„Biomasse wird zur Herkulesaufgabe“

Günter Fölting (Mitte) zeigt Matthias Miersch (SPD) und Johann Saathoff (SPD, rechts) die Hackschnitzel, die im Biomassekraftwerk verbrannt werden. (Foto: Wiebke Molsen)
 
Für sieben bis zehn Tage reicht der Lagerbestand auf dem Hof des Kraftwerks. Bevor sie in die Anlage gefüllt werden, werden die verschiedenen Rohstoffe gemischt.  (Foto: Wiebke Molsen)

SPD-Bundestagsabgeordnete auf Sommertour im Kraftwerk

Dollbergen (wim). Schon bei der Anfahrt nach Dollbergen, vorbei an Maisfeldern, Solaranlagen und Windrädern, ist den beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch und Johann Saathoff klar geworden, dass die erneuerbaren Energien in der Gemeinde Uetze ganz groß geschrieben werden. Bei der Station ihrer Sommertour haben sie das neue Biomassekraftwerk der Dollbergen Bioenergy GmbH besichtigt, das zum Wochenende in Betrieb geht. „Durch den Kohle- und Atomausstieg brauchen wir vermehrt Anreize für den Umstieg auf Biomasse“, zeigte sich Matthias Miersch, der auch stellvertretender SPD-Fraktionschef ist, interessiert. An dem Biomassekraftwerk in Dollbergen begeisterte ihn vor allem, dass die in der Nachbarschaft gelegene Raffinerie den 485 Grad Celsius heißen Dampf abnimmt, der bei der Verbrennung entsteht. „Die Kraft-Wärme-Kopplung ist ein wichtiges Thema“, bestätigt Günter Fölting von der Köhler-Gruppe, die das Werk entwickelt hat. Das Biomassekraftwerk in Dollbergen könne 20 Megawatt (MW) thermische Energie und 10 MW elektrische Energie erzeugen. „Unser Kessel läuft immer Volllast“, verdeutlicht Günter Fölting. Eine Windkraftanlage könne dagegen leicht heruntergeregelt werden, wenn weniger Strom verbraucht werde, für die Turbine sei das jedoch eine enorme Belastung. Bei geringerem Wärmeverbrauch steige deshalb die Stromproduktion.
Der Betreiber ist vor allem als Weltmarktführer in der Papierherstellung bekannt. „Die Herstellung von Papier braucht wahnsinnig viel Energie“, sagt Günter Fölting. Da jede Papierfabrik über ein eigenes Kraftwerk verfüge und nachhaltige Energie vermehrt gefragt sei, habe sich daraus ein zweites Standbein entwickelt. Mittlerweile werden sieben Kraftwerke betrieben, drei davon in Niedersachsen. „Wir bekommen unsere Hackschnitzel aus der Landschaftspflege und werden innerhalb eines 150 Kilometer Radius beliefert“, erläuterte er den Politikern. Der Standort sei aufgrund der vielen Straßenbäume aber auch Kompostieranlagen in der Nähe gut geeignet. Um verfügbare Biomasse zu vertretbaren Preisen müsse man heute bereits kämpfen. Matthias Miersch hat dieses Problem erkannt: „Die Wälder sollen nicht leergeräumt werden und aus Übersee sollen die Hackschnitzel auch nicht kommen“, bekräftigt er. Woher das Holz kommen soll, dass zukünftig in den großen Kraftwerken verbrannt wird, die derzeit noch mit Kohle betrieben werden, ist noch in der Diskussion. „Das wird die Herkulesaufgabe der nächsten zehn Jahre“, ist sich Miersch sicher. Auf den Vorschlag, vermehrt Altholz verbrennen zu dürfen, reagieren die beiden Politiker jedoch aufgrund der möglichen Beschichtungen zögerlich. „Ich bin gespannt auf die Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes“, sagt Günter Fölting deshalb. Er hofft, dass es im Altholzbereich Änderungen geben wird und es zukünftig erlaubt sein wird, Holz aus dem Recyclingbereich zu verbrennen. „Irgendwo muss das ja auch hin“, sagt er.
Gebaut wurde das Biomassekraftwerk nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2017 und bekommt daher für die nächsten 20 Jahre eine Förderung des Bundes. „Die Bauzeit einzuhalten war für uns eine große Herausforderung“, sagt Günter Fölting und betont, dass dieses 42 Millionen teure Werk kaum mit kleineren Anlagen zu vergleichen sei. Von der Gemeinde und den Behörden sei jedoch viel Unterstützung gekommen. „Uetze ist in Sachen Erneuerbare Energien vorbildlich unterwegs“, fasste Matthias Miersch seinen Besuch zusammen, bei dem ihm auch der Windpark der Gemeinde vorgestellt wurde. Er will sich im Herbst bei der Novellierung des EEGs für einen verlässlichen Ausbaupfad einsetzen, der jährlich nachgebessert werden kann. Zudem liegen ihm die bestehenden Anlagen, die am 1. Januar aus dem EEG auslaufen, am Herzen. „Die Betreiber müssen sicher sein, dass sie weiterhin Strom einspeisen können und was sie dafür bekommen“, sagt er. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Planungsvereinfachung und Beschleunigung der Genehmigungen sowie der sogenannte Mieterstrom, bei dem auch Mieter in Mehrfamilienhäusern vom Ökostrom profitieren können.