Stephan Weil in Höver zu Besuch

Zu Beginn des Ministerpräsidenten-Besuchs in Höver stand eine kleine Werksbesichtigung im Holcim-Zementwerk an. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Sonnige Aussichten: Vom Dach des 70 Meter hohen Silos konnte Stephan Weil den Blick bis zu seinem vorherigen Arbeitsplatz, dem Neuen Rathaus in Hannover, schweifen lassen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ministerpräsident informierte sich bei Holcim

HÖVER (sv). Einen guten Überblick über einen Teil des Landes, das er regiert, konnte sich Ministerpräsident Stephan Weil jetzt verschaffen – jedenfalls optisch. Vom 70 Meter hohen Silo des Holcim-Zementwerks bot sich eine grandiose Aussicht rund um Höver. Der Politiker erkannte am dunstigen Horizont unter anderem seinen einstigen Arbeitsplatz, das Neue Rathaus in Hannover.
Anlass für den Besuch des Ministerpräsidenten war eine Aufforderung auf Facebook, den Ministerpräsidenten für seine Wahlreise zu sich einzuladen. Ortsürgermeister und Parteigenosse Christoph Schemschat nahm dies zum Anlass, Höver vorzuschlagen, und er erhielt eine Zusage. „Jetzt bin ich in diesem Jahr schon zum vierten Mal im Bereich Sehnde zu Gast – ich muss aufpassen, dass das nicht zur Gewohnheit wird“, sagte Stephan Weil schmunzelnd.
Ortsbürgermeister Christopher Schemschat hatte das Holcim-Zementwerk als einen der größten Arbeitgeber in der Umgebung und natürlich als unmittelbar in seinem Dorf gelegenes Industriewerk für den hohen Besuch mit in das Boot geholt; auch der Heimatverein präsentierte stolz seine Exponate und die Ortschronik.
Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Thorsten Hahn, der extra zu diesem Anlass aus Hamburg angereist war, begrüßte Holcim-Werksleiter Erik Jantzen den Ministerpräsidenten zu einem Werksrundgang. „Ich bin ganz überrascht, dass hier ein repräsentativer Querschnitt der Ortschaft Höver versammelt ist“, sagte Stephan Weil angesichts des Empfangs durch Ortsrats- und Vereinsmitglieder sowie Industrievertreter.
Erik Jantzen und Thorsten Hahn legten anhand der aktuellen Baustoff-Diskussion das Dilemma der Zementindustrie dar; so fordere die Bundesregierung aus Umweltschutzgründen und zur Ressourcenschonung einerseits die Verwendung von Recycling-Beton. Andererseits sei der Einsatz dieses Materials bei bundeseigenen Bauprojekten ausdrücklich untersagt. Dieser Widerspruch sei für das Unternehmen nicht nachvollziehbar. Als Landesoberhaupt hat Stephan Weil zwar wenig Einfluss auf solche Entscheidungen, hörte aber interessiert zu.
Eine Million Tonnen Zement werde von den 250 Mitarbeitern in Höver pro Jahr produziert, erfuhr der Ministerpräsident. Zement aus Höver sei beispielsweise in der benachbarten Hindenburg-Schleuse, aber auch beim Bau der Elb-Philharmonie und des Schlosses Herrenhausen verwendet worden. Die Reduzierung von Kohlendioxid bei der Zementproduktion ist ein vorrangiges Projekt im Unternehmen.
Weitere Anstrengungen im Umweltschutz gelten der Biotopflege, wobei vom 70 Meter hohen Dach des Silos die Höverschen Kippen und der alte Steinbruch gut auszumachen waren. Teilweise betreut die örtliche Gruppe des Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit Unterstützung des Unternehmens die Flächen. Beim Rundgang wurde auch die so genannte Fluffhalle nicht ausgelassen, die Zuschlagstoffe aus der Industrie zur Weiterverwertung im Brennprozess für die Zementklinker birgt.
Mit der örtlichen Heimatstube stattete das Landesoberhaupt einem weiteren wichtigen Merkmal in Höver einen Besuch ab. Ernst Köhler, Vorsitzender der Heimatbund-Ortsgruppe „Unser Höver“, erläuterte dem Ministerpräsidenten einige Exponate und stellte ihm die 2012 fertig gestellte Ortschronik vor, für die die Autoren viele Dorfbewohner zu eigenen Ahnen- und Nachforschungen angeregt hatte.
Neuestes Prachtstück des Heimatbunds ist der denkmalgeschützte Feuerwehr-Schlauchturm von 1912, dessen behutsame Restaurierung just drei Tage vor dem Besuch des Ministerpräsidenten fertig gestellt worden war.
Stephan Weil zeigte sich beeindruckt von den Unternehmungen in der kleinen Ortschaft, hatte aber auch keine Lösung parat für das große Problem der Verkehrsanbindung. Zur großen Enttäuschung seiner Gastgeber hatte die Regionsverwaltung just an diesem Tag dem Wunsch der Höveraner nach einer Busanbindung nach Ahlten und zur dortigen S-Bahnstation eine Absage erteilt. „Das Thema Mobilität ist in aller Munde“, sagte Christoph Schemschat. Für ihre Bedarfsberechnung legten die Hannoverschen Verkehrsbetriebe Berechnungen von vor 20 Jahren zugrunde. „Damals hatten wir noch einen Bäcker, einen Lebensmittelladen, Post und zwei Bankfilialen im Ort. Heute gibt es noch einen Kiosk“, erklärte der Ortsvorsteher. Die nächsten Arztpraxen seien in Ahlten, und dort im Altersheim lebten jetzt auch viele Menschen aus Höver.
Bepackt mit den Problemen und Wünschen der Bewohner stieg der Ministerpräsident schließlich in seinen Wagen zur Weiterfahrt zu einer Minsterkonferenz in Potsdam. Aber es gab auch Geschenke: Eric Jantzen hatte dem Landesoberhaupt eine Kiste mit Urzeit-Fundstücken aus der Mergelgrube überreicht. Aus einer Ferienpass-Aktion der örtlichen SPD-Gruppe stammte das selbst gebaute Insektenhotel, das die beteiligten kleinen Höveraner alle mit Namen signiert hatten, und an einem ruhigen Abend kann Stephan Weil in der Ortschronik von Höver blättern.