Rockfestival und Dorffest

Während das "Piratenpack" aus Plockhorst Aloha Heja He spielt, rudern die Besucher auf den forderen Bankreihen kräftig mit.
 
Die Band "Leewood & Friends" spielt Klassiker der Rock- und Popmusik aus den vergangenen 40 Jahren.

Hunderte Besucher feiern beim Schwüblingser Biker Open Air

SCHWÜBLINGSEN (fh). Verglichen mit Schützenfesten, Osterfeuern und anderen Bräuchen ist das Biker Open Air noch jung. Doch für viele Schwüblingser ist es in den vergangenen Jahren zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Kirsten Meyer war bei der Premiere vor 23 Jahren selbst noch ein Kind. Jetzt ist sie 31 Jahre alt und hat am vergangenen Samstag ihre eigenen Töchter Nana und Yuna mitgebracht. "Ich bin hier aufgewachsen. Da gehört das Biker Open Air einfach dazu", sagt Meyer. Und ihre Mutter Birgit Longo fügt hinzu: "Wir haben hier einen richtigen Familientisch mit drei Generationen."
Genau so stellt Friedhelm Ludwig von den Schwüblingser Bikern sich das vor. "Ich finde es toll, dass hier Jung und Alt zusammenkommen", sagt er. Deshalb gebe es für die Veranstaltung auch viel Rückhalt im Dorf. "In unserer Gruppe sind wir nur noch acht Aktive. Ohne Helfer könnten wir das gar nicht stemmen", sagt er. Tatkräftige Unterstützung bekommen sie beispielsweise von der Junggesellschaft der Schwüblingser Schützen. Sie packen nicht nur beim Auf- und Abbau mit an, sondern stehen auch den ganzen Abend über am Zapfhahn und versorgen die Besucher mit Pommes, Bratwurst und Getränken. Für die Biker ist das die Haupteinnahmequelle, um ihr Open Air zu finanzieren. Denn an dem Abend treten vier Bands auf - und das bei freiem Eintritt.
Den Auftakt machte wie in jedem Jahr ein Fanfarencorps. Das haben sich die Schwüblingser Biker von dem Heavy-Metal-Festival in Wacken abgeschaut, wo zu Beginn stets die örtliche Feuerwehrkapelle spielt. Doch in Schwüblingsen war das diesmal sowohl optisch als auch akustisch ein besonderes Erlebnis: Das "Piratenpack", das aus dem Plockhorster Fanfarenzug hervorgegangen ist, trat nicht in klassischen Uniformen auf, sondern mit Dreispitz, lässig gebundenen Kopftüchern und Totenkopf-Fahne. Und auch das Publikum war immer wieder gefordert: Ob es nun darum ging, bei dem bekannten Shanty "Drunken Sailor" kräftig mitzugrölen oder zu dem Song "Aloha Heja He" von Achim Reichel im Takt zu rudern.
Danach spielte die Band Leewood & Friends eine Mischung aus Rock- und Popklassikern der vergangenen 40 Jahre, darunter "Puple Rain" von Prince, "Wild World" von Cat Stevens und "Cello" von Udo Lindenberg und Clueso. Nach etwa einer Stunde löste "Groove Village" ab, bevor dann zum Höhepunkt des Abends die "Rockkantine" die Bühne betrat und dem Publikum mit Songs von Neuer Deutscher Welle bis hin zu Hard Rock einheizte.
Mehrere hundert Besucher sind zum Biker Open Air gekommen. Unter ihnen auch Reintrud Heumann, die zu den Stammgästen gehört. "Das ist genau meine Musik", kommentiert sie. Von Anfang an sei sie jedes Jahr dabei Dabei gibt es mit dem Heavy-Metal-Festival in Wacken eine starke Konkurrenz. "Da würde ich schon gern mal hin. Aber wenn das gleichzeitig stattfindet, komme ich lieber hierher", sagt sie mit einem Augenzwinkern. In die Musikauswahl der Schwüblingser Biker habe sie volles Vertrauen: "Ich kannte die Bands vorher nicht, aber ich lasse mich einfach überraschen, bisher wurde ich hier noch nie enttäuscht."
Das sieht Nina Fiedler etwas anders. Wie ihr die Musik gefällt? "Geht so", sagt sie mit einem Schmunzeln. Trotzdem sei sie jedes Mal dabei gewesen, seit sie vor fünf Jahren mit ihrer Familie aus Lehrte nach Schwüblingsen gezogen sei. "Der Zusammenhalt hier ist einfach genial und die Stimmung ist bombe", findet sie. Und beim Auftritt des "Piratenpacks" zum Auftakt hat sie zusammen mit ihrer vierjährigen Tochter Lene sichtlich Spaß.
Nicht nur viele Schwüblingser haben sich am Samstagabend auf dem Alten Sportplatz versammelt. Auch Gäste aus dem Nachbardorf Arpke sind gekommen so wie beispielsweise Jan und Christina Gronwald. "Wir hatten einfach Lust auf einen netten Abend. Die Atmosphäre hier ist sehr familiär und wir treffen viele Bekannte", sagt Jan. Und Christina fügt hinzu: "Außerdem können wir ganz gemütlich mit dem Fahrrad kommen."