Unordnung durchaus erwünscht

Hohes Gras auf städtischen Grünflächen ist zum Zweck des Naturschutzes erwünscht. (Foto: Stadt Sehnde)

Natürliche Pflege der städtischen Grünflächen

Sehnde (r/gg). Die Stadtverwaltung informiert zur Pflege der Grünflächen, die jetzt natürlicher gemacht sein soll, um Artenvielfalt zu ermöglichen. Alle Grünflächen könnten als grünes Netz wirken und böten Insekten und Vögeln Nahrung und abwechslungsreiche Lebensräume und für die Anwohner die Möglichkeit zum Erleben der Natur. Aus diesem Grund habe die Stadtverwaltung bereits im Verlauf des vergangenen Jahres damit begonnen, ihr Grünflächen-Management zu verändern und an die aktuellen Herausforderungen anzupassen.
Städtische Mitarbeiter pflegen mehr als einhundert Hektar öffentliche Grünflächen. Dazu gehören neben Parks und Wiesen wie beispielsweise am Zuckerfabriksweg, die naturschutzfachlichen Kompensationsflächen sowie das Straßenbegleitgrün entlang der 140 Kilometer des kommunalen Straßennetzes.
Für diese Flächen will die Stadtverwaltung eine der Natur nähere Grünflächenpflege umsetzen, die mehr Wildnis und bewusst etwas Unordnung zulässt.
Dabei wird stets im Blick behalten, dass die Grünflächen ihre zahlreichen Funktionen sowohl für die Bürgerr, als auch für den Naturhaushalt optimal erfüllen können. Deshalb orientiert sich die Pflege immer an der Funktionalität der Flächen. Bei Wiesen und Rasenflächen wird die Mähhäufigkeit entsprechend der jeweiligen Nutzungsansprüche differenziert. Während Spielplätze und andere intensiv genutzte Flächen weiterhin regelmäßig bis zu zehn Mal in einer Saison gemäht werden, werden viele Randbereiche oder weniger genutzte Grünflächen durch eine extensivere Pflege, die beispielsweise nur zweimal jährlich erfolgt, zu artenreichen Wiesen entwickelt. Die natürliche Entwicklung wird auf diese Weise unterstützt.
Entlang von Straßen, Fuß- und Radwegen steht die Verkehrssicherheit im Vordergrund. Hier wird häufiger gemäht, damit die Sicht für alle Verkehrsteilnehmer frei ist. Allerdings ist es auch beim straßenbegleitenden Grün oftmals möglich, die Häufigkeit der Mahd auf Teilflächen zu reduzieren.
Mit Ratsbeschluss ist die Stadt Sehnde dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beigetreten. Die veränderte Grünflächenpflege stellt auch einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ dar, der sich die Stadt mit ihrem Beitritt zum Bündnis verschrieben hat.
Wie jede Veränderung sind auch die neuen Sehnder Pflegestandards für alle Beteiligten ein kontinuierlicher Prozess: Jeder Standort ist unterschiedlich und nicht jede Fläche entwickelt sich gleich. Vielfach ist das neue Erscheinungsbild der naturnahen Flächen noch ungewohnt. Die natürlichen Entwicklungsprozesse benötigen ebenfalls Zeit, um sichtbar zu werden. Alle Erfahrungen der Mitarbeiter werden genutzt, um die Pflege- und Unterhaltungsgrundsätze im Laufe der kommenden Jahre weiter optimieren.
Interessierte Bürger sind eingeladen, sich mit Ideen und Anregungen an diesem Prozess zu beteiligen. Sie können alle Anregungen zum Thema Grünflächenpflege in Sehnde per E-Mail an Gruenflaechen@sehnde.de richten.