Zeichen gegen den Hass gestellt

Die Ausstellungseröffnung im Rathaus-Foyer (von links): Maria Flachsbarth, Carl Jürgen Lehrke, Anne Heineke, Regina Runge-Beneke, Angelika Thomaier, Jürgen Watenberg und Ines Raulf. (Foto: G. Gosewisch)

Gedenkstunde im Ratssaal mit Ausstellungseröffnung

SEHNDE (gg). Die Ausstellung „Opfer nationalsozialistischer Gewalt in Sehnde“ hat eine Erweiterung bekommen: Die „Projektgruppe Stolpersteine“ hat eine bildliche Rekonstruktion zum jüdischen Friedhof in Bolzum, Am Pfingstanger, erstellt. Die entsprechende Ausstellung wurde im Ratssaal im Rahmen einer Gedenkstunde gewürdigt. Seit fünf Jahren lädt Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke am 9. November Bürger zur Gedenkkultur ein. Das Datum ist verknüpft mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, vor einhundert Jahren, und mit dem Beginn der Judenverfolgung vor dem Zweiten Weltkrieg, dem Verbrechen der Nationalsozialisten im Jahr 1938, und dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. „Der November gilt in der deutschen Geschichte als schicksalhaft“, sagte der Bürgermeister in seiner Ansprache. Dass es in Deutschland seit 73 Jahren, dank der EU, Frieden gebe, „ist ein Geschenk, das viele in der heutigen Zeit nicht mehr zu schätzen wissen“, so seine Mahnung mit Bezug auf die aktuellen Zeichen der Radikalisierung in der Gesellschaft. Er dankte der Projektgruppe für die Aufarbeitung der geschichtlichen Ereignisse in Sehnde. „Ich bin glücklich, dass wir der Erinnerungskultur Raum geben“, sagte er. Grußworte sprach Maria Flachsbarth, CDU-Bundestagsabgeordnete. Sie rief dazu auf gegenzusteuern, wenn Hass-Sprache droht, Raum einzunehmen.
Seit sechs Jahren arbeitet die Projektgruppe Stolpersteine daran, die Erinnerungskultur in Sehnde zu pflegen und die Zeugnisse der Vergangenheit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zur Projektgruppe gehören Anne Heineke, Regina Runge-Beneke, Angelika Thomaier, Jürgen Wattenberg, Archivar. Seitens der Stadtverwaltung Ines Raulf nicht nur ständige Unterstützerin, sondern auch Mitarbeiterin. „Würde es eine Schweigeminute für jedes Opfer des Holocaust geben, wäre es elf Jahre lang still (Quelle Stern)“, so ihr Auftakt einer Lesung von Zitaten, die von der Projektgruppe ausgewählt wurde, um das Ausmaß des Verbrechens an der Menschlichkeit deutlich zu machen. An der bildlichen Rekonstruktion des jüdischen Friedhofs war auch Fotograf Reiner Luck beteiligt. Emely-Sophia Berkefeld, auszubildende Bauzeichnerin in der Stadtverwaltung hat ehrenamtlich einen Lageplan und eine Zeichnung erstellt.
Die Ausstellung ist wanderfähig, kann für öffentliche Einrichtungen oder Unternehmen bei der Stadtverwaltung kostenlos gebucht werden.