Obstwiese vor der Haustür

Rouven Ossadnik und seine Frau Birte Becker haben zusammen mit ihren Nachbarn eine Streuobstwiese angelegt.
 
Kathrin Krüger (von links) und Ellen Zimmermann helfen auf der Streuobstwiese tatkräftig mit.

Bewohner der Neubausiedlung Mühlenbergsee haben 13 Bäume gepflanzt

Obershagen (fh). Die Neubausiedlung am Mühlenbergsee in Obsershagen hat jetzt eine eigene Streuobstwiese. Bewohner haben sie kürzlich auf einer angrenzenden Freifläche angelegt, die ursprünglich für einen Spielplatz oder eine kleine Parkanlage vorgesehen war. Schon vor über einem Jahr hatte Rouven Ossadnik überlegt, dort im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung Obstbäume zu pflanzen. Doch dann habe er kalte Füße bekommen, weil er nicht als Privatperson die alleinige Haftung dafür übernehmen wollte. „Ein Nachbar hatte die rettende Idee, einen Verein zu gründen“, so Ossadnik.
Doch auch das sei mit einigen bürokratischen Hürden verbunden gewesen. „Insgesamt haben die Vorbereitungen fast ein Jahr in Anspruch genommen, Anfang dieses Jahres konnten wir den Verein dann gründen“, erläutert er. Was ihn dabei besonders freut: Im Laufe der Monate sei das Vorhaben mehr und mehr zu einem Gemeinschaftsprojekt geworden, an dem sich jetzt viele Nachbarn beteiligen.
Die rund 2000 Quadratmeter große Fläche stellt die Gemeinde für das Projekt kostenlos zur Verfügung, aber für die Bepflanzung müssen die Anwohner selbst aufkommen. Damit der Pflegeaufwand im Rahmen bleibt und die erste Ernte nicht allzu lange auf sich warten lässt, hat der Verein keine kleinen Setzlinge, sondern stattliche Jungbäume angeschafft. Pro Stück kosten sie etwa 100 Euro. „Um das finanzieren zu können, haben wir Baumpatenschaften vergeben“, erläutert Ossadnik.
Im ersten Schritt konnten auf diese Weise 13 Obstbäume gepflanzt werden, insgesamt sollen es 20 werden. „Wie es sich für eine Streuobstwiese gehört, sind es überwiegend alte Sorten. Vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Kirschen und Quitten sind dabei“, beschreibt der Vereinsvorsitzende. Und nicht nur bei der Sortenauswahl will der Verein auf Tradition setzen, sondern auch bei der Pflege. „Ich habe zum Beispiel schon mit einem Schäfer aus dem Dorf gesprochen, der sich vorstellen könnte, seine Schafe auf unserer Wiese grasen zu lassen. So könnten wir auf das Mähen mit Maschinen verzichten“, sagt Ossadnik. Und ein Imker werde voraussichtlich zu Ostern einen ersten Bienenkorb auf der Wiese aufstellen.
Beste Voraussetzungen also, damit die Bäume wachsen und gedeihen und die Blüten bestäubt werden. Kritisch könne es hingegen werden, wenn wieder ein heißer, trockener Sommer komme. „Dann werden wir natürlich regelmäßig gießen müssen“, kündigt Ossadnik an. Direkt auf der Wiese stehe kein Wasseranschluss zur Verfügung. Aber ein Nachbar auf einem angrenzenden Grundstück wolle seinen Schlauch zur Verfügung stellen. „Von dort werden wir das Wasser dann mit Schubkarren zu den Bäumen bringen“, erläutert der Vereinsvorsitzende. Und auch darüber hinaus haben sich die Vereinsmitglieder noch einiges vorgenommen: So sollen beispielsweise alle Jungbäume eingezäunt werden, um sie vor den Schafen zu schützen, die dort grasen sollen.
Doch spätestens beim ersten Biss in einen Apfel vom eigenen Baum wird diese Mühe wahrscheinlich vergessen sein. „Wir sind guter Dinge, dass wir schon im Herbst die ein oder andere Frucht ernten können“, sagt Ossadnik. Wenn es die Corona-Lage bis dahin zulässt, dann vielleicht sogar gemeinschaftlich. Bei der Pflanzaktion Anfang März haben sie sich aufgrund der Kontaktbeschränkungen hingegen aufgeteilt: So sind die jeweiligen Paten zu unterschiedlichen Zeiten auf die Wiese gekommen, um ihren Baum einzubuddeln.