Es geht um die Zukunft des Kernortes von Hänigsen

Das Haus am Pappaul entspricht mit rotem Fachwerk und Sprossenfenstern den künftigen Bauvorschriften. (Foto: Renate Tiffe)
 
„Die alte Deckstation“ ist ein vorbildlich erhaltenes Gebäude, das auf die Geschichte von Hänigsen als Pferdezuchtort hinweist. (Foto: Renate Tiffe)

CDU kämpft gegen massive Einschränkungen im Bebauungsplan

HÄNIGSEN (ti). Seit zwei Jahren befasst sich der Ortsrat von Hänigsen mit der weiteren Entwicklung seines Kernortes in einem zukünftigen Bebauungsplan. Der erste Entwurf wurde bereits im Januar 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es gab einen veränderten zweiten Entwurf, der von der Mehrheit im Ortsrat beschlossen wurde. Die Entscheidung trifft allerdings der Gemeinderat in Uetze, der im Oktober die endgültige Fassung verabschieden will. Am 12. August endet die Frist für die zweite öffentliche Auslegung – eine letzte Chance für die Einwohner in dem betreffenden Bereich, noch Einsprüche und Bedenken vorzubringen.
Wie in vielen Kommunen der Region stößt auch in Hänigsen die Ausdehnung der Ortschaft in der Fläche an ihre Grenzen. Es gibt schon seit Jahren keine Ausweisung von Neubaugebieten mehr. Stattdessen soll die Entwicklung nur noch im Inneren des Ortes stattfinden. Bislang gibt es für diesen Bereich keinen Bebauungsplan. Das sich soll sich nun ändern. „Der Ortskern darf nicht verfallen. Wir müssen aber die Bebauung steuern, um Bausünden zu verhindern“, sagt der Ortsbürgermeister Norbert Vanin (SPD), der auch Mitglied im Uetzer Rat ist. Soweit gibt es eine Übereinkunft mit allen Parteien im Hänigser Ortsrat, der allerdings nur Empfehlungen aussprechen kann.
Hänigsen ist mit 6000 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Uetze. Letzten Endes geht es um die Zukunft in einem sehr großen Bereich, sozusagen dem Altdorf, wie es vor dem zweiten Weltkrieg bestand. Der innere Kern rechts und links von Henighuser Straße und Steindamm wird von der Verwaltung als MD1 (Mitteldorf 1) gekennzeichnet. Darum legt sich wie ein Ring der Bereich MD2, der in MD3 und MD4 ausläuft.
Betroffen vom künftigen Bebauungsplan sind alle Teile in unterschiedlicher Weise. So soll es in MD3 und MD4 Einschränkungen bei den Grundstückszahlen auf 0,3 geben, d.h. dass nur noch 30 Prozent des Grundstücks bebaut werden dürfen (inklusive Pflasterung, Carport u.a.). Bisher lagen die Zahlen bei 0,6. In den Bereichen MD1 und MD2 kommen noch einschneidende Vorschriften für die Gestaltung der Gebäude hinzu. Die Fassaden müssen zu 50 Prozent aus rotem Klinker oder Fachwerk mit roten oder rotbraunen Steinen oder hellem Putz bestehen. Die Dächer dürfen nur noch mit roten unglasierten Dachziegeln abgedeckt sein. Genaue Vorschriften soll es auch für das Format der Fenster, möglichst mit Sprossen, geben.
Dagegen läuft nun die CDU-Fraktion im Ortsrat Sturm, die drei der insgesamt neun Sitze im Ortsrat innehat. „Wir wollen unseren schönen Ortskern erhalten. Aber wir müssen auch nachkommenden Generationen noch Chancen für Bauvorhaben lassen“, meint Brigit Fricke (parteilos). Die Bausünden von vor 30 Jahren dürften nicht ausschlaggebend sein. Es gelte, die ortsprägenden Bauernhöfe zu erhalten, was vielfach in verantwortungsvoller Weise in Eigenregie geschehe. Etwa zehn der Betriebe werden noch im Vollerwerb bewirtschaftet, und ebenfalls zehn im Nebenerwerb.
Die CDU fordert, die Grundstückszahlen auf 0,6 zu belassen und sieht eine drastische Knebelung bei der Gestaltung der Gebäude in MD1 und MD2. Eine hellgeputzte Fassade, ein sog. Dämmputz, sei künftig nicht mehr möglich. Heidi Marz, CDU-Vorsitzende und Mitglied des Uetzer Gemeinderats, weist darauf hin, dass auch bei energetischen Sanierungen das alte Fachwerk wieder herausgearbeitet werden müsse und nur nach innen gedämmt werden könne. Das sei für viele auch eine Kostenfrage. Die CDU wolle das nicht hinnehmen, betont sie. Der Ortsbürgermeister sieht das eher gelassen: Es müsse nicht gebaut werden, wenn das Geld nicht reicht.
Bei einer Rundfahrt durch den Kernort weisen die Frauen auf viele Beispiele von Häusern hin, die so nicht mehr gebaut werden dürften. Am Pappaul, dem eigentlichen Ortszentrum mit dem Dorfplatz, zeigt sich das sehr deutlich. Das Haus am Pappaul entspricht den Vorschriften mit Fachwerk und Sprossenfenstern. Auch der alte Bauernhof daneben wird auf diese Weise saniert. Das gelbe Gebäude nicht weit davon entfernt, „ginge dann aber nicht mehr“. Und beim Wohnhaus links mit der Kunstfaserstoff-Fassade müsste bei einer Sanierung das Fachwerk wieder zum Vorschein kommen.
Natürlich müsse künftig alles so gestaltet werden, dass es zum Ortsbild passe.
„Eigentlich wollen wir nur, dass die Bürger Bescheid wissen, was auf sie zukommt, wenn der Bebauungsplan in Kraft tritt“, erläutert Heidi Marz. Die CDU hat zur Information noch einen Bürgerbrief an alle Haushalte verteilt. Übrigens: Eine Veränderungssperre für das Kerngebiet gibt es bereits.