Regionalmuseum Sehnde zeigt detailgetreue Modelle von Zuckerfabriken

Im Regionalmuseum sind in einer Sonderausstellung 13 Modelle ehemaliger Zuckerfabriken aus der Region zu sehen. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Als Dauerleihgabe sind auch historische Postkarten aus dem 19. Jahrhundert zu sehen

SEHNDE/RETHMAR (hdb). Der Zuckerfabriksweg ist das einzige, was noch auf eine prägende Ortshistorie hinweist. Die Erinnerung an Rübenkampagnen und Nächte mit süßlichem Geruch weckt jetzt eine Ausstellung im Regionalmuseum. Dort sind - bis zum 28. April - detailgetreue Modelle von 13 Zuckerfabriken ausgestellt.
Zur Eröffnung der Sonderausstellung konnte der Vereinsvorsitzende Erhard Niemann annähernd 50 Besucher in dem Museum auf dem Gutshof Rethmar willkommen heißen, unter ihnen Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Der Rathauschef erinnerte in seiner Eröffnungsrede an alte Zeiten, zu denen erst Pferd und Wagen, dann Kolonnen von Treckergespannen die Rüben zur Zuckerfabrik mitten im Ort transportierten. Die Fabrik, die zahlreiche Gastarbeiter - vorwiegend aus Italien und Griechenland - anlockte, war Ende des 19. Jahrhunderts von Landwirten finanziert und gebaut worden. Der Betrieb wurde 1987 eingestellt.
Dampfende Schornsteine müssen auf den damals zwölfjährigen Nils Kehrel aus Kemmel (Landkreis Hildesheim) mächtig Eindruck gemacht haben. Denn er fing an, Zuckerfabriken aus seiner Umgebung in Modellen nachzubauen. Inzwischen ist die Serie auf 13 Exemplare angewachsen, darunter auch die Sehnder Zuckerfabrik, die er in den Jahren 2006 bis 2008 erschuf.
Die Lehrter Fabrik allerdings findet sich nicht unter den Exponaten, weil Kehrel bisher vergeblich nach Postkarten und Fotos von der Rückseite der Gebäude geforscht hat. Denn im Original hat der Bastler keines seiner Werke je gesehen. Der ausgebildete Heilpädagoge war stets auf Zeichnungen, Abbildungen und Fotos sowie die Unterstützung des Unternehmens Nordzucker angewiesen. Wer also darüber verfügt, kann sich im Regionalmuseum melden – dann steht auch dem 14. Zuckerfabrik-Modell nichts im Wege.
Die Sonderausstellung im Regionalmuseum, das laut Niemann auf steigende Besucherzahlen zurückblicken kann, wird ergänzt durch 100 Ansichtskarten, deren Motive zum Teil bis in das Jahr 1880 zurück reichen. Einen Teil davon hat Peter Lieser dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Die übrigen Postkarten gehören einem Privatsammler, der nicht genannt werden möchte.
Die Ausstellung ist bis zum 28. April jeweils sonntags und an Feiertagen in der Zeit von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.