Wahrendorff-Chefarzt fordert: „Männer, solidarisiert euch!“

Männer sollen mutiger werden und über ihre Ängste und Probleme sprechen, fordert Chefarzt Dr. Michael Hettich, Initiator und Leiter von Deutschlands erster Tagesklinik für depressive Männer am Klinikum Wahrendorff. (Foto: Klinikum Wahrendorff)

Welt-Männertag am 3. November: Depressionen ein Tabuthema

SEHNDE/ILTEN (r/kl). „Echte Kerle weinen nicht“. Für Gefühle sind die Frauen zuständig. Solche Gedankenmuster sind auch im 21. Jahrhundert in der Gesellschaft verankert. Mann muss offenbar wachgerüttelt werden. „Nehmt eure Gefühle wahr und redet darüber“, fordert Chefarzt Dr. Michael Hettich, Initiator und Leiter von Deutschlands erster Tagesklinik für depressive Männer am Klinikum Wahrendorff (im ehemaligen Amtshaus Ilten an der B 65).
Der Co-Autor für den Männergesundheitsbericht 2013 plädiert zudem für eine Solidarisierung unter den Männern. Denn die Erfahrung aus der Tagesklinik zeige: Männer blühen regelrecht auf, wenn sie sich untereinander austauschen und sich ihre Probleme eingestehen. Am 3. November ist Welt-Männertag – und damit auch für den Iltener Chefarzt eine gute Gelegenheit, die Männer für ihr eigenes Wohlbefinden wachzurütteln und zu sensibilisieren.
Männer sind Gesundheitsmuffel und vernachlässigen sich selbst oftmals bis zur Selbstaufgabe. „Sie zerreiben sich zwischen beruflichen und familiären Anforderungen. Die Psyche bleibt zunehmend auf der Strecke. Da bleibt kein Platz mehr für Freunde und Männer geraten in die Einsamkeit“, sagt Dr. Michael Hettich.
Depression ist bei Männern bislang kaum erforscht. Klar ist jedoch, dass sie mit Depressionen anders umgehen. Sie ziehen sich zurück, reden kaum noch und ertränken ihren Frust mit Alkohol vor dem Fernseher. Oder sie kompensieren durch rasante Fahrweise, ständig neue Liebschaften oder extreme Sportaktivitäten.
Weil sich ihre Depression im Gegensatz zu Frauen durch aggressives und gereiztes Verhalten äußert, wird die Diagnose hinter dieser Rüstung nur schwer diagnostiziert. Ablenkung lautet die Strategie vieler betroffener Männer. Dabei sind die Symptome für ihre Depression ebenso gleich wie bei Frauen: Erschöpfung, Überforderung, Antriebsschwäche.
Chefarzt Dr. Michael Hettich weiß, dass der Job viele depressive Männer krank macht. „Konflikte am Arbeitsplatz sind der Auslöser für psychische Probleme“, sagt der Leiter der im März 2011 eröffneten Tagesklinik für depressive Männer. „Männer, seid mutiger und sprecht mit euren Kollegen und dem Chef über das, was euch krank macht. Das ist der erste Weg zur Heilung.“ Denn Männer sind auch Arztmuffel. Erst wenn es ihnen richtig schlecht geht, schleppen sie sich zum Arzt, um professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.