Schunkeln hält warm

Drei Frauen regieren Katensen: Jugendkönigin Lara Frickmann (von links), Hauptkönigin Bärbel Sell und Wichtelkönigin Amy Winkel.
 
Mutig bringt Florentine Sell die Scheibe für die Wichtelkönigin Amy Winkel in luftiger Höhe an der Hauswand an. Amy Vater Oliver sichert sie ab.

Katenser Schützen ziehen bei Nieselregen und kühlen Temperaturen gut gelaunt durch den Ort / Drei Frauen sichern sich die Königstitel

KATENSEN (fh). "Ist dir das zu hoch? Soll das jemand anders übernehmen?", fragt eine Schützendame freundlich, als der Katenser Schützenumzug am Haus von Wichtelkönigin Amy Winkel Halt macht. Doch die achtjährige Florentine Sell schüttelt energisch den Kopf und erklimmt dann mutig die etwa vier Meter hohe Leiter, die an der Hauswand lehnt. Schließlich soll die neue Scheibe derjenigen aus dem Jahr 2017 Gesellschaft leisten, als Amy schon einmal Wichtelkönigin war. Und die hängt ausgerechnet über einem tiefer gelegenen Teil des Grundstücks.
Während Florentine mit ein bisschen Unterstützung von Amys Vater, der hinterher geklettert ist, in luftiger Höhe die Scheibe befestigt, vollführt die Wichtelkönigin unten am Boden schon ihren Ehrentanz. Zusammen mit ihrem Tanzpartner Eric Marquart wiegt sich die Elfjährige gekonnt zur Musik der Kornhäuser Musikanten im Takt.
Nicht nur bei den Wichteln, sondern auch bei den anderen beiden Königstiteln haben sich in Katensen diesmal Frauen durchgesetzt. Lara Frickmann hat beim Kommers am Freitagabend sogar gleich mehrfach abgeräumt: Sie ist Jugendkönigin geworden und hat zusätzlich noch drei Pokale gewonnen. "Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass ich diesmal schlecht geschossen habe", sagt sie. Doch da hatte sich die 14-Jährige ganz offensichtlich selbst unterschätzt.
Weil es in Katensen auch bei den Erwachsenen seit einigen Jahren keine separate Damenscheibe mehr gibt, stehen Frauen und Männer jetzt in direkter Konkurrenz. Doch diesmal haben die Schützendamen den Wettbewerb fast unter sich ausgemacht. Roland Meyer ist als einziger Mann ins Rennen gegangen. Bärbel Sell ließ ihn und ihre beiden Konkurrentinnen Uschi Ostermai und Silke Gräve souverän hinter sich. Damit hat sich die 65-Jährige zum ersten Mal in ihrem Leben die Königswürde gesichert.
Dass sich diesmal nur vier Mitglieder am Hauptkönigsschießen beteiligt haben, bereitet dem Vorsitzenden des Schützenvereins Katensen keine schlaflosen Nächte. "Nächstes Jahr werden es wieder deutlich mehr. Es haben schon viele angekündigt, dass sie 2020 König werden wollen", sagt er zuversichtlich. Außerdem sei dafür die Beteiligung am Pokalschießen diesmal besonders gut gewesen. Etwa 70 Schützen und Schützinnen haben sich an den unterschiedlichen Wettbewerben beteiligt - deutlich mehr als im vergangenen Jahr.
Beim bunten Umzug am Samstag hatte Bärbel Sell an diesem Titel ganz schön schwer zu tragen. Denn seit es in Katensen keine Damenkönigin mehr gibt, ist auch die deutlich leichtere Kette für die Frauen in irgendeiner Schublade verschwunden. "Wer den Wettbewerb jetzt gewinnt, egal ob Mann oder Frau, bekommt die Kette des Hauptkönigs. Und die hängt sich ganz schön an", gab Sell zu. Doch das nahm sie gern in Kauf und ließ sich davon ebenso wenig die Laune verderben wie vom leichten Nieselregen und den kühlen Temperaturen.
Trotz des ungemütlichen Wetters machte der Umzug eine etwa einstündige Pause in ihrem Garten - auch wenn dabei einige Schützenuniformen ebenso wie die liebevoll gestalteten Kostüme zum diesjährigen Motto "Cowboy und Indianer" unter dicken Jacken verborgen blieben. Als es dem ein oder andern im Sitzen doch zu kalt wurde, holte Sell flugs noch ein paar Kissen und wer trotzdem fröstelte, bekam statt des frisch gezapften Biers einen wärmenden Schnaps. Die Schützendamen hatten im Übrigen ihr eigenes Rezept gegen die Kälte: Sie schunkelten sich einfach zu den Stücken der Kornhäuser Musikanten warm.