Dorfleben in Europa

Zum Neujahrsemfpang der Gemeinde Uetze waren rund 100 Gäste in die Agora des Schulzentrums gekommen, darunter auch die Bundestagsabgeordneten Maria Flachbarth (2. Reihe von links) und Matthias Miersch sowie Superintendentin Sabine Preuschoff und der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke.
 
Projektmanagerin Gudrun Viehweg stellt die Leader-Region "Aller-Fuhse-Aue" vor, durch die viele Uetzer Projekte und Vereine Zuschüsse aus EU-Mitteln erhalten.

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Uetze lenkt Bürgermeister Werner Backeberg den Blick auf die Leader-Region "Aller-Fuhse-Aue" und das Kommunale Entwicklungskonzept IKEK

UETZE (fh). Für das Jahr 2019 hat sich die Gemeinde Uetze viel vorgenommen: Beim Neujahrsempfang in der Agora des Schulzentrums haben Bürgermeister Backeberg und die beiden Projektmanagerinnen Gudrun Viehweg und Elena Rautland einen Ausblick auf die unterschiedlichen Vorhaben gegeben. Etwa 100 geladene Gäste hatten in den Sitzreihen Platz genommen, darunter auch die Bundestagsabgeordneten Maria Flachbarth (CDU) und Matthias Miersch (SPD), Superintendentin Sabine Preuschoff und der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. „Jahr für Jahr setzen wir eine Vielzahl von Projekten und politischen Beschlüssen um und unsere finanzielle Situation zwingt uns, jede Ausgabe auf ihre Notwendigkeit und ihre Zielgerichtetheit zu überprüfen.Jetzt wollen wir auch mal überlegen, wo die Gesamtentwicklung der Gemeinde hingehen soll“, betonte Backberg.
Deshalb solle ein Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEG) erstellt werden, das Zukunftsszenarien für 2030 enthält und dafür auch schon konkrete Handlungsansätze vorschlägt. „Die Haushaltslage erfordert es im politischen Tagesgeschehen ja immer wieder, Prioritäten zu setzen. Mit dem Konzept wollen wir etwas weiter in die Zukunft blicken und grundsätzlich die Frage stellen, welche Linien weiterverfolgt werden sollen“, sagte Elena Rautland von der Projektgemeinschaft Koris/Regecon, die den Prozess begleiten wird.
Die Vorbereitungen und erste Analysen laufen schon. Am Mittwoch, 20. Februar, soll dann der öffentliche Startschuss fallen. Dann können sich interessierte Bürger genauer über das Vorhaben informieren und in Auftaktwerkstatt in Dialog treten und erste Ideen austauschen. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Schulzentrum, Marktstraße 6.
Für März 2019 ist dann eine weitere Werkstatt speziell für Kinder und Jugendliche geplant, bei der es einerseits um Belange wie Kinderbetreuung und Schule aber auch um Wünsche und Zukunftsvorstellungen der jungen Uetzer gehen soll. Im Mai geht es bei der zweitägigen Strategiewerkstatt dann richtig zur Sache. Bis dahin sollen sowohl die Ergebnisse der Bestandsanalyse als auch eine Auswertung der ersten beiden Ideensammlungen vorliegen. Die Teilnehmer werden dann die zentralen Punkte herausarbeiten, die in zwei speziellen Themenwerkstätten im September zu vertiefen sind.
Im November folgt als Abschluss eine Konzeptwerkstatt, um Handlungsstrategien und erste Projektideen zu entwickeln. Und schon Anfang 2020 soll das fertige IKEK vorliegen. „All das in nur einem Jahr – das ist ganz schön viel“, resümierte Backeberg und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir in Uetze sind bei solchen Themen ja immer sehr ehrgeizig.“
Als zweites großes Thema für 2019 sprach er ein Ereignis an, das weit über Uetze hinausweist, die Einwohner der Gemeinde und auch die Verwaltung aber trotzdem betrifft: die Europa-Wahl am 26. Mai. „In der Vergangenheit war die Beteiligung bei den Europa-Wahlen eher gering“, bedauerte Backeberg und lieferte eine mögliche Erklärung: „Ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass den meisten die europäischen Werte und die Errungenschaften der EU egal sind. Viele sind einfach zu selbstverständlich davon ausgegangen, dass niemand dieses Erfolgsmodell ernsthaft infrage stellt.“ Doch genau das geschehe jetzt – vonseiten einzelner Parteien aber auch durch Regierungen einzelner Mitgliedstaaten. „Die EU erlebt eine fragile Phase. Das bereitet mir Sorgen“, schloss Backeberg.
Für alle, die sich fragten, warum der Uetzer Bürgermeister dem Thema Europa auf dem Neujahrsempfang so viel Raum gab und was das alles konkret mit der Gemeinde zu tun haben soll, lieferte Backeberg eine Begründung: „Wir wollen zeigen, wie Europa ganz konkret bei uns vor Ort wirkt.“ Gudrun Viehweg von der Planungsgesellschaft „Amthof Eicklingen“ bekam daraufhin Gelegenheit, die Leader-Region „Aller-Fuhse-Aue“ vorzustellen. Zu ihr gehören neben der Gemeinde Uetze auch die Samtgemeinde Wathlingen, die Samtgemeinde Flotwedel und der Celler Stadtteil Altencelle. Die EU hat diesen regionalen Zusammenschluss in ihr Förderprogramm aufgenommen, sodass für den Zeitraum 2014 bis 2020 Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds bereitstehen, um vor Ort Projekte zu bezuschussen, die zur Entwicklung des ländlichen Raums beitragen: In Uetze gab es aus diesem Fördertopf bisher unter anderem Unterstützung für die genossenschaftlichen Freibäder in Hänigsen und Uetze, ein grünes Klassenzimmer und das gerade erst in Betrieb genommene Nahwärmenetz in Schwüblingsen, die Dachsanierung der Heimatstube in Eltze, den Dorftreff in Dollbergen, den Verein Kunstspirale in Hänigsen und den Kalibahn-Verein in Hänigsen für die Anschaffung historischer Schienenfahrzeuge. „Die EU ist hier ein echter Gewinn für Uetze“, ist Viehweg überzeugt.
Zum Abschluss stellte Bürgermeister Backeberg noch den frisch freigeschalteten neuen Internetauftritt der Gemeinde vor und wünschte allen Anwesenden ein frohes neues Jahr 2019. Viele Gäste blieben danach noch eine Weile im Foyer und in der Schulmensa, um sich über wichtige Ereignisse des vergangenen Jahres und neue Pläne für 2019 auszutauschen.