Gemeinde profitiert vom Windstrom

Stephan Weil (von links) informiert sich beim früheren Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg und seinem Nachfolger Florian Gahre über die Windenergie in der Gemeinde Uetze.
 
Marcus Biermann von den Bürgerwindparks Uetze I und II (von links), Bürgermeister Florian Gahre und Henning Bethmann unterzeichnen die Vereinbarung.

Zusätzlich zur Gewerbesteuer erhält Uetze für acht neue Anlagen auch eine Direktvergütung

Uetze (fh). Wenn sich die acht Windkrafträder am Immenberg in Uetze drehen, macht sich das auch ganz direkt in der Gemeindekasse bemerkbar. Denn dort profitiert die Gemeinde künftig nicht nur wie bei allen Betreibern von der Gewerbesteuer, sondern erhält zusätzlich eine Vergütung von 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde. Bei insgesamt acht Anlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von 8.500.000 Kilowattstunden pro Jahr kommen so rund 135.000 Euro zusammen. „Über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren hinweg sind das stolze 2,7 Millionen Euro“, rechnet Wirtschaftsförderer Andreas Fitz vor.
Diese direkte finanzielle Beteiligung ist erst möglich, seit der Bund das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) entsprechend geändert hat. Vorerst gilt das nur für Anlagen, die seit 2021 in Betrieb gegangen sind. Auf Bundesebene wird derzeit diskutiert, ob die Direktvergütung auch auf ältere Anlagen ausgeweitet werden soll. Davon könnte Uetze erheblich profitieren, da sich auf dem Gemeindegebiet insgesamt 50 Windräder drehen. Doch das ist Zukunftsmusik.
Die aktuelle Regelung betrifft zunächst die insgesamt acht neuen Windräder am Immenberg –sieben gehören zu den Bürgerwindparks I und II und eine wird von der Gesellschaft Ackerstrom betrieben, einem Zusammenschluss von Grundstückseigentümern. Die beiden Betreiber haben nicht lange gezögert, zumal für sie dadurch unterm Strich kein Nachteil entsteht. Denn sie können sich dieses Geld nachträglich vom Bund aus dem EEG-Fonds zurückerstatten lassen.
Am Montag kamen Marcus Biermann als Vertreter der Bürgerwindparks Uetze I und II sowie Henning Bethmann als Vertreter für Ackerstrom ins Uetzer Rathaus und unterzeichneten mit Bürgermeister Florian Gahre eine entsprechende Vereinbarung. „Seit Langem machen wir uns in Uetze auf den Weg, um das Klima mit erneuerbaren Energien zu verbessern“, betonte Gahre. Die monetäre Beteiligung der Gemeinde könne helfen, die Bürger auch weiterhin auf diesem Weg mitzunehmen und die Akzeptanz vor Ort zu stärken. Denn das Geld komme dem allgemeinen Gemeindehaushalt zugute und schaffe so für Politik und Verwaltung zusätzliche Spielräume.
Bürgerproteste gegen den Bau von Windrädern habe es in Uetze nie gegeben. „Aber wir hören schon hin und wieder von Anwohnern, dass insbesondere die neuen Anlagen größer und lauter sind und mehr Schatten werfen“, so Fitz. Deshalb sei es gut, wenn nicht nur das Klima von den erneuerbaren Energien profitiere, sondern auch die Menschen vor Ort. Zusätzlich zur Gewerbesteuer und der neuen Vergütung ist die Gemeinde übrigens auch selbst Miteigentümerin mehrerer Windräder. Sie hat eine eigene Anlage und ist an zehn weiteren mit jeweils zehn Prozent beteiligt. „Rechnerisch haben wir also zwei eigene Windräder“, so Fitz.
Wenn Bürger kritisieren, dass Uetze bei der Windenergie seinen Beitrag bereits über die Maßen geleistet habe und jetzt andere Städte und Gemeinden dran sein, verweist Fitz allerdings auf die unterschiedlichen Voraussetzungen. „In der Region Hannover sollte jeder das in die Waagschale werfen, was er am besten kann. Wir als Flächengemeinde bieten gute Bedingungen für Windenergie. Das ist in den dichter besiedelten Kommunen nicht so ohne weiteres möglich. Dort gibt es dafür beispielsweise Kinos und Theater, die auch von den den Uetzerinnen und Uetzern gern besucht werden. Das sind Dinge, die uns in der Gemeinde fehlen“, argumentiert er.

Ministerpräsident besucht Windrad

Zwei Tage nach der Vertragsunterzeichnung im Rathaus hat der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil ein Windrad in Schwüblingsen besucht. Bei Bürgermeister Florian Gahre und seinem Vorgänger Werner Backberg erkundigte er sich nach dem Uetzer Erfolgsrezept für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Denn in vielen anderen Kommunen verzögern oder verhindern Bürgerinitiativen den Bau von Windrädern – nicht so in Uetze.
Backeberg zählte mehrere Faktoren auf: Uetze habe den Ausbau der erneuerbaren Energien zum strategischen Ziel erklärt. „Als finanzschwache Kommune haben wir uns vor rund 15 Jahren überlegt, wie wir uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können“, rief er in Erinnerung. Gemeinsam habe man sich damals dafür entschieden, vor allem auf die Windkraft zu setzen. „Da bestand große politische Einigkeit und die Beschlüsse wurden im Rat alle einstimmig gefasst“, so Backeberg.
Zudem habe die Gemeinde von Anfang an auf Transparenz gesetzt und auch einen Betreiber im Boot gehabt, der offen und fair mit den Bürgern und Grundstückseigentümern umgegangen sei. Diese positive Erfahrung wirke bis heute nach. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass die Kommune und damit auch die Bürger finanziell profitierten. Deshalb sei es gut, dass zusätzlich zur Gewerbesteuer jetzt auch eine Direktvergütung möglich sei.