Plötzlich Schützenkönig

Die "Löwinnen" der Eltzer Schützen haben sich in diesem Jahr zum Bunten Umzug als Stewardessen verkleidet.
 
Beim Schützenfest haben die Eltzer drei Tage lang ihre diesjährigen Majestäten gefeiert: Bürgerschützenkönig Mirko Hammacher (von links), Damenkönigin Elke Bahlau, Junggesellenkönig Sven Treude, Löwenkönigin Marleen Elgart, Jugendkönigin Leni Götze und Kinderkönig Sandro Nicolas.

Mirko Hammacher hat sich am Familientag spontan am Königsschießen der Eltzer Schützen beteiligt und auf Anhieb den ersten Platz belegt

ELTZE (fh). Eigentlich war Familie Hammacher nur zum Familientag der Eltzer Schützen gekommen, um eine Bratwurst zu essen. "Aber als wir dann da waren, hat meine Frau plötzlich vorgeschlagen, dass wir uns eigentlich auch mal an den Schießwettbewerben beteiligen könnten", sagt Mirko Hammacher. Genau eine Woche später durfte er beim "Bunten Umzug" am Schützenfestsonntag nun auf den liebevoll geschmückten Wagen der Majestäten klettern und sich durch die Straßen kutschieren lassen. Denn er ist auf Anhieb Bürgerschützenkönig geworden. In Eltze dürfen nicht nur Vereinsmitglieder, sondern alle Dorfbewohner an den Wettbewerben um die Königswürden teilnehmen. "Ich bin schon stolz, dass es gleich im ersten Anlauf geklappt hat, obwohl ich nicht im Verein bin und nicht trainiere", sagt er.
Seine Frau und seine Tochter mussten sich zwar knapp geschlagen geben, aber auch ihre Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Beide haben es, ganz ohne Übung, ins Stechen geschafft, wo in jeder Kategorie die beiden besten Teilnehmer gegeneinander antreten. Dabei zeigte Mia Marie Hammacher noch einmal ein glückliches Händchen und zog mit ihrem Kontrahenten gleich. So mussten die beiden noch in ein zweites Stechen, wo sich dann Sandro Nicolas als diesjähriger Kinderschützenkönig durchsetzte.
Der Elfjährige ist seit ziemlich genau einem Jahr dabei. Damals war seine Familie gerade erst aus Uetze nach Eltze gezogen und zum Familientag vor dem Schützenfest gekommen, um Kontakte zu knüpfen. Seine Mutter Carina Nicolas wurde auf Anhieb Damenkönigin und da packte auch ihren Sohn Sandro der Ehrgeiz. Was ihm an dem Schießsport am besten gefällt? "Abzeichen sammeln", sagt der Elfjährige. Innerhalb weniger Monate ist er schon Vereinsmeister geworden und seit dem Wochenende schmückt jetzt auch seine erste Königsscheibe die Hauswand.
Bei der 13-jährigen Leni Götze hängen nun sogar schon zwei Scheiben. 2016 ist sie Kinderkönigin geworden, dieses Jahr hat sie sich die Jugendkönigswürde gesichert. "Ich habe gehofft, das es klappt. Ich wollte gern wieder gewinnen", sagt sie. Dafür hätte sie gern noch mehr geübt. Doch mehrere Wochen lang musste sie auf das Training verzichten, weil die Eltzer Schützen ihren Schießstand renoviert haben. "Es waren umfangreiche Arbeiten. Wir haben tapeziert, gestrichen und neuen Fußboden verlegt", sagt Pressesprecherin Nina Schwarz. Pünktlich zu den Schießwettbewerben für das Schützenfest sei dann das Gröbste fertig gewesen.
Nur für den König der Könige gibt es in Eltze keine Scheibe. Diesen besonderen Titel, um den all diejenigen konkurrieren können, die schon einmal König oder Königin waren, hat diesmal Ralf Rathmann errungen. Allen anderen Majestäten statten die Eltzer Schützen im Laufe ihres Festwochenendes einen Besuch ab und bringen das sichtbare Zeichen ihres Erfolgs an den Hauswänden an.
Die beiden jüngsten Majestäten, Kinder- und Jugendkönig, waren schon am Freitag an der Reihe; beim Bürgerschützenkönig haben die Eltzer die Scheibe dann am Sonntag angebracht. Ebenso wie bei Damenkönigin Elke Bahlau, Löwenkönigin Marleen Elgart und Junggesellenkönig Sven Treude. Zu diesem Anlass treten die Schützen traditionell nicht in Uniformen an, sondern in bunten Kostümen. "Jedes Jahr denken wir uns andere Mottos aus. Das ist immer eine spannende Angelegenheit weil die Abteilungen das untereinander geheim halten", erläutert Pressesprecherin Schwarz.
Nur die beiden Jugendabteilungen sprechen sich ab: So haben sich die Junggesellen dieses Jahr als Piloten verkleidet und die Löwinnen als Stewardessen mit schicken blauen Kostümen, den charakteristischen Hüten und Sonnenbrillen. Und sogar stylische Rollkoffer zogen einige während des Umzugs hinter sich her. Wie immer beim Bunten Umzug lösten sich die beiden jungen Abteilungen immer wieder vom Rest des Umzugs, nahmen Abkürzungen oder schlugen Umwege ein: Da ging es dann auch mal quer durch den Kiosk, wo es für jeden noch ein Glas Schnaps für den Weg gab.
Die Schützendamen verkleideten sich in diesem Jahr als Ritter und Burgfräulein und die anderen örtlichen Vereine machten den Umzug mit ihren Wagen und Fußgruppen noch ein bisschen bunter. Die Eltzer Fründe kamen unter dem Motto "50 Jahre Woodstock" in Hippie-Outfits. Außerdem waren der Motorradclub Sky Riders, der MTV Eltze, die Eltzer Landfrauen und der Bacardi-Club mit dabei. An allen drei Festtagen hatten die Eltzer Schützen mit dem Wetter Glück. "Am Freitag hat es vorher noch geregnet, aber als wir losgehen wollten, hörte es auf", so Nina Schwarz. Und auch am restlichen Wochenende blieb es trocken. "Beim Festumzug am Samstag war es leicht bewölkt. So haben wir in unseren Uniformen nicht so geschwitzt", sagt Schwarz.