Städtische Stromversorgung Sehnde läuft ab 2012 komplett mit Ökostrom

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (re.) und Frank Jankowski-Zumbrink (li.), Geschäftsführer der Energieversorgung Sehnde, befürworten die nun geplante komplette Umstellung der Versorgung der städtischen Einrichtungen auf Ökostrom. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)

Ab Mai 2011 Umstellung bei kleineren Gebäude und Straßenbeleuchtung

SEHNDE (dik). Wirtschaftliche und preisgünstige Beiträge zum Umweltschutz zählen zu den wichtigsten Leitlinien der Stadt Sehnde und ihren Tochtergesellschaften Stadtwerke, Energieversorgung Sehnde (EVS) und Infrastruktur Sehnde. Wohl deshalb, und nicht erst seit der Atomkatastrophe in Fukushima in Japan, wird im Rat der Stadt Sehnde seit längerem darüber nachgedacht, städtische Gebäude mit Ökostrom zu versorgen.
Nachdem der Vertrag für die Stromversorgung der städtischen Einrichtungen, der seinerzeit über die Kommunale Wirtschafts- und Leistungsgesellschaft (KWL) ausgeschrieben wurde, Ende des Jahres ausläuft, erfolgt erneut eine Ausschreibung über die KWL. Dies für die Stromversorgung der Stadt-Einrichtungen ab 2012 und dann ausschließlich für Ökostrom, der von Herstellern aus Europa angeboten werden kann.
Die Firma, die den Zuschlag bekommt, erhält diesen dann bis 2014. Alle großen Abnahmestellen der Stadt Sehnde, wie beispielsweise die Kooperative Gesamtschule Sehnde (KGS) sollen dann, ab 2012, mit diesem Ökostrom versorgt werden.
Bereits ab dem 1. Mai dieses Jahres sollen kleinere städtische Einrichtungen, darunter die Straßenbeleuchtung mit etwa 100 Masten, und 40 weitere Abnahmestellen wie Kindertagesstätten und Teile des Rathauses, mit Strom der Firma NaturWatt GmbH aus Oldenburg versorgt werden.
Der mit vielen Ökolabeln zertifizierte Strom besteht zu 100 Prozent aus einem Mix aus Wind, Wasser und Sonne. „Dies verspricht eine deutliche Absatzsteigerung, denn bisher haben sich nur etwa ein Dutzend AbnehmerInnen in Sehnde, das entspricht etwa 90.000 Kilowattstunden für Ökostrom entschieden. Mit der Umstellung steigt die Abgabemenge auf 1,5 Millionen Kilowattstunden und das macht etwa 4,5 Prozent des Gesamtstromabsatzes der Energieversorgung in Sehnde aus,“ so der EVS-Geschäftsführer Frank Jankowski-Zumbrink.
Den Mehrkostenaufwand für Ökostrom schätzt die Stadt Sehnde auf etwa fünf Prozent gegenüber herkömmlichem Strom. Doch auch wenn die Mehrkosten fünf Prozent überschreiten sollten, will Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke nicht darauf verzichten: „Die Erkenntnis, dass Kernenergie nicht so ganz ohne ist, gibt es nicht erst seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima, auch das Thema Endlagerung, so beispielsweise Schacht Konrad und Asse, ist hinlänglich bekannt.
Hinzu kommt, dass Kernenergie nicht endlich ist. Auch bei Öl und Gas kann nur noch darüber diskutiert werden wie lange es reicht, denn irgendwann ist der Topf leer. Dramatische Nachrichten setzen die Zeichen der Zeit und keiner weiß, wie es ausgeht.
Wir müssen auch an die nachfolgenden Generationen denken und auch wenn es mehr als fünf Prozent Mehrkosten werden, sollte es uns das wert sein. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, denn Kernenergie ist nicht die Energie der Zukunft.
Wenn wir jetzt die Straßenbeleuchtung und kleinere städtische Gebäude bereits mit 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr mit Ökostrom speisen, dann sind das weniger als ein Euro Mehrkosten pro Bürger pro Jahr.“
Seit dem Jahr 2007 bietet die Energieversorgung Sehnde (EVS) Strom der Natur Watt GmbH an. „Bisher konnten zu wenig KundInnen davon überzeugt werden, Ökostrom zu beziehen,“ so Frank Jankowski-Zumbrink. Eine Änderung im Verbraucherverhalten seit der Atomkatastrophe in Japan sei jedoch deutlich zu bemerken.
Die EVS werde den ökologischen Aspekt auch weiterhin konsequent verfolgen und damit läge das Unternehmen exakt auf Linie der Bundesregierung, die diesen Bereich fördert. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Deckung des Strombedarfs in Deutschland sei auch im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Sie könne mit 102,3 Milliarden Kilowattstunden inzwischen 17 Prozent zum Strombedarf beitragen. Die Wasserkraft habe daran einen Anteil von 3,2 Prozent, die Windenergie von 6,2 und Photovoltaik von 2,0 Prozent.
Der Aufsichtsrat der EVS kündigt zudem eine Senkung des Arbeitspreises um 0,1 Cent pro Kilowattstunde (KWh) auf 23,21 Cent pro kWh zum 1. Juni 2011 an.
„Ein durchschnittlicher Haushalt würde bei 3.500 verbrachten KWh für den Natur-Watt-Strom rund 54,25 Euro pro Jahr (4,52 Euro pro Monat) mehr bezahlen. Ein Wechselbonus für Neukunden (ohne Bindefrist) bewirkt, dass im ersten Jahr so gut wie gar keine Mehrkosten entstehen.
Der Natur-Watt-Strom ist übrigens vom TÜV Nord zertifiziert, der dabei, neben der Strombilanz des Vorjahres, auch die Herkunft des Stromes aus erneuerbaren Energien überprüft hat,“ so der EVS-Geschäftsführer.
Die Energiesparmaßnahmen der Stadt Sehnde sollen jetzt auch beim „Schaufenster Sehnde“ mit Sonderaktionen dargestellt werden. „Wir wollen zeigen, aus welcher Art von Energie der Öko-Strom kommt. Das ist auch interessant für Geschäftsleute. Sie kaufen offensiv und können mit einem Label ,Ich verwende NaturWatt' ihr Umweltbewusstsein visualisieren und so zeigen, dass sie etwas tun um die Umwelt zu schonen,“ so Carl Jürgen Lehrke.