Starke Mädchen braucht das Land

Trainerin Ira Morgan war - mit Abstand - immer an der Seite der Mädchen. (Foto: Dana Noll)

Zweitägiger WEN-DO Kurs im JohnnyB.

Burgdorf (dno). Mit übergezogener Kapuze und lässigem Gang kommt Ira Morgan auf die Mädchen zu und fängt an, sie zu ärgern und zu pöbeln.
Aufrecht stellen sich die Mädchen hin, atmen einmal tief durch und sagen dann laut und mit klarer Stimme, was sie davon halten. „Stopp, hör auf, ich will das nicht!“ Dann gehen sie selbstbewusst weg und lassen die Angreiferin einfach stehen.
„So ist es richtig“, freut sich Ira Morgan, „diese Situationen sind keine Seltenheit auf Schulhöfen oder in der Freizeit.“ Unterstützt vom Frauen- und Mütterzentrum Burgdorf, zeigte die WEN-DO-Trainerin wie sich Mädchen in Situationen, in denen sie sich unwohl fühlen, angegriffen werden oder sogar in Bedrängnis kommen, zur Wehr setzen können. An dem zweitägigen Kurs im JohnnyB. in Burgdorf nahmen zehn Mädchen im Alter von sieben bis neun Jahren teil.
Mit kleinen Rollenspielen wurden bekannte Situationen nachgestellt, um neue Selbstbehauptungsstrategien auszuprobieren. „Ich lege viel Wert auf das Finden von verschiedenen Lösungen und verteile keine Patentrezepte.
So unterschiedlich wie die Mädchen sind, so unterschiedlich können auch die Lösungen sein“, erklärt Ira Morgan. In Wahrnehmungsübungen wurde trainiert, das eigene Unbehagen ernst zu nehmen und die Situation nicht zu verschönern, nach dem Motto: „Das ist doch gar nicht so schlimm.“
Solidaritätsübungen, Bewegungsspiele, Entspannungsübungen sowie ein Atem- und Stimmtraining wurden ebenfalls absolviert. Denn, „nur eine gute Atmung unterstützt die Aussagekraft der Stimme“, erklärt Ira Morgan.
So legte die Trainerin auch Wert darauf, dass die Kinder möglichst ernst bei der Sache blieben. „Wenn eine Situation nicht mehr lustig ist, muss man das auch zeigen. Immer auf das eigene Gefühl hören und das komische Gefühl im Bauch ernst nehmen, es funktioniert wie ein Alarmsystem“, erklärt die Trainerin.
WEN-DO ist ein speziell für Frauen und Mädchen zugeschnittenes Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsprogramm. Anfang der 70er Jahre in Kanada entwickelt, basiert es auf dem Prinzip der Ganzheitlichkeit. Das bedeutet, dass die innere Einstellung gleichermaßen trainiert wird wie die körperliche Selbstverteidigung.
„Was nützt es, viele Techniken zu kennen, aber sich im Notfall nicht zu trauen, diese einzusetzen“, so Ira Morgan, „wichtig ist es Gefahrensituationen schnell zu erkennen, realistisch einzuschätzen und adäquat zu handeln.“
Highlight für die jungen Kursteilnehmerinnen war das Üben von Selbstverteidigungstechniken mit dem Einsatz von Schlägen und Tritten und vor allem das Teilen eines Holzbrettes mit vollem aber gezieltem Körpereinsatz.