Komprimisse am Gartenzaun

Albrecht Martern ist seit zehn Jahren Schiedsmann für Dedenhausen, Dollbergen, Eltze und Uetze. Im Herbst will er sein Ehrenamt abgeben.

Als Schiedsmann vermittelt Albrecht Martern seit zehn Jahren bei Nachbarschaftskonflikten / Jetzt will er sein Amt abgeben und die Gemeinde sucht einen Nachfolger

UETZE (fh). Mal ist es ein zu hoher Gartenzaun oder ein Ast, der weit über die Grundstücksgrenze wächst, ein anderes Mal sind es nicht zurückgezahlte Schulden oder eine Beleidigung - seit zehn Jahren ist Albrecht Martern jetzt Schiedsmann für die Ortschaften Dedenhausen, Dollbergen, Eltze und Uetze und vermittelt vor allem bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, ab und zu aber auch bei Körperverletzungen oder anderen Konflikten. "Es hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich habe dabei ganz unterschiedliche Menschen kennengelernt. Und oft sind wir nebenbei auch ins Klönen gekommen zum Beispiel über das Segeln, Radfahren oder andere Hobbys", sagt der 71-Jährige.
Doch im Oktober endet seine Amtszeit nun und er wird nicht wieder kandidieren. "Ich denke, das ist ein guter Zeitpunkt, um einen Schnitt zu machen und einem Jüngeren die Gelegenheit zu geben, dieses Ehrenamt zu übernehmen", sagt Martern. Deshalb sucht die Gemeinde Uetze für seinen Bezirk einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Noch bis zum 20. Februar können sich Interessierte bewerben (siehe Kasten).
Albrecht Martern war früher Lehrer für Biologie und Chemie am Gymnasium Burgdorf. Als er gerade in den Ruhestand gegangen war, bekam er mit, dass für seinen Bezirk eine neue Schiedsperson gesucht wurde und fühlte sich sofort angesprochen. "Ich habe damals gemerkt, dass ich noch ein bisschen Beschäftigung gebrauchen könnte und wollte gern etwas mit Menschen machen", erinnert er sich. Außerdem war er schon an der Schule Beratungslehrer gewesen und hatte schulpsychologische Fortbildungen besucht - eine gute Grundlage also für das Amt des Schiedsmannes.
Martern betont aber auch, dass das keine Voraussetzungen seien, um diese Aufgabe zu übernehmen. Schließlich bekommt jeder am Anfang seiner Tätigkeit einen zweitägigen Einführungskursus und könne später auch weitere Fortbildungen besuchen. Doch was noch wichtiger ist: "Wenn man unsicher ist, kann man andere Schiedsleute fragen oder im Zweifelsfall auch mal den Amtsrichter", so Martern.
Denn trotz aller Vorbereitung sei bei seinem ersten Schlichtungsverfahren als Schiedsmann noch unsicher gewesen. "Ich habe mich dann mit einem erfahrenen Schiedsmann aus der Umgebung getroffen und bin den Fall mit ihm durchgegangen", sagt Martern und fügt hinzu: "Natürlich anonymisiert!" Denn die ehrenamtlichen Streitschlichter unterliegen der Schweigepflicht - selbst untereinander dürfen sie persönliche Daten nicht einfach weitergeben. Gestärkt durch das Gespräch mit seinem Kollegen ging er dann mit dem nötigen Selbstvertrauen in die Verhandlung - und alles sei gut gelaufen.
Und tatsächlich führt das Schiedsverfahren oft zum Erfolg: Im Laufe der zehn Jahre hat Martern insgesamt 72 Fälle dokumentiert und in 63 Prozent davon haben die Gegner am Ende eine einvernehmliche Lösung gefunden. In etwas mehr als einem Drittel konnten sie sich hingegen nicht einigen. Doch in vielen dieser Fälle habe auch gar keine Verhandlung stattgefunden. "Einer der häufigsten Gründe für ein Scheitern ist, dass eine Seite gar nicht erst zum angesetzten Termin erscheint", so Martern.
Ziel des Schiedsamtes ist es, die Gerichte zu entlasten. Für die Beteiligten hat es den Vorteil, dass es deutlich schneller geht und günstiger ist. "Es gibt keine langen Anfahrtswege und man kann auch Termine außerhalb der üblichen Bürozeiten vereinbaren, zum Beispiel auch mal abends um 19 Uhr", ergänzt Martern. Außerdem böten diese Verfahren mehr Spielraum als eine Gerichtsverhandlung. "Es geht nicht darum, penibel ein Gesetz anzuwenden, sondern eine Lösung zu finden, mit der beide leben können", schildert der 71-Jährige. So könnten sich Nachbarn beispielsweise auch auf einen etwas höheren Zaun einigen, als es gesetzlich zulässig ist, wenn sich der Konflikt dadurch beilegen lässt.
Bei den Verhandlungsterminen ist der Schiedsmann vor allem Moderator. "Ich muss neutral sein und darauf achten, dass beide Seiten zu Wort kommen", beschreibt er. Wenn sich die Diskussion im Kreis drehe oder festgefahren sei, könne er auch mal eine Pause anordnen. Wenn dann am Ende beide Seiten zu einer Einigung kommen, sei das für ihn immer ein besonders schöner Moment. "Manchmal war das Verhältnis zu Beginn sehr angespannt. Dann habe ich mich besonders gefreut, wenn die Beteiligten wieder ins Gespräch gekommen sind und eine gemeinsame Lösung gefunden haben", so der Schiedsmann.
Eine unterschriebene Einigung im Schiedsverfahren ist übrigens genauso verbindlich wie ein Gerichtsurteil. "Sie ist dann rechtskräftig und kann 30 Jahre lang vollstreckt werden", betont Martern.

Schlichter gesucht

Das Schiedsamt für die Ortschaften Dedenhausen, Dollbergen, Eltze und Uetze prinzipiell jeder übernehmen, der das 30. Lebensjahr vollendet hat und in dem betreffenden Bereich wohnt. Interessenten bewerben sich bis zum 20. Februar bei der Gemeinde Uetze, Team Bürgerbüro, Ordnung und Verkehr, Andreas Kühne, Telefon (05173) 970321. Ein Formular kann von der Internetseite der Gemeinde Uetze unter www.uetze.de heruntergeladen werden und ist auch im Rathaus erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.uetze.de sowie unter www.schiedsamt.de.