Spukgeschichten und Räuberpistolen

Der Nachtwächter und sein Gefolge.

Nachtwächter-Rundgänge durch Hänigsen finden großes Interesse

HÄNIGSEN (dno). Fast hätte jeder Hänigser seine Frau abends mit „Ma Chérie“ begrüßen müssen. Zumindest, wenn es nach den Franzosen ging, die durch Hänigsen gezogen sind. Die wollten nämlich, dass die Hänigser französisch lernen und ihrem Hochdeutsch abschwören.
Diese und andere Anekdoten erfahren Teilnehmer der beliebten Nachtwächterrundgänge, die sich mit Peter Brandes auf Spurensuche durch ihr Dorf begeben. Bereits im fünften Jahr führt er als „Nachtwächter“ die Touren durch den Ort und begibt sich dabei mit zahlreichen Interessierten auf Zeitreise. „Das Amt des Nachtwächters war immer sehr begehrt, obwohl es in der Rangfolge nur kurz vor dem Henker kam. Sie hatten meist die gleichen Klienten“, erzählte er bei einer seiner Führungen schmunzelnd. Der Nachtwächter war so etwas wie Polizist und Feuerwehr in einer Person. So musste er Alarm schlagen bei Feuer, Diebstähle verhindern, jede Stunde mit dem Horn ausrufen und auch immer ein Auge auf das moralische Leben im Ort haben.
Das Horn war auch bei seinem letzten Rundgang mit dabei. Und auch der Preckel, eine Art Eisenstab mit Spitze, und die Laterne, denn Straßenbeleuchtung gab es damals noch nicht. „Ich erzähle interessante Geschichten und Anekdoten aus vergangenen Zeiten“, erklärt Brandes. „Diese sind mal lustig oder spannend, immer interessant und vor allem unterhaltsam“, ergänzt eine Hänigserin. Recherche für seine Erlebnistouren betreibt er in alten Kirchenbüchern oder auch Gerichtsakten, unterstützt wird er dabei von Pastor Steffen Lahmann. Bislang gab es die Rundgänge, Hänigsen zur Zeit der Reformation sowie eine Tour durch fünf Jahrhunderte, die im Gedenkjahr 2018 stattfand.
Auch für diesen Herbst hatte sich der Heimatbundvorsitzende wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Mit dem Thema „Spukgeschichten und Räuberpistolen“, konnte er bei den ersten beiden Rundgängen bereits über 100 Gäste begeistern. „Es hat schon eine besondere Atmosphäre, wenn man so im Dunkeln durch den Ort zieht und den Geschichten lauscht“, erzählt eine Teilnehmerin.
So erfahren die Begleiter des Nachtwächters, welche Visionen den Hänigser Speukenkieker plagten, von einem besonderen Diebstahl oder den Erpresserbriefen, die nicht nur die Stadträte in Celle und Burgdorf in Atem hielten. Gemeinsam werden viele Schauplätze der schaurigen Begebenheiten erkundet. Dabei trifft Brandes immer wieder auf Akteure aus der Geschichte, die interessante Erlebnisse zu berichten haben.
Wer in die Ortsgeschichte noch einmal eintauchen möchte, hat am 30. Oktober 2019 letztmalig die Möglichkeit dazu. Die 90-minütige Tour startet am Haus der Begegnung, An der Kirche 2, um 19 Uhr. Danach gibt es noch einen kleinen Imbiss/Umtrunk. Die Teilnahme ist kostenlos. Allerdings bittet Nachtwächter Brandes für eine bessere Planung um Anmeldung im Kirchenbüro Obershagen-Hänigsen unter Telefon 0 51 47 - 2 29 oder per E-Mail an kg.haenigsen2@evlka.de.