Schüler erforschen Vergangenheit

Freuen sich über die Erfolge beim Geschichtswettbewerb: Katharina Jakob (von links) und Merle Wrede, Schulleiterin Andrea Wundram, Johann Dralle, Sabrina Beschke und Charlotte Cording sowie ihre Geschichtslehrerin Gudrun Hahn. (Foto: privat)

Acht- und Neuntklässler des Gymnasiums Uetze haben an einem bundesweiten Geschichtswettbewerb teilgenommen

Uetze (r/fh). Schüler des Gymnasiums Unter den Eichen haben im zurückliegenden Schuljahr erfolgreich am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ teilgenommen und sowohl regional als auch familiengeschichtlich geforscht. Für den Beitrag „Spaß am Sport in schweren Zeiten. Berichte aus Niedersachsen und Ostpreußen“ erhielt der Neuntklässler Johann Dralle einen von 25 niedersächsischen Förderpreisen, der mit 200 Euro dotiert ist.
Johann Dralle hat sich in seiner Arbeit damit beschäftigt, wie sein Großvater, sein Urgroßvater und dessen Schwester Sport und Freizeit in den 1940er und 50er Jahren erlebten. Er kommt zu dem Schluss, dass Sport im Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde. Einerseits habe er ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen, andererseits aber diejenigen ausgrenzte, die nicht der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen. Zudem erfuhr Johann Dralle, dass Kriegsgefangene aus Großbritannien, die in der Gefangenschaft das Tennisspielen gelernt hatten, diese Sportart nach Schwüblingsen gebracht haben.
Seine Interviewpartner erzählten aber auch ganz konkret, wie sie früher Sport trieben: In ihrer Freizeit spielten sie Völkerball, Schlagball und Fußball zwischen Brennnesseln und Dornen, oft barfuß. Weil Lederbälle eine Seltenheit waren, wurden stattdessen Knäuel aus Kleidung oder aus Innereien von Tieren verwendet.
Seine Rechercheergebnisse fanden schließlich ihren Niederschlag in einem Podcast. „Ich habe mich für einen kreativen Beitrag entschieden, weil ich diese Abgabeform persönlicher finde und dieses Format in der Corona-Zeit immer beliebter wurde und somit aus meiner Sicht für diese Zeit steht“, berichtet Johann Dralle.
Sabrina Beschke und Charlotte Cording, ebenfalls aus dem neunten Jahrgang, haben sich in ihrem Beitrag mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluss die Gründung des Kaliwerks auf Sportvereine und das gesellschaftliche Leben in Hänigsen hatte.
Dafür recherchierten sie unter anderem im Heimatmuseum in Hänigsen, beschäftigten sich mit der Heimatchronik und führten Interviews mit älteren Mitgliedern des Sportvereins. Sie fanden heraus, dass die Sportvereine zur damaligen Zeit etwa zur Hälfte aus einheimischen Bauern und zur anderen Hälfte aus zugezogenen Arbeitern aus dem Bergbau bestanden. Auch die Steiger, Aufsichtspersonen unter Tage, und die Direktoren der Bergbaugesellschaft traten den örtlichen Radfahrgruppen, Faustballgruppen oder Fuß- und Handballgruppen bei.
Die Achtklässlerinnen Katharina Jakob und Merle Wrede ahaben sich an dem Wettbewerb mit einem „Hörbuch über den Schützenverein in Uetze“ beteiligt und sind dafür mit einem von 75 bundesweiten Sachpreisen in Form eines Bücherchecks ausgezeichnet worden.
Die Schülerinnen haben herausgefunden, dass der Schützenverein 1903 gegründet wurde, damit ohne Komplikationen Schützenfeste gefeiert werden konnten. Während der Weltkriege durfte allerdings nicht geschossen werden und die Schützenfeste wurden abgesagt. Im Laufe der Zeit wurde das Schützenheim ausgebaut, weitere Sparten kamen hinzu, wie zum Beispiel 1953 die Damensparte, und später die Kinder- und Jugendabteilung. „Wir wollten keinen Bericht schreiben, da wir die Geschichte des Schützenvereins lebendiger machen wollten“, so die beiden Schülerinnen, weshalb sie sich für ein Hörspiel entschieden haben. "Uns ist bewusst geworden, dass wichtige Ereignisse in der Geschichte selbst bis in die kleinsten Dörfer Konsequenzen hatten", sagen Katharina Jakob und Merle Wrede.