Temposünder und Corona-Folgen

Bei einem Treffen im Gasthaus Kreuzkrug tauschen sich die Ortsbürgermeister mit dem Gemeindebürgermeister Werner Backeberg und weiteren Verwaltungsmitarbeitern aus.

Ortsbürgermeister aus der Gemeinde Uetze tauschen sich über aktuelle Herausforderungen aus

Uetze (fh). Die Ortsbürgermeister der neun Uetzer Ortschaften sind Anfang Juli, kurz vor der Sommerpause,im Gasthaus Kreuzkrug zusammengekommen. Bei dem traditionellen Treffen mit dem Gemeindebürgermeister Werner Backeberg und der Verwaltung schilderten sie, was die Einwohner derzeit umtreibt. Außerdem brachten sie Kritik und Wünsche vor. Hauptthemen des Abends waren zum einen die Folgen der Corona-Epidemie und zum anderen Verkehrsprobleme, insbesondere Geschwindigkeitsverstöße auf den Ortsdurchfahrten.

Hänigsen

Der Hänigser Ortsbürgermeister Norbert Vanin berichtete von den Autokolonnen, die wegen der Sperrung der B188, seit Wochen mitten durch das Dorf rollten. Die provisorisch aufgestellten Ampeln am Pappaul hätten die Situation zwar ein wenig entschärft, es komme aber trotzdem zu langen Staus. Und auch am Steindamm sorge eine Baustelle für Ungemach. Dort verlegt der Wasserverband Peine neue Leitungen. „Ich würde mir wünschen, dass auch dort im Kurvenbereich Baustellenampeln aufgestellt werden, um die Unfallgefahr zu reduzieren“, betonte Vanin.
Ein dauerhaftes Verkehrsproblem, ganz unabhängig von den gegenwärtigen Baustellen, gebe es auf der L 311 im Bereich Riedel. „Da sind viele Autofahrer deutlich zu schnell unterwegs. Seit der Sanierung der Landstraße ist das sogar noch schlimmer geworden“, so der Ortsbürgermeister. Von Anwohnern installierte Messgeräte zeigten teilweise Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern an. Vanin forderte deshalb die Installation einer offiziellen Mess­anlage.
Eine gute Nachricht für den Ort sei, dass die Gemeinde jetzt das Baugebiet Bockwindmühle auf den Weg bringen wolle. „Wir sind froh, wenn bei uns nach langer Zeit mal wieder ein paar neue Bauplätze entstehen“, betonte Vanin.

Dollbergen


Weil die Dollberger Ortsbürgermeisterin Tove Knebusch nicht persönlich an dem Treffen teilnehmen konnte, hatte sie Gemeindebürgermeister Werner Backeberg schon im Voraus einige Themen mit auf den Weg gegeben. Ein großes Problem seien die massiven Geschwindigkeitsverstöße an der L387 am Ortsausgang Richtung Oelerse. Das vorgeschriebene Tempolimit von 50 Stundenkilometern hielten dort die wenigsten ein. „Davon sind vor allem vier Einzelhäuser betroffen, die enorm unter der Verkehrsbelastung leiden“, schilderte Backberg. Es habe deshalb schon mehrere Ortstermine mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und der Region Hannover gegeben. Doch gelöst sei das Problem bisher nicht. Ein weiteres Dauerthema sei in Dollbergen der Wunsch nach verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf der Bahnhofsstraße.

Eltze

Auch der Eltzer Ortbürgermeister Hans-Hermann Brockmann wünscht sich auf der Ortsdurchfahrt der B 444 Maßnahmen zur Entschleunigung des Autoverkehrs. Zumal sich direkt an der Straße ein Altenheim befinde und Schulkinder die breite Straße queren müssten. In diesem Zusammenhang erneuerte er auch seine Forderung, an zwei schwer einsehbaren Ecken Verkehrsspiegel aufzustellen. Bisher habe der Ortsrat damit kein Gehör gefunden.
Brockmann bemängelte außerdem, dass die Polizeipräsenz in Eltze zu wünschen übrig lasse. „Als neulich mehrere Personen mit Autos auf einen Kinderspielplatz gefahren sind und dort randaliert haben, hat es anderthalb Stunden gedauert, bis ein Streifenwagen aus Burgdorf da war. Bis dahin waren die natürlich längst über alle Berge“, schilderte der Ortsbürgermeister.

Uetze


Der Uetzer Ortbürgermeister Jens Schumacher zeigte sich zufrieden darüber, dass Spaziergänger in der Herrschaft künftig wieder trockenen Fußes über die Fuhse kommen. Denn die Niedersächsischen Landesforsten, die Gemeinde Uetze und die Untere Naturschutzbehörde der Region Hannover haben sich auf den Neubau eines Stegs verständigt. Die baufällige alte Fußgängerbrücke hatten die Landesforsten im Sommer 2019 abreißen lassen. Danach stellte sich heraus, dass in der Naturschutzverordnung für die Herrschaft zwar die Wege zur Brücke ausgewiesen waren, nicht aber die Brücke selbst. Deshalb musste geprüft werden, ob ein Neubau trotzdem genehmigt werden könne.
Die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Ortschaft Uetze wird wegen der Corona-Epidemie auf nächstes Jahr verschoben, der Hauptfestakt sei nun für Mai 2022 geplant. Das Zwiebelfest solle nach der Absage im vergangenen Jahr in diesem Herbst zumindest wieder in begrenztem Rahmen im Freibad stattfinden.

Obershagen

Der Ortsbürgermeister von Obershagen Andreas Staas kritisierte, dass es wegen der Corona-Epidemie zu langen Wartezeiten im Bürgerbüro und insbesondere in der KfZ-Zulassungsstelle der Gemeinde gekommen sei. „Einwohner haben mir zum Teil berichtet, dass sie vier Wochen auf eine Autoanmeldung warten mussten. In Nachbarkommunen ging das zum Teil deutlich schneller“, sagte er. Bürgermeister Werner Backberg entgegnete, dass das vor allem an dem vierwöchigen Lockdown im Frühjahr 2020 liege. „Das schieben wir seitdem vor uns her“, machte er deutlich. Mittlerweile sei im Bürgerbüro ein zusätzlicher Arbeitsplatz eingerichtet worden, um den Stau abzubauen und bis auf KfZ-Zulassungen könnten alle anderen Angelegenheiten auch wieder ohne Termin erledigt werden.
Staas hob außerdem hervor, dass die Vereine in Obershagen wie überall massiv unter den Einschränkungen aufgrund der Corona-Epidemie gelitten hätten. „Jetzt fängt das Dorfleben langsam wieder an“, zeigte er sich erleichtert.
Der Umbau der St.-Nicolai-Kirche mit Anbau eines Dorfzentrums gehe voran, auch dank vieler Dorfbewohner, die ehrenamtlich mit anpackten. „Zum Teil melden sich so viele, dass wir aufgrund der Corona-Bedingungen schon bremsen müssen und einige bitten, beim nächsten Mal vorbeizukommen“, schildert Staas. Bis Ende des Jahres soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. „Wir hoffen, dass wir Weihnachten dann in den frisch renovierten Räumen feiern können“, so Staas.

Dedenhausen

Der Ortsbürgermeister von Dedenhausen, Joachim Hutschenreuter, kritisierte, dass es nach wie vor zu wenige Parkplätze am Bahnhof gebe. Viele Pendler aus den Nachbarorten im Landkreis Peine stellten ihr Auto morgens dort ab, um dann mit dem Zug im GVH-Tarif beispielsweise nach Hannover zu fahren. „Vor allem auf der Straße Hohes Feld fahren viele von ihnen deutlich zu schnell“, so Hutschenreuter. Und auch auf der Ortsdurchfahrt seien verkehrsberuhigende Maßnahmen wünschenswert. Die Zukunftswerkstatt Dedenhausen sei deshalb bereits selbst aktiv geworden und habe ein Geschwindigkeitsdisplay angeschafft, das jetzt reihum an fünf Standorten im Dorf aufgestellt werde.
Als weiteren Erfolg der Zukunftwerkstatt verbuchte er, dass sie in Kürze das Gasthaus „Zum Bahnhof“ kaufen könne. Eigens dafür gründet sie mit breiter Unterstützung aus dem Dorf eine Genossenschaft. „Die Unterlagen sind bereits eingereicht, jetzt warten wir darauf, dass sie offiziell eingetragen wird“, so Hutschenreuter. Dann könne der Kaufvertrag mit der bisherigen Eigentümerin Renate Geck abgeschlossen werden. Neue Pächterin ist Doreen Redent mit ihrer Mutter Constanze, die vorher das Gasthaus Zur Post in Schwüblingsen führten.
Kritik übte Hutschrenreuter an der neuen Sportförderrichtlinie, nach der nur noch Fußballvereine mit mindestens vier Mannschaften Zuschüsse erhalten. „Der MTV Dedenhausen mit drei Teams ist der einzige Verein, der davon ausgeschlossen wird. Dass ausgerechnet der kleinste Verein in der Gemeinde hinten runterfällt, empfinde ich als zutiefst ungerecht“, so Hutschenreuter.

Katensen

Der Katenser Ortsbürgermeister Thomas Sörgel berichtete von den Auswirkungen der Corona-Epidemie auf das Dorf. Schützen- und Maibaumfest seien ausgefallen. „Und statt sie zur traditionellen Weihnachtsfeier einzuladen, haben wir an die Senioren Weihnachtssterne verteilt. Das ist gut angekommen“, so Sörgel.
Außerdem berichtete er, dass die Gemeindeverwaltung die Heimatstube im Dachgeschoss der Alten Schule für Versammlungen gesperrt hat, weil es dort keinen zweiten Fluchtweg gibt und somit die Brandschutzauflagen nicht erfüllt sind. Die Mitglieder des Heimatbundes Uetze-Katensen müssen sich deshalb einen neuen Treffpunkt suchen. Sörgel setzt aber Hoffnungen in das Dorfentwicklungsprogramm, das von der Region Hannover finanziert wird. Katensen und Schwüblingsen haben sich dafür beworben. Wenn sie den Zuschlag bekommen, könnte darüber auch die Sanierung der ehemaligen Dorfschulen finanziert werden, so Sörgel.
Auf der Katenser Hauptstraße sei die Verkehrssituation sehr angespannt. „Viele rasen dort dort und bremsen nicht einmal am Kindergarten ab“, kritisierte der Ortsbürgermeister. Dort seien Kontrollen und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung deshalb dringend erforderlich.

Altmerdingsen

Aus Altmerdingsen war Ortsratsherr Guido van Hülst als Stellvertreter für Ortsbürgermeister Reinhard Degotschin zu dem Treffen gekommen. Er berichtete von dem neuen Bouleplatz, den der Ortsrat kürzlich gebaut hat.
Außerdem freuten sich viele Altmerdingser, dass in den nächsten Jahren der Radweg entlang der B188 nach Hülptingsen gebaut werden soll, sodass dann eine direkte Verbindung nach Burgdorf besteht. Parallel zur Baumaßnahme auf der B188 hätten auch schon die ersten Vorbereitungen für den Radweg begonnen. „Das war schon Thema, als wir vor 20 Jahren mit der Ortsratsarbeit begonnen haben. Ich bin froh, dass es nun endlich umgesetzt wird“, so van Hülst.

Schwüblingsen

Auch Schwüblingsen bekommt neue Radwege: Im Moment ist die Verbindung entlang der K 132 nach Dollbergen im Bau und 2024 soll eine weitere nach Arp­ke hinzukommen. „Das ist für unser Dorf eine gute Entwicklung“, sagte Ortsbürgermeister Eike Dralle.
Außerdem sprach er sich dafür aus, dass der Kindergarten in Schwüblingsen erhalten bleiben soll. „Wir brauchen nicht entweder in Schwüblingsen oder in Katensen einen Kindergarten, sondern sowohl als auch“, forderte er. Auch sonst sollten sich die beiden Ortschaften nicht gegeneinander ausspielen lassen, so sein Plädoyer. „Deshalb freue ich mich, dass wir bei der Bewerbung für das Dorfentwicklungsprogramm so eng zusammenarbeiten“, sagte er.
Ebenso wie in Dedenhausen hat auch der Ortsrat in Schwüblingsen eine Geschwindigkeitsmessanlage angeschafft. „Und mittlerweile ist so viel Geld zusammengekommen, dass wir bald noch eine zweite kaufen können“, so Dralle. Außerdem sei geplant, das örtliche Nahwärmenetz auszubauen und weitere Haushalte daran anzuschließen.
Wie es mit dem Gasthaus Zur Post weitergehe, sei noch ungewiss. Nachdem die bisherige Wirtin nach Dedenhausen gewechselt ist, sei noch kein neuer Pächter gefunden.