39 Jahre für den Hänigser Tischtennis

Otto Deseke war 39 Jahre lang Spartenleiter der Tischtennisabteilung beim TSV Friesen Hänigsen. Jetzt gibt er das Amt ab.
 
Eine seiner ersten Tischtennis-Urkunden: 1971 hat Otto Deseke beim Kali-Sportfest den dritten Platz belegt.

Otto Deseke gibt das Amt des Spartenleiters beim TSV Friesen ab

Hänigsen (fh). Bei der Tischtennisabteilung des TSV Friesen Hänigsen geht eine Ära zu Ende: Nach 39 Jahren gibt Otto Deseke das Amt des Spartenleiters ab. „Ich habe das Ehrenamt all die Jahre gern gemacht, aber jetzt bei der Saisonvorbereitung bin ich ganz froh, dass ich mich um das ein oder andere nicht mehr kümmern muss, sondern das jetzt meinem Nachfolger überlassen kann“, sagt er mit einem Schmunzeln. Für sein langjähriges Engagement hat Deseke mehrere hohe Auszeichnungen bekommen: 1998 die Silberne Ehrennadel des Tischtenniskreises Hannover-Land, 2000 die Silberne Ehrennadel des Kreissportbundes Hannover-Land und 2007 die Ehrenmitgliedschaft des TSV Friesen Hänigsen.

Große Kontinuität im Vorstand

Als er bei der Jahreshauptversammlung im Februar 1982 zum ersten Mal zum Spartenleiter gewählt wurde, habe er sich nicht träumen lassen, fast vier Jahrzehnte im Amt zu bleiben. „Aber es hat mir immer Spaß gemacht. Bei uns in der Abteilung geht es sehr harmonisch zu und es gab auch im übrigen Vorstand eine große Kontinuität“, betont er. So habe er in all der Zeit nur vier Stellvertreter gehabt und fünf Jugendwarte.
Zuletzt hatte dieses Amt Michael Tammen inne. Er tritt jetzt die Nachfolge von Deseke als Spartenleiter an. Neue Jugendwartin wird Katharina Rode, die schon seit ihrer Kindheit bei den Friesen Tischtennis spielt. „Ich freue mich, dass diesen Posten jetzt eine junge Frau übernimmt. Vielleicht können wir so die ein oder andere Nachwuchsspielerin für uns gewinnen“, hofft Deseke. Denn Mädchen und Frauen seien im Tischtennis insgesamt deutlich unterrepräsentiert. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist das in allen Vereinen so“, sagt Deseke.
In Hänigsen seien unter den insgesamt 20 Kindern und Jugendlichen in der Tischtennisabteilung nur vier bis fünf Mädchen. Und für die nächste Punktspielsaison meldet die Sparte vier Jugend-, sechs Herren- und nur eine Damenmannschaft an. Doch jetzt stünden die Chancen nicht schlecht: Neben Katharina Rode als neuer Jugendwartin habe auch gerade eine 19-Jährige ihren Trainerschein gemacht und eine Lehrerin an der örtlichen Grundschule biete eine Tischtennis-AG an. „Vielleicht wird die Hemmschwelle für Mädchen etwas geringer, wenn sie weibliche Vorbilder haben“, hofft der langjährige Spartenleiter.

Trotz Corona bleibt die Mitgliedszahl konstant

Insgesamt hat die Sparte zur Zeit 100 Mitglieder. Zu den besten Zeiten um die Jahrtausendwende seien es 130 gewesen. „Damals sind durch ein Neubaugebiet viele Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zu uns gekommen“, erinnert sich Deseke. Zu jener Zeit habe die Friesen-Tischtennisabteilung in der Spitze bis zu acht Jugendmannschaften angemeldet. „In ganz Niedersachsen hatten nur vier andere Vereine noch mehr Teams“, so der langjährige Spartenleiter. Diesen Höchststand konnte die Sparte zwar nicht dauerhaft halten, aber in den vergangenen Jahren seien die Mitgliederzahlen konstant geblieben – und das auch zuletzt während des monatelangen Lockdowns.
Die Corona-Epidemie habe das letzte Jahr seiner Amtszeit geprägt. „Die Saison 2020/21 haben wir im September noch begonnen, wenn auch ohne Doppel. Aber schon Ende Oktober mussten wir sie wieder abbrechen“, schildert er. Auch das Training sei über Monate hinweg nicht möglich gewesen. „Trotzdem sind uns unsere Mitglieder treu geblieben und wir hatten so gut wie keine Austritte zu verzeichnen. Nur zwei Kinder haben sich abgemeldet, aber das haben wir in anderen Jahren auch“, sagt Deseke. Seit Anfang Juni ist das Training in der Ballspielhalle nun wieder erlaubt. „Das haben sich die meisten Spieler nicht zweimal sagen lassen, sondern gleich wieder losgelegt“, betont er.
Ein Meilenstein für den Tischtennis in Hänigsen sei 1989 der Bau der neuen Ballspielhalle gewesen. „Vorher konnten wir maximal acht Tische gleichzeitig aufstellen, seitdem sind es 15 bis 16“, sagt der langjährige Spartenleiter. So könnten samstags fünf bis sechs Punktspiele parallel ausgetragen werden und auch große Turniere auf Regionseben richte die Sparte regelmäßig aus. „Kurz vor dem Beginn der Corona-Epidemie, im Februar 2020, hatten wir bei einem Jugendturnier gerade noch mal 60 Kinder hier“, sagt Deseke. Aber auch im Trainingsbetrieb schätzten die Spieler die große Halle, weil so mehr Einzel gespielt werden könnten und die Wartezeiten für den Einzelnen kürzer seien.

Ein Sport für Jung und Alt

Und was hat sich im Laufe der 40 Jahre beim Tischtennis geändert? „Vor allem das Vereinsleben drumherum“, sagt Deseke. Früher habe die Sparte beispielsweise gemeinsame Fahrten nach Torfhaus oder ans niederländische Ijsselmeer unternommen. Außerdem seien die Spieler nach dem Training meist nicht gleich auseinander gegangen, sondern hätten den Abend noch zusammen ausklingen lassen. Ihren „Stammtisch“ markierte damals ein Aufsteller mit Tischtennisschläger, der bis heute einen Ehrenplatz in Desekes Büro hat. „Diese regelmäßigen Treffen sind eingeschlafen, als die meisten Gasthäuser im Ort nach und nach dicht gemacht haben“, sagt Deseke. Und auch das Preisskat und andere Aktivitäten hätten an Zuspruch verloren.
Geblieben sei hingegen die Freude am Tischtennis. Er selbst sei mit 13 Jahren zu dieser Sportart gekommen und dabei geblieben, weil er relativ schnell erfolgreich gewesen sei. Schon mit 17 Jahren wurde er in die 1. Herrenmannschaft aufgenommen, in der er mehr als 20 Jahre bis hinauf in die Bezirksliga spielte. Auch nächste Saison wird er wieder mit einem Team zu Punktspielen antreten. „Ich finde an unserer Sportart so toll, dass Alt und Jung zusammenspielen. Die Mannschaften werden nur nach Spielstärke gebildet“, sagt er. Zu seinem Team gehöre beispielsweise auch ein 24-Jähriger.
Und nicht nur sportlich bleibt Deseke seiner Sparte noch erhalten. Er hat sich ebenso bereit erklärt, den Posten des Kassenwarts zu übernehmen. „Auch wenn ich das diesmal vielleicht nicht wieder für 40 Jahre mache“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Augenzwinkern.