Thriller-Lesung mit Musik im Gutshof Rethmar bereitet Gänsehaut

Mit einem unterhaltsamen Mix aus spannender Lesung aus ihrem Thriller „Schwesterlein muss sterben“ und interessanten Schilderungen über ihre Arbeitsweise bescherten das hannoversche Autorenduo Ulrike Gerold und Wolfram Hänel und der Musiker Arndt Schulz den Besuchern auf dem Gutshof Rethmar einen rundum gelungenen Abend. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Das begeisterte Publikum kann sich schon auf eine Fortsetzung freuen: Im Dezember erscheint der zweite Thriller - und die deutschlandweite Buchpremiere findet in Lehrte statt. (Foto: Susanna Veenhuis)
Sehnde: Gutshof Rethmar |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Ulrike Gerold und Wolfram Hänel kennen "Kein Erbarmen"

SEHNDE-RETHMAR (sv). „A faint cold fear thrills through my veins“ - in Anlehnung an das Shakespeare-Zitat tat es das wirklich an diesem kalten Februar-Abend im recht gemütlichen Gutshof Rethmar. Verantwortlich für die Schauder bei den 50 Gästen war Freda Wolff.
Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich das hannoversche Schriftsteller-Paar Ulrike Gerold und Wolfram Hänel, die auf Einladung von Elke Digwa im Rittersaal mit einer szenischen Lesung aus ihrem packenden Thriller „Schwesterlein muss sterben“ beim Publikum ordentlich Gänsehaut erzeugten.
Keine Gänsehaut, aber ein Wiedererkennen und hier und da auch ein Fußwippen erzeugte Arndt Schulz, Gründungsmitglied der hannoverschen Rockband „Jane“, mit dem Anstimmen bekannter Krimi-Titelmelodien auf seiner Gitarre.
Der Thriller ist in guter skandinavischer Krimitradition in der norwegischen Stadt Bergen angesiedelt. Der Inhalt: Ein Psychopath ist bei einer Psychologin in Behandlung. Ihr gesteht er, als 14-Jähriger seine Stiefschwester umgebracht zu haben.
Später widerruft er sein Geständnis, doch das Misstrauen bleibt. Er versucht, die Psychologin mit den eigenen Waffen zu schlagen und mit psychologischen Machtspielchen auszutricksen. Denn die hat eine Tochter in dem Alter, in dem die Stiefschwester des Patienten jetzt wäre.
Gerold und Hänel schlüpften in die Rollen ihrer Protagonisten und lasen abwechselnd die Dialoge zwischen der Psychologin und ihrem Patienten. Dabei ist der Thriller nicht linear aufgebaut, sondern gibt die Aktionen und Empfindungen der Akteure aus deren Blickwinkel wieder, wie Ulrike Gerold erklärte.
Gespannter Grusel und entspanntes Lachen wechselten ab bei dem Vortrag der Thrillerautoren, die die Lesung aus dem Buch durch Beschreibungen aus ihrer Schreibwerkstatt auflockerten. So verrieten sie, dass sie schon als Kinder fasziniert waren von dem Kinderbuchhelden „Kalle Blomquist“ von Astrid Lindgren – in der Hörfassung. Zum Beweis hatte Hänel die original Single-Schallplatte mitgebracht. Zuvor sollten die Zuhörer anhand der von Schulz gespielten Melodie erraten, um wen es sich handelte – drei hatten sie erkannt.
Den Gedanken, selber einen Thriller zu schreiben, hegen die Schriftsteller schon seit Studienzeiten, wie sie erzählten. Damals brachte das schwedische Autorenduo Maj Sjöwall und Per Wahlöö seine sozialkritischen Krimis heraus, in die auch die privaten Kalamitäten des Ermittlers einflossen. „Aber es sollte noch gefühlte tausend Folgen zu Studienzwecken dauern“, sagte Gerold schmunzelnd, und Schulz stimmte dazu die „Tatort“-Melodie an.
Ein stark ausgeprägtes Schubladendenken habe das Team, das bisher hauptsächlich durch Kinder- und Jugendbücher einen Namen gemacht hat, dazu veranlasst, sich für den Thriller ein Pseudonym zuzulegen. Die Auswahl des Spielorts Bergen ist den Erfahrungen mit dem 2012 erschienenen Krimi „Kein Erbarmen“ aus ihrer Feder geschuldet. Der spielt zwar in Dänemark, beginnt aber in Hannover und wurde damit bei Literaturkritikern gleich als Regional-Krimi abgestempelt.
„Zu der Zeit sind ganz viele Hannover-Krimis erschienen, da ist unserer ebenfalls eingeordnet worden. Um das zu vermeiden, haben wir dieses Buch nach Norwegen verlegt, damit gilt es offiziell als Skandinavien-Thriller“, verriet Wolfram Hänel mit einem Augenzwinkern. Den gibt es auch als Hörbuch, eingesprochen von Tatort-Kommissar Dietmar Bär, mit dem die früher am Theater beschäftigten Autoren schon seit dessen Anfängen als Schauspieler gut bekannt sind.
Die Lesung in Rethmar war die dreißigste des literarisch-musikalischen Trios in der Region Hannover – und die letzte, wie Gerold und Hänel verrieten. Ihre treuen und die neu gewonnenen Fans können sich aber schon auf den zweiten Band mit denselben Personen und einem neuen Fall freuen, der im September dieses Jahres erscheint. Nicht nur für Rethmarer interessant sein dürfte es, dass die offizielle Buchpremiere in Lehrte im Anderen Kino stattfinden wird.