"Schulter an Schulter gegen Einbrecher"

Freuen sich über den Beitritt der Gemeinde Uetze zum Netzwerk "Zuhause sicher": Christa Guderian vom örtlichen Seniorenbeirat (von links), Glasermeister Roger Möhle als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Hannover, Manuel Warga vom Präventions-Dezernat der Polizei, Gemeindesprecher Andreas Fitz, die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch, Hauptkommissar Gerd-Alfred Wrede von der Polizeistation Uetze und Michael Nickel von der Technischen Prävention der Polizeidirektion Hannover.
 
Die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch unterzeichnet die Beitrittsurkunde.

Die Gemeinde Uetze tritt dem Netzwerk "Zuhause Sicher" bei / Bürger können individuellen Beratungstermin vereinbaren

Uetze (fh). Als vorletzte Kommune in der Region Hannover ist die Gemeinde Uetze dem Netzwerk "Zuhause sicher" beigetreten. "Jetzt fehlt nur noch Pattensen, aber da laufen auch schon Gespräche", sagt Michael Nickel von der Technischen Prävention der Polizeidirektion Hannover. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Schutzgemeinschaft Hannover am 3. November sind dann voraussichtlich alle 21 Städte und Gemeinden in der Region dabei.
Das Netzwerk "Zuhause sicher" hat es sich zum Ziel gesetzt, den Einbruchsschutz bei privaten Häusern und Wohnungen zu verbessern. Dieser Zusammenschluss von Polizei, Kommunen, Versicherungswirtschaft sowie Industrie- und Handwerksbetrieben ist 2005 zunächst in Nordrhein-Westfalen entstanden. Heute gibt es bundesweit 47 lokale Schutzgemeinschaften in dem Netzwerk, eine davon seit 2010 in der Region Hannover.
Nach Vereinbarung besuchen Polizeihauptkommissar Michael Nickel oder einer seiner Kollegen Interessierte zu Hause und schauen sich vor Ort an, wo es Schwachstellen gibt. "Wir rütteln schon auch mal an einem Gitter, um zu prüfen, ob es stabil ist", beschreibt Nickel. Danach fertigen sie ein ausführliches Protokoll an und überreichen den Bewohnern eine Liste mit Tischlern, Glasern und Metallbauern, bei denen die erforderlichen Arbeiten in Auftrag gegeben werden können. Die dort genannten Handwerksbetriebe müssen zum einen die strengen Kriterien des Landeskriminalamtes erfüllen, zum anderen der Schutzgemeinschaft Hannover beitreten und regelmäßig an Schulungen teilnehmen.
Haben die Bürger alles umgesetzt, können sie noch einmal einen Termin mit der Technischen Prävention vereinbaren. Wenn die Polizeibeamten mit dem Ergebnis zufrieden sind, vergeben sie die Plakette "Zuhause sicher", die gut sichtbar an der Fassade angebracht werden kann. "Das hat eine ganz andere Wirkung auf potenzielle Einbrecher als Schilder wie 'Hier wache ich' oder 'Wachsamer Nachbar'", zeigt sich Nickel überzeugt.
Im vergangenen Jahr wurden in der Region rund 1150 Beratungen durchgeführt und 242 Plaketten vergeben. Doch auch diejenigen, die keine Plakette erhielten, setzten in der Regel zumindest einen Teil der Ratschläge um. "Eine Evaluation hat ergeben, dass 90 Prozent der Bürger nach einer Beratung zumindest einige Maßnahmen ergreifen", so Nickel.
Er bedauert allerdings, dass sich Bürger oft erst dann meldeten, wenn in der Nachbarschaft eingebrochen wurde. "Unser Ziel ist es, noch viel mehr auf frühzeitige Prävention zu setzen", sagt der Hauptkommissar und fügt hinzu: "Wir würden uns wünschen, dass angehende Hausbesitzer schon beim Grundstückskauf oder in der Bauphase auf das Netzwerk 'Zuhause sicher' hingewiesen werden und sich dann über sichere Türen und Fenster informieren könnten." Das sei meist günstiger als eine spätere Nachrüstung.
Gerade dabei komme den Kommunen eine wichtige Rolle zu. "Sie könnten Flyer im Bürgerbüro auslegen und bei Informationsveranstaltungen zu Neubaugebieten darauf aufmerksam machen", schlägt Nickel vor. Aber auch der Seniorenbeirat sei ein wichtiger Partner, um gerade ältere Menschen zu erreichen. "Wir müssen Schulter an Schulter gegen die Einbrecher stehen", fordert der Hauptkommissar.
Und warum ist die Gemeinde der Schutzgemeinschaft Hannover erst jetzt beigetreten, zehn Jahre nach deren Gründung? "Wir haben das schon seit Jahren auf der Agenda, haben es aber nie mit letzter Konsequenz verfolgt und Nägel mit Köpfen gemacht", räumt die Erste Gemeinderätin Ursula Tesch ein. Doch zuletzt war die Gemeinde mehrfach selbst betroffen: 2017 und 2018 wurde ins Rathaus eingebrochen; im Juni dieses Jahres gab es erneut einen Versuch, der diesmal aber scheiterte. Als Michael Nickel daraufhin bei der Verwaltung anrief und noch einmal für das Netzwerk warb, ließ sich die Gemeinde nicht mehr lange bitten. Etwa einen Monat später hat Tesch nun die Beitrittsurkunde unterzeichnet.
Und das solle nicht nur ein symbolischer Akt bleiben, stellt die Erste Gemeinderätin in Aussicht. "Wir haben schon einige Ideen, wie wir die Informationen streuen können", sagt sie. Bei Neubaugebieten sollten in jedem Fall Architekten und Bauherren angesprochen werden. "Aber gerade junge Familien bauen nicht immer neu, sondern kaufen oftmals auch alte Häuser und sanieren sie", gibt Tesch zu Bedenken. Deshalb solle auch über die Elternvertreter in den Kitas auf das Beratungsangebot aufmerksam gemacht werden. Denn auch bei alten Häusern sei es oft sinnvoll, den Einbruchsschutz zu verbessern.
Wer sich zum Einbruchsschutz beraten lassen möchte, kann mit der Technischen Prävention der Polizeidirektion Hannover einen Termin vereinbaren, unter Telefon (0511) 1091114. Weitere Infos gibt es auch unter www.zuhause-sicher.de.