Sieht die Zukunft des Uetzer Freibads genossenschaftlich aus?

Uetzes Fördervereinsvorsitzender Wolfram Dörner (2.v.li.) folgte den Ausführungen von Hans-Wolfgang Richter zu einem Rechtskleid „eingetragene Genossenschaft“ für das Freibad Uetze ebenso aufmerksam, wie die gut 190 Anwesenden im „Deutschen Kaiser“. (Foto: Georg Bosse)

Große Infoveranstaltung mit Hans-Wolfgang Richter und Reinhard Gräpel

UETZE (gb). Zur Diskussion um den Fortbestand der Freibäder der „Freizeitland“-Gemeinde Uetze in Hänigsen und Uetze hatte der Förderverein „Freibad Uetze“ am vergangenen Mittwochabend zu einer großen Informationsveranstaltung ins Hotel „Deutscher Kaiser“ eingeladen. Dabei referierten die zwei geladenen Gastredner, Hans-Wolfgang Richter (Hannover) und Reinhard Gräpel (Wunstorf/Luthe), die Möglichkeit, das Uetzer Bad in Form einer Trägerschaft durch eine noch zu gründende Genossenschaft am (Freizeit-)Leben zu erhalten.
Der im Sommer 1999 gegründete Förderverein „Freibad Uetze“ e.V., der inzwischen 220 zahlende Mitglieder zählt, hat in den zurückliegenden Jahren baderhaltende und -aufwertende Ausgaben in Höhe von rund 38.000 Euro bestritten. Die Spendengelder dafür kamen von der örtlichen Wirtschaft, vom Uetzer Ortsrat, von politischen Parteien, von Privatleuten sowie den Mitgliedern der ehrenamtlichen und gemeinnützigen Aktivgemeinschaft.
Dass die Gemeinde Uetze heute zwei Freibäder besitze, sei der kommunalen Gebietsreform von vor über 30 Jahren geschuldet, als Hänigsen seine eigene Badeanstalt mit einbrachte, blickte Fördervereins-Vorsitzender Wolfram Dörner kurz zurück. „Mittlerweile findet in dieser Republik ein Freibäder-Sterben statt, weil es sich bei ihrem Betrieb und Erhalt um so genannte „freiwillige Leistungen“ handelt, die schneller dem Rotstift zu Opfer fallen. Für das Freibad Uetze spricht die Lage an einem zentralen Schulstandort mit über 2.000 Schülern und die Annahme, dass zirka 65 Prozent der Gemeindebewohner wohl eher in Uetze zum Schwimmen gehen“, nannte Wolfram Dörner vor gut 190 interessierten Anwesenden im „Kaiser“-Saal gute Gründe für den Fortbestand des Bades.
Und das könnte gut und gerne mit einer Selbsthilfeeinrichtung im Rechtskleid „eingetragene Genossenschaft“ (eG) bewerkstelligt werden, so Hans-Wolfgang Richter vom Genossenschaftsverband (Neu Isenburg/Hannover) eingangs seines Vortrags, der den Weg von der „Idee bis zum Eintrag ins Genossenschaftsregister“ skizzierte. „Eine Genossenschaft bedeutet Kompetenzbündelung, die Eigennutz und Solidarität verbindet. So werden Betroffene zu Beteiligten, die Verantwortung übernehmen“, erklärte Richter. Darüber hinaus zeichne sich eine Genossenschaft durch Flexibilität, Stabilität und eine hohe Insolvenzfestigkeit aus. Ferner würde ein solche Bündelung bürgerlichen Engagements die Attraktivität des Wohn- und Wirtschaftsstandortes Uetze erhalten und erhöhen.
Reinhard Gräpel, Vorsitzender des Vorstandes der Genossenschaft „NaturErlebnisBad Luthe“, konnte aus eigener Erfahrung nur Positives zur Entwicklung des Luther Freibades seit der eG-Gründung im Jahre 2005 berichten. Man habe seinerzeit das Modell „PublicPrivatePartnership“ (PPP) gewählt und eine trostlose Anlage zu einem Naturerlebnisbad umgestaltet. Die Umbaukosten betrugen etwa 600.000 Euro. Heute ist die Genossenschaft Träger des Bades auf Basis eines Erbbaurechts mit Laufzeit 30 Jahre und eines jährlichen kommunalen Zuschusses in Höhe von 50.000 Euro. Die Genossenschaft kümmert sich erfolgreich um das operative Geschäft und der Förderverein „Freibad Luthe“ bringt seine ehrenamtlichen Leistungen ein. „Wir hatten in der vergangenen Saison 29.000 Besucher. Damit sind wir zufrieden“, sagte Reinhard Gräpel. Ein (eG-)Modell, das auch in Uetze Schule machen könnte?