesondere die Region Hannover nicht als Risikogebiet für Wasserknappheit und Dürre. Der Klimawandel schafft hier neue Fakten", sagt Abelmann. Deshalb sei es wichtig, sich gemeinsam auf klare Regeln für die Wasserentnahme und -nutzung zu einigen. Und Backeberg ergänzt: "Wir wollen sicherzustellen, dass für alle genug Wasser da ist, auch wenn von oben zu wenig nachkommt!"
Von den Gesamtkosten in Höhe von 330.000 Euro ist etwa die Hälfte dafür vorgesehen, einen Projektmanager oder eine Projektmanagerin einzustellen, die andere Hälfte soll verwendet werden, um externe Aufträge an Planungsbüros zu vergeben. Konkret gilt es beispielsweise zu prüfen, ob sich die vorhandenen landwirtschaftlichen Gräben so stauen lassen, dass Niederschlagswasser in den Ackerflächen gehalten werden kann. Außerdem soll untersucht werden, wie sich Ackerrandstreifen und Feldgehölzen auf den Wasserhaushalt auswirken.