Benefizlauf für die Rückenmarksforschung

Bettsy Trautmann (rechts) und ihre Tochter Jule haben Julia Huber im vergangenen Jahr bei der Reha in Bad Essen besucht und ihr immer wieder Mut gemacht. (Foto: privat)
 
Janine Löwe hat 2021 zusammen mit weiteren Freunden und Bekannten am "Wings for Life World Rund" teilgenommen, um für die Rückenmark-Forschung zu spenden und Julia Huber Mut zu machen. (Foto: privat)

Julia und Marcus Huber wollen „Wings for Life World Run“ nach Uetze holen

Uetze (fh). Zusammen mit Freunden wollen Julia und Marcus Huber in diesem Jahr einen ganz besonderen Benefizlauf in Uetze veranstalten: Er soll am 8. Mai stattfinden und ist Teil der weltweiten Aktion „Wings for Life World Run“. Unter dem Motto „Laufen für die, die es nicht können“ werden dabei Spenden für die Rückenmarksforschung gesammelt.
Julia Huber selbst hat im August 2020 bei einem Reitunfall eine irreparable Rückenmarksverletzungen und in der Folge eine inkomplette Querschnittslähmung erlitten. Anders als bei einer vollständigen Querschnittslähmung sind die Muskeln unterhalb der Verletzung noch partiell versorgt und können durch viel Training wieder aufgebaut werden. Bei der Notfallbehandlung bereiteten die Ärzte in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sie trotzdem auf ein Leben im Rollstuhl vor. „Aber damit wollte ich mich nicht einfach abfinden. Ich wollte von Anfang an dafür kämpfen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und zu gehen“, sagt Huber. Und auch wenn das ein langer Weg ist, hat die 43-Jährige schon große Fortschritte gemacht.
Als sie im Frühjahr 2021 gerade bei ihrer zweiten Reha war, wurden Freunde auf die Aktion „Wings vor Life World Run“ aufmerksam und nahmen an dem Lauf teil, ohne sie vorher einzuweihen. „Sie haben mir dann Fotos von ihrem Lauf geschickt, auf denen sie Plakate hochhalten, um mir Mut zu machen“, so Huber. Damals hatte sich die Gruppe um ihre gute Freundin Betsy Trautmann noch einzeln an dem weltweiten Benefizlauf beteiligt. Doch diesmal wollen sie noch viele weitere Uetzerinnen und Uetzer dafür begeistern und vor Ort eine Veranstaltung mit gemeinsamem Start und Ziel am Rathaus organisieren. Die Teilnehmer können zwischen Strecken von zwei, fünf und zehn Kilometern wählen.
Bei dem Benefizlauf werden nicht nur Spendengelder für den guten Zweck gesammelt, sondern er wirbt auch ganz praktisch für die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Jeder kann teilnehmen, egal wie er die Strecke zurücklegt – ob joggend, walkend oder als Spaziergang, ob er im Sportrollstuhl mit den Händen Tempo macht oder geschoben wird. „Normale Läufe mit Wettkampfcharakter gibt es genug. Hier kommt es nicht auf die Zeit an. Es geht darum, gemeinsam Sport zu machen und etwas Gutes zu tun“, so Julia Huber.
Auch sie selbst ist fest entschlossen, teilzunehmen. Welches Hilfsmittel sie nutzen wird, werde sie vom weiteren Trainingsfortschritt und ihrer Tagesform abhängig machen. „Am liebsten würde ich die zwei Kilometer am Rollator, mit Krücken oder an der Hand einer Begleitperson laufen“, kündigt sie an. Denn nach ambulanten und stationären Rehabilitationen, Physiotherapien und vor allem vielen Stunden im Fitnessstudio ist der Rollstuhl nicht mehr ihr ständiger Begleiter. Sie hat nach und nach wieder mehr Kraft aufgebaut und Kontrolle über die Muskeln zurückgewonnen, sodass sie kürzere Strecken wieder aufrecht mit Gehilfen bewältigen kann.
Bei einem Termin im Rathaus haben Julia und Marcus Huber die Idee der Uetzer Behindertenbeauftragten sowie dem Gemeindebürgermeister Florian Gahre und dessen Rathaussprecher Andreas Fitz vorgestellt. „Mich hat die Geschichte von Frau Huber bewegt und gleichzeitig begeistert, mit welchem Engagement und Ehrgeiz sie versucht, ihr Ziel zu erreichen“, betont Gahre. Er sagte den beiden deshalb nicht nur die volle Unterstützung seitens der Gemeindeverwaltung zu, sondern übernahm kurzerhand auch die Schirmherrschaft für die Veranstaltung.
Noch stehe die Planung am Anfang. „Wir werden jetzt Unterstützer vor Ort suchen und Werbung machen“, so Marcus Huber. Wer an dem Lauf teilnehmen möchte, kann sich bereits unter dem Link ­www.­wingsforlifeworldrun.com anmelden und sich dort dem Team Uetze anschließen. Alle Teilnehmer zahlen ein Startgeld von mindestens 20 Euro, das vollständig in die Rückenmarksforschung fließt. Freiwillig kann auch ein höherer Beitrag gewählt werden. Und auch wer nicht mitläuft, kann über die Seite spenden. Für die Planung vor Ort in Uetze bitten Julia und Marcus Huber zusätzlich um eine Anmeldung per E-Mail an
anmeldung_wingsforlife_uetze@yahoo.com, unter Angabe der gewünschten Strecke von zwei, fünf oder zehn Kilometern. Auf diesem Wege beantworten sie auch Rückfragen.
Der zweifache Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz haben die Stiftung „Wings for Life“ 2004 gegründet, nachdem Kinigadners Sohn infolge eines Unfalls bei einem Benefiz-Motorcross-Rennen eine Querschnittslähmung erlitten hatte. Die Stiftung sammelt Spendengelder, um weltweit aussichtsreiche Forschungsprojekte zur Heilung von Rückenmarksverletzungen zu fördern.
Seit 2014 wird jährlich der „Wings for Life“-Lauf veranstaltet. Im vergangenen Jahr haben 184.236 Läufer in 151 Ländern daran teilgenommen. Die Start- und Spendengelder brachten 4,1 Millionen Euro ein. Laut Weltgesundheitsorganisation erleiden jährlich rund 400.000 Menschen weltweit eine Querschnittlähmung.