Andreas Kiebeler geht in den Ruhestand

Pastor Andreas Kiebeler geht in den Ruhestand.

Johannes-der-Täufer-Gemeinde verabschiedet ihren Pastor nach 27 Jahren

Uetze (fh). Nach 27 Jahren als Pastor in der Johannes-der-Täufer-Gemeinde Uetze geht Andreas Kiebeler jetzt in den Ruhestand. Bei seinem Abschiedsgottesdienst am vergangenen Sonntag war die Besucherzahl wegen der Corona-Epidemie auf rund 100 Personen begrenzt und die Teilnahme war nur nach Anmeldung möglich. Auch die Jugendkantorei durfte nicht live auftreten, aber immerhin war sie per Videoleinwand mit dabei.
Schließlich hat Kiebeler selbst dieses Ensemble vor rund zwölf Jahren gegründet und seitdem geleitet. „Ich hatte damals einen sehr musikalischen Konfirmandenjahrgang. Als wir Lieder eingeübt haben, habe ich erstaunt festgestellt, dass die Jugendlichen richtig singen und Spaß dabei haben“, blickt der 64-Jährige zurück. Das habe ihn angespornt und so studierte er mit der Gruppe, ganz überwiegend Mädchen, ein Musical über die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei ein. Als die Konfirmandenzeit zu Ende ging, fragte er die Mädchen, ob sie mit ihm einen Jugendchor aufzubauen wollten –zwölf von 17 sagten zu. „Seitdem hat das Ensemble eine tolle Entwicklung durchgemacht. Es bringt einen kulturellen Farbtupfer nach Uetze“, so Kiebeler.
Bis zu jenem Zeitpunkt habe er immer mal wieder darüber nachgedacht, so wie viele seiner Kollegen, für die restlichen Jahre bis zu seinem Ruhestand noch einmal auf eine andere Stelle zu wechseln. Doch mit Gründung der Jugendkantorei sei für ihn klar gewesen, dass er in Uetze bleiben wolle. „So etwas lebt schließlich auch von der personellen Kontinuität. Außerdem hat es mir einfach Freude gemacht“, begründet er.
Denn Musik habe in seinem Leben immer eine große Rolle gespielt und ihn letztlich auch zu seinem Beruf geführt. „Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen, mein Vater war Klarinettist im Gewandhaus Leipzig“, sagt Kiebeler. Er selbst habe einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend im Thomanerchor verbracht. „Wir haben die ganze Woche über von Montag bis Samstag zusammen gelebt, gelernt, gespielt und vor allem jeden Tag geprobt“, beschreibt er. Nur sonntags nach dem Gottesdienst habe er einen halben Tag zu Hause bei seinen Eltern verbracht.
Diese Zeit habe ihn nicht nur musikalisch geprägt, sondern auch inhaltlich. Durch das geistliche Liedgut und insbesondere die Stücke von Johann Sebastian Bach sei er früh mit biblischen Texten in Berührung gekommen. „Irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen, wo das herkommt und was das alles soll“, erinnert er sich. Sein Interesse für die Theologie war geweckt.
Neben der Kirchenmusik und den theologischen Fragestellungen habe er in seinem Beruf als Pastor besonders die tiefgreifenden persönlichen Gespräche mit den Gemeindemitgliedern geschätzt –ob das anlässlich einer Taufe oder Trauung war, zur Vorbereitung einer Beerdigung oder auch einfach auf der Straße. „Gerade bei zufälligen Begegnungen kommt man oft vom Hölzchen aufs Stöckchen und dringt dabei auch zu echten Brocken vor, die auf den Menschen lasten“, schildert er. Das seien oft schwere Moment gewesen. „Aber gerade deshalb war es auch gut verbrachte Zeit“, sagt Kiebeler. Die Seelsorge habe ihm immer am Herzen gelegen.
Zusätzlich habe er sich im Laufe der Jahre aber auch immer wieder auf neue Aufgaben eingelassen. Rückblickend sei ihm bewusst geworden, dass seine Arbeitsschwerpunkte jeweils eng mit seiner persönlichen und familiären Situation verbunden waren. Vor allem sein Sohn und seine zwei Töchter hätten einen großen Einfluss gehabt. „Als sie klein waren, habe ich viele Kindergottesdienste gestaltet, als sie das Jugendalter erreicht hatten, habe ich mich mehr auf die Konfirmandenarbeit und später auf die Jugendkantorei verlagert und jetzt zuletzt, als sie längst aus dem Haus waren und ich älter wurde, spielte die Seniorenarbeit eine immer größere Rolle“, so Kiebeler. Vieles davon habe sich einfach so ergeben. „Wenn einem etwas vor die Füße fällt, muss man was daraus machen“, sagt er bescheiden.
Und so will er auch den Ruhestand entspannt auf sich zukommen lassen. „Im Augenblick bin ich sehr häuslich, baue im Garten Gemüse an. Ich will erst einmal gucken, wie sich das anfühlt, nichts zu müssen“, sagt Kiebeler. Und mit der Zeit werde sich wieder etwas Neues ergeben. „Untätig werde ich sicherlich nicht bleiben“, zeigt er sich überzeugt.
Eines stehe für ihn indes fest: In die Arbeit der Johannes-der-Täufer-Gemeinde will er sich künftig nicht einmischen. „Die Kirchengemeinde muss sich neu sortieren und ihren Weg finden. Es ist für die Nachfolger besser, wenn ich mich da raus halte“, zeigt er sich überzeugt. Deshalb sei ihm auch ein Wohnortwechsel wichtig gewesen. Schon vor einem Jahr ist er mit seiner Frau nach Burgdorf gezogen.


Kasten: Zur Person

Andreas Kiebeler wurde 1956 geboren. Er ist mit Ulrike Henze verheiratet, die als Berufsschulpastorin in Hannover arbeitet. Gemeinsam haben sie drei Kinder: Christoph (*1986), Elisabeth (*1991), Johanna (*1994). Kiebeler studierte Theologie in Halle an der Saale und Tübingen, legte sein Examen in Göttingen ab und absolvierte anschließend sein Vikariat, eine rund zweijährige Berufsvorbereitung, in Loccum. Danach folgten kurze Stationen in Osterholz-Scharmbeck und Uelzen, bevor er 1993 seine Stelle in Uetze antrat.