Tödliche Substanzen im Internetangebot

Gaben aktuelle Übersichten zur Arbeit auf den Drogenentzugsstationen in Niedersachsen (von links): Roman Zakhalev, Lena Staff und Tobias Scholl. (Foto: Klinikum Wahrendorff/Martin_Bargiel)

Drogen-Expertentreffen im Klinikum Wahrendorff

ILTEN (r/gg). 44 Vertreter der Niedersächsischen Drogenentzugsstationen kamen im Klinikum Wahrendorff zusammen, um sich fachlich auszutauschen. Oberarzt Roman Zakhalev hatte gemeinsam mit dem Team der Klinik im Park I in das Klinikum Wahrendorff eingeladen und berichtete in seinem Vortrag über die Veränderungen, die in den letzten 20 Jahren stattgefunden haben. „Der riskante kombinierte Drogenkonsum nimmt zu. Dieser vielfältige Mischkonsum ist nicht mehr die Ausnahme“, so seine Bilanz. „Und die Konsumenten wissen immer weniger, was sie genau geraucht, gespritzt, geschluckt oder durch die Nase gezogen haben.“ Synthetisch hergestellte Designer-Drogen, sogenannte Legal Highs, werden wahllos aus dem Internet bezogen. Angeblich reine Kräutermischungen, vorgebliche Badesalze enthalten hochwirksame Rauschgifte, die tödlich sein können.
Für die Mediziner ist dieser Mischkonsum von verschiedenen psychotropen Substanzen ein großes Problem. Diese können pflanzliche, synthetische oder halbsynthetische Stoffe sein, die über die Zentralnerven Einfluss auf die Psyche des Menschen nehmen. Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln verändern sich. Zu diesen Substanzen zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht nur illegale Drogen wie Spice, Cristal Meth oder Ecstasy, sondern auch sogenannte „legale Stoffe“ wie Alkohol, Tabak und Koffein. Medikamente, wie Beruhigungs- und Schlafmittel, sind von der WHO hier ebenfalls klassifiziert. Abhängigkeit von Medikamenten ist ein zunehmendes Problem. Kommt es zum Konsum von mindestens drei psychotropen Substanzen besteht eine Polytoxikomanie. „Sehr häufig kommt es zu einem Chaos-Konsum“, berichtet Roman Zakhalev aus klinischer Erfahrung. Kokain und Alkohol, Ecstasy oder LSD führen zum Kontrollverlust bis hin zum Kollaps, der direkt auf die Intensivstation führt. Heroin, Alkohol und Benzodiazepine verstärken die einzelnen Wirkungen. Es besteht die Gefahr einer Überdosierung, Atemlähmung, eines Kreislaufversagens und Komas.
Lena Staff, Psychologin im Klinikum Wahrendorff, zeigte in einem Folgebeitrag mögliche Behandlungsangebote bei multipler Substanzabhängigkeit ohne Opiatschwerpunkt, also losgelöst von der bekannten Behandlung mit Methadon. Als Gastreferent informierte Tobias Scholl, Head of Innovations in Toxicology, Location Manager bei ESA-Test, über die aktuellen diagnostischen Möglichkeiten von Rauschgiftsubstanztests, die in Minutenschnelle Kokain, Opiate, Amphetamine, LSD und Cannabisprodukte; aber auch diverse andere Substanzen sichtbar machen. Für die klinisch Mitarbeitenden ist das ein wichtiger diagnostischer Hinweis.