Schöne Träume und dunkle Schatten bestimmen das „Leben auf der Kippe“

Auf einer angedeuteten Müllkippe warten die Heimbewohner auf eine „neue Ladung“ von Patienten. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Dorff-Gemeinschaftshaus Köthenwald |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Bewohner-Theatergruppe im Klinikum Wahrendorff stellt ihr neues Stück vor

SEHNDE/KÖTHENWALD (hdb). Das war buchstäblich ein starkes Stück: Zwölf Patienten des Klinikums Wahrendorff haben - unterstützt von ihren drei Therapeutinnen, einer Tanzpädagogin und einem Schauspieler - mit „Leben auf der Kippe“ ihre neueste Produktion öffentlich vorgestellt. Die Premiere im Dorff-Gemeinschaftshaus fand bei etwa 100 Zuschauern großen Anklang.
Bewohner des Klinikums warten „auf eine neue Ladung“ von Patienten, die mit einem Lastwagen herantransportiert werden. „Lasst sie doch erstmal ankommen“, lautet der gute Rat und löst verschiedene Informationen über „das Land des tausend Möglichkeiten“ aus. „Alles hat hier zwei Seiten, alles eine Frage der Sichtweise“, wissen die Alteingesessenen und singen: „Leben auf der Kippe, nicht vor und nicht zurück, immer oben bleiben - das ist schon ein Kunststück“.
Mit Schattenspiel, Filmprojektionen und Gesang nähern sich die zwölf DarstellerInnen den Szenen, in denen schöne Träume - zum Beispiel einmal Prinzessin oder Prinz Eisenherz zu sein – ebenso eindringlich geschildert werden wie bedrückende Albträume unter Drogen. Letztlich, lautet die Quintessenz des 45-minütigen Spiels, sei das Leben auf der Kippe eben ein stetes Auf und ab.
Die Regie lag in den Händen von Petra Hundertmark und Christoph Lietz. Sie wurden bei dem zweiten Projekt der Bewohner-Theatergruppe unterstützt von den TherapeutInnen Gabriel Amado, Nicole Anderer und Angelika Trappe.
Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Klinikums im vergangenen Jahr war erstmals ein Stück entwickelt und einstudiert worden. Mit einer dritten Inszenierung kann nach Angaben aus dem Produktionsteam in etwa einem halben Jahr gerechnet werden.