Kultur zwischen Aller, Fuhse und Aue

Ein neues Logo soll Identität stiften und den Wiedererkennungswert erhöhen. (Foto: r)

Der Verein Flotart, die Kunstspirale Hänigsen und das Kulturhaus Wienhausen erhalten für Gemeinschaftsprojekt 100.000 Euro vom Bund

HÄNIGSEN/BRÖCKEL/WIENHAUSEN (fh). Mit dem Fahrrad braucht Jens-Christian Schulze etwa eine Viertelstunde um von Bröckel im Landkreis Celle aus nach Uetze zu kommen, eine Busverbindung besteht zwischen den beiden Nachbarorten trotzdem nicht. Für den Sprecher des Kulturvereins FlotArt ist das symptomatisch: "Zwischen den Landkreisen gibt es oft gläserne Wände", schildert er seine Beobachtung. Und genau die will FlotArt zusammen mit der Kunstspirale Hänigsen und dem Kulturhaus Wienhausen zumindest bei der Kulturarbeit überwinden.
Der Projekttitel "Kulturregion Aller-Fuhse-Aue" knüpft bewusst an die gleichnamige Leader-Region an, die noch bis 2020 mit EU-Mitteln gefördert wird. "Dahinter steht ja auch der Gedanke der überregionalen Zusammenarbeit, den wir jetzt auch im kulturellen Bereich noch stärker aufgreifen wollen", so Schulze. Gemeinsam haben sich die drei Projektpartner deshalb für das Programm "Ländliche Entwicklung" des Bundesministeriums für Landwirtschaft beworben und jetzt den Zuschlag für Fördermittel in Höhe von 100.000 Euro erhalten.
"Damit wollen wir zeigen, dass wir voneinander profitieren können", so Schulze. Denn was für den Busverkehr gelte, treffe auch im kulturellen Bereich zu: Zwischen Vereinen und Initiativen aus den unterschiedlichen Landkreisen gebe es kaum Verbindungen. "Gerade im ländlichen Raum muckelt dann oftmals jeder vor sich hin und weiß gar nicht, dass die anderen ganz ähnliche Probleme haben und man sich zusammen tun könnte", so Schulze. Beispielsweise um gemeinsam eine Bühne zu kaufen oder zu mieten und so Kosten zu sparen.
Während nach Gifhorn nach wie vor nur wenige Kontakte bestünden, sei die Zusammenarbeit drei Partner der neuen Kulturregion seit vielen Jahren erprobt. So war das Kulturhaus Wienhausen schon mehrfach KulturRaum beim FlotArt-Fest, das alle zwei Jahre stattfindet. Und auch mit der Kunstspirale in Hänigsen gebe es viele Berührungspunkte. "Das beruht auch auf persönlichen, freundschaftlichen Kontakten der Akteure", betont Schulze.
Diese Zusammenarbeit wollen sie nun mithilfe der Fördermittel intensivieren. Herzstück soll eine neue Kultur-Servicestelle werden. Dafür seien erst einmal weder neue Büroräume noch zusätzliche Mitarbeiter nötig. "Wir wollen zunächst einfach eine zentrale Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse einrichten, an die sich Kulturschaffende wenden können", so Schulze. Ihnen würden dann Ansprechpartner vermittelt, die beispielsweise bei einem Förderantrag helfen, einen Ausstellungsort vermitteln oder beim Bau einer Bühne helfen können.
Und auch in der konkreten inhaltlichen Arbeit wollen FlotArt, Kunstspirale und Kulturhaus näher zusammenrücken. Ein besonderes Augenmerk legen sie dabei auf Mitgestaltung und kulturelle Teilhabe für alle Bewohner der drei Ortschaften. So solle beispielsweise das Begegnungsangebot für Demenzkranke in der Kunstspirale weiter ausgebaut und später auch in Bröckel übernommen werden. Außerdem wollen die drei Projektpartner gemeinsam eine Sommer-Akademie mit vielen unterschiedlichen Workshops anbieten beispielsweise zu den Themen Film, Tanz, Theater und Töpfern. Im Kulturhaus Wienhausen ist eine Ausstellung geplant, die zeigt, wie sich junge Künstler aus der Region mit dem Thema "Heimat" auseinandersetzen.
Und noch etwas liegt den Beteiligten am Herzen: "Wir wollen zeigen, dass es auf dem platten Land nicht langweilig ist, sondern dass da kulturell viel passiert", so Schulze. Er selbst komme aus Hannover und sei vor sechs Jahren nach Bröckel gezogen: "Ich war erstaunt, was hier alles möglich ist."