Die Schicksale der Kriegsgefangenen

Geschichtslehrerin Jasmin Busch und die Schüler der 10b besuchen mit Coskun Tözen (von rechts) und Anette Kobbe die Gräber der drei unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Schwüblingser Friedhof. (Foto: privat)

Zehntklässler des Gymnasiums Uetze recherchieren zu den Ereignissen in Schwüblingsen

Schwüblingsen (r/fh). Im September wird der Schwüblingser Ortsrat eine Gedenktafel am Eingang des Ortsfriedhofs anbringen, um an die drei unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen zu erinnern, die dort begraben sind. Auch beim Sammelgrab Hüttenwinkel, im Wald zwischen Katensen und Schwüblingsen, soll eine Erinnerungstafel an die dort ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen aufgestellt werden.
Bereits seit dem vergangenen Herbst hat die Klasse 10b des Gymnasiums Uetze die historischen Hintergründe recherchiert und versucht mehr über ihr Schicksal herauszufinden. Unterstützung bekamen die Schüler dabei von ihrer Geschichtslehrerin Jasmin Busch und dem Bildungsreferenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Coskun Tözen.
Sie fanden heraus, dass die drei unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen entweder aus dem Stammlager Senne oder dem Offizierslager Dössel kamen. Im März 1945, als die Alliierten anrückten, wurden die Lager geräumt und die Kriegsgefangenen sollten vermutlich nach Gifhorn gebracht werden.
Die Schüler sind bei ihrer Recherche auf Dokumente gestoßen, in denen es heißt, die drei Osteuropäer seien aus Schwäche gestorben. Doch laut Zeitzeugenberichten wurden sie von Wachmännern erschossen, weil einer der erschöpften, geschundenen und fast verhungerten Kriegsgefangenen versuchte, Kartoffeln aus einem Korb auf einem Bauernhof zu stehlen. So starben sie wenige Wochen vor der nahenden Rettung durch die Alliierten.
Bei ihrer Recherche haben die Zehntklässler unter anderem das Arolsen-Archiv genutzt, das die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit und den Holocaust dokumentiert und bereits viele Schriftstücke online bereit stellt. Außerdem kontaktierten sie den Leiter der niedersächsischen Gedenkstättenförderung Rolf Keller und stellten Anfragen bei der Gedenkstätte Buchenwald und bei der Gedenkstätte Stalag Senne. Auf letztere hatte sie der in Arpke lebende Historiker Jens Hecker aufmerksam gemacht.
Darüber hinaus konnten sie per Videokonferenz den Zeitzeugen Ernst Fricke interviewen sowie Erwin Hiethe, den Sohn des damaligen Bürgermeisters von Schwüblingsen. Und zum Abschluss des Geschichtsprojekts besuchte die Schwüblingser Ortsratsfrau Anette Kobbe mit den Schülern Anfang Juli das Sammelgrab Hüttenwinkel.
Am Volkstrauertag im November werden die Schülerinnen Clara Buchholz, Joana Kouch, Adelina Elezi, Sibel Örs, Eva Kramer, Lara Leschnikowski und Minh Kletke ihr Projekt bei der Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit der Landeshauptstadt und der Region Hannover vorstellen.