"Aus Kenntnis wird Betroffenheit"

Ortsratsfrau Anette Kobbe (4. von links) und Geschichtslehrerin Jasmin Busch (rechts) haben die Gedenktafel am Eingang des Schwüblingser Friedhofs zusammen mit Schülern der ehemaligen Klasse 10b eingeweiht. (Foto: Gymnasium Uetze)

Schüler des Gymnasiums haben die Gedenktafel für sowjetische Kriegsgefangenen eingeweiht

Schwüblingsen (r/fh). Am Eingang des Schwüblingser Friedhofs erinnert jetzt eine Gedenktafel an die drei unbekannten russischen Kriegsgefangenen, die dort bestattet sind. Die Initiative dazu war von der Ortsratsfrau Anette Kobbe ausgegangen. Sie hatte den Wunsch von Schwüblingser Bürgern aufgegriffen, mehr über das Schicksal der drei Männer zu erfahren.
Kobbe wandte sich daraufhin an die Gemeindeverwaltung und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. So entstand der Kontakt zu der Geschichtslehrerin Jasmin Busch vom Gymnasium Uetze. Trotz des Distanzlernens während des Corona-Lockdowns begann sie mit den Schülern der damaligen Klasse 10b, zu recherchieren. Dafür sichteten sie nicht nur alte Dokumente, sondern sprachen auch mit den Zeitzeugen Erwin Hiete und Ernst Fricke, die Kobbe ihnen vermittelt hatte.
Die drei unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen kamen aus einem Lager, das angesichts des Vormarsches der Alliierten geräumt wurde, und sollten vermutlich nach Gifhorn gebracht werden. In zeitgenössischen Dokumenten heißt es, sie seien bei dem Zwischenstopp in Schwüblingsen an Schwäche gestorben. Doch die Schüler fanden heraus, dass sie von Wachmännern erschossen wurden, weil einer der erschöpften und fast verhungerten Kriegsgefangenen versuchte, Kartoffeln aus einem Korb auf einem Bauernhof zu stehlen.
Die Erinnerungstafel wurde nun pünktlich zum Volkstrauertag aufgestellt. Einige der beteiligten Schüler waren an diesem Tag jedoch an einer zentralen Gedenkveranstaltung beteiligt, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen mit der Stadt und der Region Hannover ausrichtete. Deshalb wurde die Tafel in Schwüblingsen erst einige Tage später offiziell eingeweiht.
Dabei stellten Geschichtslehrerin Jasmin Busch und die Schüler ihre Rechercheergebnisse vor. „Gedenken heißt, zu erkennen, dass hinter den bloßen Ereignissen, die wir in der Schule lernen, Menschen stehen, menschliche Erfahrungen, menschliches Leid. Aus Kenntnis wird Betroffenheit in der Gegenwart, aus Betroffenheit wird Mahnung für die Zukunft. Hierfür ist unsere Tafel ein Symbol“, sagte Sibel Örs. Pastor Tibor Anca betonte, dass die Erinnerungsarbeit der Schüler immer wichtiger werde, weil es immer weniger Zeitzeugen gebe. „Frieden und Gerechtigkeit sind nur möglich, wenn man sich der Vergangenheit erinnert“, betonte er.