Kunst und Mathematik

Unter Anleitung von Stephanie Gerns von der Kunstspirale (links) und Kita-Leiterin Irmi Görtzen erstellten die Kinder in Gemeinschaftsarbeit unter anderem so genannte Wimmelbilder. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Kunst am Kindergarten: Die achtbeinige Spinne und auch das große Spinnennetz stehen für die Ziffer Acht, wissen die „großen Störche“ im Storchennest. (Foto: Susanna Veenhuis)

Projekt für Vorschulkinder der Kita Storchennest in Zusammenarbeit mit der Kunstspirale

HÄNIGSEN (sv). Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage stellt sich im Kindergarten Storchennest in Hänigsen gar nicht. Im Zweifelsfall wird alles aufgehoben und mit Farbe, Kleber und viel Kreativität für wunderbare, fantasievolle Kunstwerke verwendet. Das zeigte jetzt eine außerordentlich vielfältige Ausstellung als Ergebnis des Projekts „Mathematik und Kunst“.
In Zusammenarbeit mit Stephanie Gerns von der Kunstspirale hat Kita-Leiterin Irmi Görtzen mit insgesamt 36 sogenannten großen Störchen – Vorschulkindern im Alter von fünf und sechs Jahren – Zahlen und mathematische Figuren wie Kreis und Dreieck in Bildern, Collagen und Skulpturen dargestellt. Jeweils sechs Kinder haben eine Woche lang von 9 bis 11.30 Uhr an dem Projekt gearbeitet. Bei „Forschungsexpeditionen“ durch ihr Dorf fanden die Kinder weitere Beispiele für Zahlen wie beispielsweise auf runden Gullideckeln oder Verkehrszeichen.
Dass jeder Wochentag zur Unterscheidung von den anderen eine bestimmte Farbe hat, ist in der Kita Storchennest sowieso schon lange Prinzip. „Dann können die Kinder auch ohne lesen zu können erkennen, welchen Wochentag wir haben“, erläutert Görtzen. Die Wochentage sind durchnummeriert und wurden in das Kunstprojekt mit einbezogen. So entspricht beispielsweise der Montag als erster Tag der Woche der Eins und hat die Farbe Rot, Dienstag ist grün und ist mit der Zwei verknüpft und so weiter.
Die Kinder ließen sich bei dem Projekt auch von berühmten Künstlern inspirieren, beispielsweise von Hundertwasser, Jasper Johns, Paul Klee, Mario Merz, Mondrian, Miró, Gerhard Richter und Vasarely. Dementsprechend vielfältig sind die Ergebnisse: Druckarbeiten mit selbst gemachten Stempeln, genagelten Spiralen, waghalsigen Skulpturen oder Materialcollagen. So lernten die Kinder nicht nur viel über Mathematik, sondern gewannen auch Erkenntnisse über das Mischen von Material und Farbe und nicht zuletzt Statik bei den teilweise waghalsigen Pappschachtel-Monumenten.
Dabei haben alle Elemente der großen Zahlenstadt, auch eine numerische Bedeutung haben. So bilden beispielsweise kreisrunde Käseschachteln ganz in Orange als sieben Swimmingpools die Ziffer Sieben ab. Jannis hat einen martialisch aussehenden „Roboter Nr. 5“ gebaut und Marie ihre Katze Lizzy mit zwei kreisrunden Kringelohren.
Auch viele Gemeinschaftsarbeiten, bei denen sich die Kinder austauschen und abstimmen mussten, sind entstanden wie etwa die Wimmelbilder, eine Webarbeit zur Vier und ein Spinnennetz für die Acht, die beide die Fassade des Kindergartens zieren.„Durch die gemeinsame Arbeit in Kleingruppen setzt ein intensiver Prozess der Sprachbildung ein – Sprache ist hier ganz wichtig“, sagte Görtzen.
Die Materialien dazu landen anderswo im besten Fall im Wertstoffsack. Im Storchennest kann das nicht weg, sondern wird Kunst: Leere Klorollen, Schraubdeckel, Käse- und andere Schachteln, Plastik-Bonbonnieren und viele andere Einweg-Dinge, dazu Steine, Zapfen, Stöcke und weitere Naturmaterialien erfahren in anderen Zusammenhängen und mit neuer Deko eine Art Upcycling und bestärken gleichzeitig die Kinder in ihrer Fanstasie und Kreativität.