Neustart beim Gasthaus "Zum Bahnhof"

Die langjährige Wirtin Renate Geck (im Vordergrund) freut sich, dass Doreen Redent (rechts hinter ihr) , Constanze Redent (rechts hinten) und ihr Service-Team die Gaststätte weiterführen. (Foto: privat)

Die neuen Wirtinnen öffnen einen Biergarten / Zukunftswerkstatt bereitet Renovierung vor

Dedenhausen (r/fh). Nach dem Betreiberwechsel und langer Corona-Pause ist das Gasthaus „Zum Bahnhof“ in Dedenhausen seit Anfang August wieder geöffnet. Die Eigentümerin und langjährige Wirtin Renate Geck hat aus Altersgründen aufgehört und verpachtet die Räume seit Februar an Constanze Redent und ihre Tochter Doreen Redent. Ihren Menü-Bringdienst haben sie zwar auch während des Lockdowns angeboten, doch vor Ort konnten sie bis vor Kurzem keine Gäste empfangen.
Jetzt geht es aber wieder los: Immer dienstags bis samstags öffnen sie von 18 bis 23 Uhr den Biergarten, die Küche schließt um 21 Uhr. Außerdem planen die neuen Wirtinnen einige Sonderaktionen: Am Samstag, 21. August, wird es ab 18 Uhr ein italienisches Büffet geben und am Samstag, 11. September, ein veganes Büffet. Anmeldungen sind per E-Mail an info@menuebringdienst-redent.de oder unter Telefon (0174) 1992183 möglich.
Für ihre Stammkunden plant die bisherige Wirtin Renate Geck noch ein Abschiedsfest. „Ich bin froh, vor 46 Jahren in Dedenhausen gelandet zu sein“, sagt sie. Nun hat sie nicht nur als Betreiberin aufgehört, sondern will sich auch von dem Gasthaus trennen. Weil sich lange kein Käufer fand, will die Zukunftswerkstatt das selbst in die Hand nehmen und hat die die Gründung einer Genossenschaft in die Wege geleitet. Über 200 Bewohner wollen als Anteilseigner dazu beitragen, dass das Gasthaus als Mittelpunkt des Dorflebens erhalten bleibt.
Nun warten sie noch auf den offiziellen Eintrag ins Genossenschaftsregister, um die Gaststätte kaufen zu können. Derzeit sitzen der Vorstand und der Aufsichtsrat über den Bauplänen zur Renovierung. Das Gebäude muss insgesamt saniert und den heutigen Standards angepasst werden. Auch die Küche und die Sanitäranlagen werden von Grund auf renoviert. Weil in der Gemeinde Uetze Mietwohnungen fehlen, sollen in den beiden Stockwerken über der Gastwirtschaft außerdem bis zu sechs neue Wohneinheiten entstehen.
Um das finanzieren zu können, sollen möglichst viele Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden. Zusätzlich will der Vorstand der Genossenschaft in den kommenden Monaten Fördermittel beantragen. Und er wirbt um weitere Mitglieder, die Anteile kaufen möchten. Beitrittserklärungen können auf der Internetseite https://zumbahnhof.jimdofree.com heruntergeladen werden.
Die Gaststätte hat eine lange Tradition: Sie wurde bereits 1895 von Heinrich August Wiedenroth eröffnet, kurz nachdem der Bahnhof Dedenhausen fertiggestellt war. In den zurückliegenden 126 Jahren hat sich an dem Gebäude viel verändert. Nach dem ersten Weltkrieg bestand ein erhöhter Bedarf an neuen Wohnungen. Deshalb konnte das Gasthaus mithilfe von Fördermitteln um zwei Etagen erweitert werden.
Ende der 1930er Jahre pachtete Toni Behlke aus Abbeile die Gastwirtschaft. Das Haus entwickelte sich zu einem regen Veranstaltungsort. Es wurden Feuerwehr- und Sängerbälle durchgeführt sowie Theater- und Weihnachtsmärchen auf die Bühne gebracht.
In den Folgejahren wechselten immer wieder die Besitzer und Pächter. Zuletzt erwarben 1973 Renate und Hein Geck die Gastwirtschaft. Der Saal wurde für große Hochzeiten, Trauerfeiern und andere Familienfeste genutzt. Regelmäßig traf sich dort die Chorgemeinschaft Dedenhausen zu ihren Übungsabenden. Aber auch viele örtliche Vereine halten dort ihre Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen ab.
Auch nach dem Tod ihres Ehemannes hat Renate Geck die Gaststätte viele Jahre alleine weiter betrieben.