Tempolimits und neues Bauland

Der Altmerdingser Ortsbürgermeister Reinhard Degotschin wünscht sich neues Bauland an der Krätzer Straße.
 
Bei der Sanierung der Bushaltestellen an der B188 in Altmerdingsen sind die Haltebuchten weggefallen.

Ortsbürgermeister tauschen sich mit der Gemeindeverwaltung über aktuelle Entwicklungen in den Dörfern aus

Uetze (fh). Die Ortsbürgermeister sind am vergangenen Dienstagabend wieder zu ihrem traditionellen Treffen mit der Gemeindespitze zusammengekommen, erstmals nach der Kommunalwahl unter Regie des neuen Bürgermeisters Florian Gahre. Im Gasthaus „Zur Post“ in Schwüblingsen tauschten sie sich über die aktuelle Entwicklung in den Dörfern aus, machten auf konkrete Missstände und Wünsche aufmerksam und lobten zugleich die konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung. „Wenn wir uns melden und auf ein Problem aufmerksam machen, wird sofort gehandelt“, betonte der Katenser Ortsbürgermeister Olaf Reese.


Bedarf an Baugrundstücken

Als roter Faden zog sich der Wunsch nach neuen Bauplätzen durch die kurzen Lageberichte aller Ortsbürgermeister. „Das ist eine Herausforderung, die uns glücklich machen sollte“, resümierte Gahre. Denn der Bedarf an Bauland sei ein Beleg für die Attraktivität der Gemeinde Uetze und ihrer Ortschaften. „Und es ist ein gutes Zeichen, dass gerade junge Menschen, die in Uetze aufgewachsen sind, nach Ausbildung oder Studium irgendwann wieder zurückkommen möchten, um zu bauen oder Eigentum zu erwerben. So unglücklich können sie hier also nicht gewesen sein“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Deshalb nehme er diese Herausforderung gern an und wolle bei der Entwicklung von Bauland, der Schließung von Baulücken und Nachnutzung leerstehender Gebäude gemeinsam mit den Politikern in Rat und Ortsräten weiter voranschreiten.
In Dollbergen sei bereits einiges in Bewegung. „Im Neubaugebiet am Birkenweg haben fast alle Grundstückseigentümer angefangen, zu bauen“, so die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Tanja Büschenfeld. Und an der Ackerbergsstraße entwickele die Hannoversche Volksbank als Investor sieben Grundstücke.
Auch am Schwüblingser Weg in Katensen und an der Bockwindmühle in Hänigsen will die Gemeinde neue Baugebiete ausweisen. Der Rat hat die entsprechenden Verfahren im vergangenen Jahr bereits auf den Weg gebracht. Sowohl der Hänigser Ortsbürgermeister Norbert Vanin als auch sein Katenser Amtskollege Olaf Reese bedankten sich für diesen Schritt, machten aber zugleich deutlich, dass das allein aber noch nicht ausreiche. „Mit den 15 Grundstücken am Schwüblingser Weg können wir nicht einmal alle jungen Katenser bedienen, die sich gern ein Eigenheim bauen möchten“, so Reese. Und auch Vanin meldete für Hänigsen bereits weiteren Bedarf an.
Der Altmerdingser Ortsbürgermeister Reinhard Degotschin wünschte sich ebenfalls moderates Wachstum für sein Dorf. „Unser Ziel ist es, die neuen Bewohner kennenzulernen und ins Dorfleben einzubinden. Deshalb habe ich mich gefreut, beim Osterfeuer viele junge Familien und neue Gesichter zu sehen“, sagte er. Allerdings seien mittlerweile alle Bauplätze vergeben, die durch eine Abrundungsordnung geschaffen wurden und auch Leerstand gebe es im Dorf nicht. Deshalb sei auch Altmerdingsen an neuem Bauland interessiert. Dafür schlug er eine Fläche an der Krätzer Straße vor. „Der Landwirt wäre bereit, zu verkaufen und auf der anderen Seite gibt es bereits Wohnbebauung, sodass wir keine neue Infrastruktur schaffen müssten“, argumentierte er.
Auch der Eltzer Ortsbürgermeister Rudolf Schubert sprach von einer großen Erwartungshaltung im Hinblick auf ein neues Baugebiet, weil viele junge Familien auf der Suche nach Eigentum seien. „Wir wurden in den zurückliegenden Jahren wenig mit neuem Bauland bedacht“, betonte er. Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Herbst sei er schon mehrfach darauf angesprochen worden. „Ich werde an dem Thema dranbleiben und die Gemeindeverwaltung damit auch solange weiter nerven, bis sich etwas tut“, stellte er in Aussicht.


Fehlende Kita-Plätze

Ein weiteres Thema waren die Kita-Plätze, die in fast allen Ortschaften Mangelware sind. Zumindest im Ortsteil Uetze ist eine Verbesserung in Sicht, weil die AWO an Schapers Kamp eine neue Kindertagesstätte baut. „Damit könnten die Plätze künftig erst einmal ausreichen. Da sind wir auf einem guten Weg“, urteilte Ortsbürgermeister Hartwig Schumacher.
Sein Katenser Amtskollege Olaf Reese zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. Die Gemeindeverwaltung hatte bis vor Kurzem dafür plädiert, dass Katensen und Schwüblingsen nur eine gemeinsame Kita in einer der beiden Ortschaften bekommen sollten. Nach langem politischem Ringen setzte sich die neue Koalition aus SPD und CDU im Gemeinderat nun dafür ein, weiterhin in beiden Ortschaften Kita-Plätze vorzuhalten. „Ich freue mich, dass im Neubaugebiet am Schwüblingser Weg eine neue Kita vorgesehen ist“, sagte Reese und fügte hinzu: „Ich bleibe aber dabei, dass jetzt auch für Schwüblingsen eine vernünftige Lösung gefunden werden muss.
Auch in Dedenhausen müsse dringend etwas passieren, forderte der stellvertretende Bürgermeister Ulf-Hendrik Schrader. „Die Kindergarten-Situation bei uns ist inakzeptabel. Es gibt zu wenige Plätze und keine ausreichenden Betreuungszeiten“, fasste er zusammen. Im jetzigen Gebäude sei eine Erweiterung nicht möglich. Deshalb müsse die Gemeinde nach Alternativen suchen.
In Altmerdingsen steht der Bauwagen für den neuen Waldkindergarten bereits, nur das Personal fehlt noch. Ortsbürgermeister Reinhard Degotschin äußerte die Sorge, dass die Kita bei der Verteilung der pädagogischen Fachkräfte hintenangestellt werden könne, sodass sich die Eröffnung weiter hinauszögere. Die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch versicherte, dass die Stellen gezielt für den Waldkindergarten mit seinem besonderen pädagogischen Konzept ausgeschrieben würden. „Wenn sich Fachkräfte darauf bewerben, werden sie nicht einfach in einer anderen Uetzer Kita eingesetzt“, betonte sie.


Wunsch nach Tempolimits

Ein Dauerbrenner bei den Treffen der Ortsbürgermeister ist das Thema Verkehr. In nahezu jedem Dorf gibt Straßen, auf denen die Autofahrer chronisch zu schnell unterwegs sind. Der stellvertretende Ortsbürgermeister von Dedenhausen Ulf-Hendrik Schrader forderte verkehrsberuhigende Inseln an den Ortseingängen, insbesondere auf der Uetzer Straße. „Da brettern viele mit 80 Stundenkilometern nach Dedenhausen rein“, bemängelte er.
Sein Uetzer Amtskollege Hartiwig Schumacher ergänzte, dass es am anderen Ende der Straße am Ortseingang von Uetze nicht viel besser aussehe. „Da wären ebenfalls Verkehrsinseln wünschenswert“, betonte er. Und die stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Dollbergen Tanja Büschenfeld erneuerte den Wunsch nach verkehrsberuhigenden Inseln auf der Bahnhofsstraße.
Der Katenser Ortsbürgermeister Olaf Reese forderte indes eine Tempo-60-Begrenzung für die Verbindung zwischen seinem Dorf und Schwüblingsen. „Vor allem für Radfahrer ist die Strecke gefährlich“, begründete er. Sein Hänigser Amtskollege Norbert Vanin wies wie schon beim jüngsten Treffen im vergangenen Sommer erneut Ortsdurchfahrt der L311 in Riedel hin. „Da brauchen wir dringend Sicherungsmaßnahmen, weil auf der geraden Strecke viel zu schnell gefahren wird“, so Vanin.
Auch auf der B144 in Eltze seien die Autofahrer häufig zu schnell unterwegs. „Da wünschen wir uns eine Verkehrsberuhigung, auch wenn wir wissen, dass das bei Bundesstraßen nicht ganz einfach ist“, betonte der Eltzer Ortsbürgermeister Rudolf Schubert. Als erste Schritte plädierte er für Geschwindigkeitsmessungen und eine Verkehrsschau, um zusammen mit Gemeinde und Polizei auszuloten, welche Maßnahmen dort umsetzbar seien. Er schlug vor, zumindest die Tempo-30-Zone im Bereich des Altenheims so weit auszudehnen, wie es die rechtlichen Vorschriften zuließen.
Auf der Ortsdurchfahrt der B188 in Altmerdingsen hielten sich wegen des dort installierten Blitzers zwar die meisten an Tempo 50. Aber dort sei vor Kurzem in anderer Hinsicht eine potenzielle Gefahrenstelle entstanden. „Die Bushaltestellen wurden saniert und barrierefrei umgebaut. Wir haben uns lange dafür eingesetzt und freuen uns deshalb, dass es nun umgesetzt wurde“, so Ortsbürgermeister Reinhard Degotschin. Dadurch seien jedoch die Haltebuchten verschwunden, sodass die Busse nun auf der Fahrbahn stehen blieben. „Ich bin mir nicht sicher, ob das alle Autofahrer akzeptieren, wenn auf dem Weg zur Arbeit eilig nach Hannover oder Gifhorn wollen“, so Degotschin.
Bürgermeister Gahre versicherte ihm, dass die Gemeinde das bereits im Blick habe. „Wir wurden alle davon überrascht, dass durch den Umbau die Buchten weggefallen sind. Gemeinsam mit der Polizei beobachten wir jetzt, ob das zu einem möglichen Unfallschwerpunkt wird und werden gegebenenfalls nachsteuern“, stellte er in Aussicht.


Aufatmen nach Corona-Pause

Erleichtert zeigten sich die Ortsbürgermeister darüber, dass nach den langen Corona-Einschränkungen nun wieder Veranstaltungen möglich seien. „Hänigsen erwacht langsam wieder. Beim Osterfeuer waren mehr Besucher denn je. Das war wohl einerseits dem schönen Wetter zu verdanken, aber auch der Sehnsucht vieler Bewohner, nach der langen Durststrecke endlich wieder gemeinsam zu feiern“, schilderte Ortsbürgermeister Norbert Vanin. Corona habe die Dorfgemeinschaften leiden lassen. „Das muss sich jetzt wieder langsam berappeln“, sagte der Obershagener Ortsbürgermeister Andreas Staas.
Auch der stellvertretende Ortsbürgermeister von Dedenhausen Ulf-Hendrik Schrader bedauerte, dass die Dorfgemeinschaft in Dedenhausen unter der Pandemie gelitten habe. Doch wie schnell sie wieder zusammenrücke und aktiv werde, zeige sich an der Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge in der örtlichen Sporthalle. „Da ziehen alle an einem Strang. So wurden beispielsweise kurzfristig Fahrräder zur Verfügung gestellt und viele Helfer haben sich auf eine Liste setzen lassen und bieten beispielsweise Hilfe bei der Kinderbetreuung oder bei Arztbesuchen an“, so Schrader.