Ökumenischer Einkehrtag in Hänigsen

Organisatoren und Referierende (v.l.): Dr. Ulrich Ensinger, Diplom-Theologe Matthias Borchert, Prof. Dr. Peter Antes und Pastor Steffen Lahmann freuen sich über die gelungene Veranstaltung. (Foto: Steffen Lahmann)
 
Pastor Steffen Lahmann bedankte sich mit Blumen bei Äbtissin Diodora für ihre Teilnahme am ökumenischen Einkehrtag. (Foto: Steffen Lahmann)

Studientag „Gesucht und gefunden“ führte Katholiken, Protestanten und Orthodoxe zusammen

HÄNIGSEN (r/bs). Gemeinsam hatten die römisch-katholische St. Nikolausgemeinde Burgdorf und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hänigsen-Obershagen am 20. Oktober zum ökumenischen Einkehrtag ins „Haus der Begegnung“ nach Hänigsen eingeladen.
Unter dem Titel „Möglichkeiten des Christentums. Auf der Suche nach unseren orthodoxen Schwestern und Brüdern“ stand die die Beschäftigung mit den orthodoxen und orientalischen Kirchen im Mittelpunkt des Studientags, zu dem Dr. Ulrich Ensinger und Pastor Steffen Lahmann über 30 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen konnten.
Lahmann wies auch vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Debatten darauf hin, wie wichtig es sei, miteinander statt übereinander zu reden und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass neben Katholiken und Protestanten auch Vertreterinnen und Vertreter der orthodoxen Kirche am diesjährigen Treffen teilnahmen.
Für das Eingangsreferat konnten die Organisatoren Professor Dr. Peter Antes von der Leibniz Universität Hannover gewinnen. Der Religionswissenschaftler, Theologe und Orientalist führte die Teilnehmenden in die geschichtlichen Bezüge zwischen den Kirchen in West- und Osteuropa ein.
Dass sich die Kirchen in West- und Osteuropa spätestens seit dem Jahr 1054 unterschiedlich entwickelten, sei Antes zufolge, nicht nur auf theologische Streitfragen zurückzuführen, sondern hat seine Gründe daneben auch kirchenpolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahrhunderte gehabt. Darüber hinaus ging Antes auch auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den orthodoxen Kirchen Osteuropas und den orientalisch-orthodoxen Kirchen ein, die man sachgemäß unterscheiden müsse.
Viele Themen der anschließenden Diskussion wurden auch am Nachmittag wieder aufgegriffen, an dem in die religiöse Praxis des orthodoxen Christentums eingeführt wurde. Im Anschluss an einen Film, der die Teilnehmenden über die Bedeutung und Entstehung von Ikonen informierte, schloss sich der Vortrag von Matthias Borchert an.
Der Diplom- Theologe Borchert gehört der serbisch-orthodoxen Kirche an und skizzierte in seinem Referat religiöse Vollzüge des orthodoxen Christentums, wobei er immer wieder auch Parallelen zum römischen Katholizismus und dem Protestantismus zog.
Ergänzt wurden Borcherts Ausführungen durch den Vortrag von Äbtissin Diodora, die einer orthodoxen Klostergemeinschaft in Himmelsthür vorsteht. Die im Saarland aufgewachsene Hannoveranerin konvertierte vor über 30 Jahren in Griechenland zum orthodoxen Glauben und wird von der orthodoxen Welt als Erneuerin des weiblichen Ordenslebens über Griechenland hinaus verehrt.
Neben den Einblicken in das Leben einer orthodoxen Klostergemeinschaft, die Äbtissin Diodora gab, ermutigte sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ökumenischen Einkehrtages vor allem darin, nicht in dem Bestreben nachzulassen, das Verbindende zwischen den christlichen Konfessionen zu suchen.
Und so führte der Weg einige Interessierte am nächsten Morgen in die serbisch-orthodoxe Kirche in Hannover, wo sie gemeinsam an der Feier der göttlichen Liturgie (dem orthodoxen Gottesdienst) teilnahmen, woran sich eine Kirchenführung durch Matthias Borchert anschloss.