Seuchen-Blätter erstellt

Ausdrucksstarke Motive sind in den Corona-Schriften der JVA-Gefangenen entstanden. (Foto: JVA Sehnde)

Gefangene der JVA Sehnde sind kreativ

Sehnde (r/gg). „Mein Corona – Seuchenblätter aus dem Knast“ – unter diesem Motto fand ein kreativer Schreib- und Malwettbewerb der Gefangenen in der JVA Sehnde am Schnedebruch statt. Die Idee dazu entwickelte der Anstaltsseelsorger Matthias Brockes. Im Vordergrund stand die Frage, wie ein Virus die Welt sowohl vor den Mauern als auch drinnen verändert. Die Gefangenen waren aufgefordert, als „Profis für Freiheitsentzug“ ihre Erlebnisse der zurückliegenden Wochen in der Kreativwerkstatt wiederzugeben. Die insgesamt zwölf beeindruckenden Ergebnisse in Wort und Bild wurden von einer Anstaltsjury bewertet und durch die Anstaltsleiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger bei der Veranstaltung Ende Juli im feierlichen Rahmen gewürdigt. Jeder Teilnehmer erhielt einen Preis und ein gedrucktes Heft mit allen Ergebnissen. Der Ideengeber Matthias Brockes sagt: „Mein Dank gilt allen, die das Projekt mit begleitet und unterstützt haben! Unsere Aufgabe war es, einen Raum zu eröffnen und Ihnen die Gelegenheit zu geben, die Erlebnisse in unterschiedlicher Form zu berichten.“ Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln der Evangelischen Seelsorge, der JVA Sehnde und des Fördervereins - so der Bericht von Karsten Rehse, Schulleiter in der JVA Sehnde.
Zum Hintergrund des Schreib- und Malwettbewerbs: Seit Mitte März gelten deutschlandweit Leitlinien der Bundesregierung im alltäglichen Miteinander zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie, die nach wie vor auch Auswirkungen auf den Haftalltag der rund 500 Gefangenen in der JVA Sehnde haben. So sind insbesondere die persönlichen Kontakte zu Angehörigen, die durch Besuch wahrgenommen werden, eingeschränkt worden.
Während der Corona-Zeit wurden die Unterschiede zwischen dem Draußen und Drinnen zunehmend geringer. Auch Begriffe aus dem Gefängnis wie Einschluss oder Lockerungen sind aktuell für die Gesamtbevölkerung zu spüren. Während draußen dem Begriff Lockerungen kaum eine Aufmerksamkeit geschenkt wird, fällt dieses Wort innerhalb der Mauern jeden Tag, in Konferenzen, Beurteilungen – und vor allem im Gespräch unter den Inhaftierten. Es steht symbolisch für Veränderung, Zukunft, für reale Schritte zurück in ein Leben nach der Haft.