Projekt „KlarSicht“ für Durchblick bei Alkohol und Tabakgefahren

Im Mitmach-Parcours „Klarsicht“, ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, erfuhren zwölf- bis 17-jährige SchülerInnen der KGS Sehnde interaktiv, wie man im Umgang mit Alkohol und Tabak den Durchblick behält. (Foto: sabrina Dickhaeuser)

Interaktiver Info-Mitmach-Parcours an der KGS Sehnde

SEHNDE (dik). Der Mitmach-Parcours „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informierte mit Fakten und Spielen jetzt auch Jugendliche der Kooperativen Gesamtschule Sehnde zu den Problemfeldern Alkohol und Tabak.
Entwickelt wurde das Projekt von qualifizierten MitarbeiterInnen aus mehr als zehn Präventionseinrichtungen der Stadt und „street Work“ und ,„Kontrollierter Jugendschutz“ der Region Hannover, von den Präventionsräten der Stadt und der Region Hannover sowie entsprechend qualifizierten MitarbeiterInnen der Kinderkrankenhäuser „Bult“ und der „MHH“ sowie der Drogenberatungsstellen „PRISMA“, „DROBS“ und „neues Land“.
Zwei Tage lang gastierte der Parcours jetzt auch an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Sehnde. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigten großes Interesse am interaktiven Mitmach-Parcours.
Die Reise durch das Tor zur „KlarSicht“
Um ihre interaktive Rundreise durch den Parcours beginnen zu können, mussten die Kinder und Jugendlichen zunächst das Tor zur „KlarSicht“ durchschreiten. Es gab sechs einzelnen Stationen an denen sich die Gruppen jeweils 15 Minuten aufhielten, dann wurde gewechselt. Auch Punkte konnten gesammelt werden.
Die Teams „Flowerpower“ und „Teletubbies“ erreichten die insgesamt beste Punktzahl. Maßgeblich war jedoch vor allem das rege Interesse ausnahmslos aller SchülerInnen. Beim Erarbeiten ihrer Lösungen wurden die Jugendlichen von geschulten ModeratorInnen informiert und merkten rasch, dass die Informationen die sie bekamen auch auf den praxisbezogene Erfahrungen der Präventionsteams beruhen.
Ernüchterung mit dem „Drunk-Buster“
Beim „Drunk-Buster“ handelt es sich um eine Rauschbrille, die einen Alkoholgehalt von etwa 1,3 bis 1,5 Promille im Blut simuliert. An einer weiteren der insgesamt sechs Stationen konnten die Jugendlichen zudem eine riesige Zigarette auseinander nehmen und erfuhren, dass diese rund 4.800 zumeist krebserregende Stoffe enthält.
Mit erhobenen Zeigefinger und klugen Belehrungen wurde jedoch an allen sechs Stationen zu keiner Zeit gearbeitet.
Die Grundidee von „KlarSicht“
„Unser Ziel ist es den Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren altersgerechte Präventionsangebote zu bieten. In Rollenspielen, Diskussionen und mit eigenen Fragen sollen sie sich mit den Themen Alkohol und Tabak auseinandersetzen. Wir vermitteln ihnen Entscheidungshilfen für einen gesundheitsförderlichen Umgang und die Jugendlichen reflektieren gleichzeitig ihr eigenes Konsumverhalten“, so die Direktorin der BzgA, Dr. Elisabeth Pott.
Aufklärungsarbeit bereits im 7. Jahrgang
Vor dem Start des Mitmach-Parcours folgten der Sehnder Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke, die Schulleiterin der KGS Sehnde, Helga Akkermann und die Mitglieder des Präventionssrates der Stadt Sehnde der Einladung zu einem regen Gesprächsaustausch mit den „KlarSicht“-Experten der BzGA. Dabei stellten alle Anwesenden dabei einstimmig fest, dass Aufklärungsarbeit über Alkohol- und Tabakkonsum bereits bei jüngeren SchülerInnen, etwa ab Klasse 7, dringend erforderlich ist, da jüngere SchülerInnen noch nicht ganz so „cool“ seien wie die älteren.
„Wetttrinken“ und „Flatrate Partys“
Zu „Wetttrinken“ und „Flatrate Partys“ informierten MitarbeiterInnen der Fachstellen, dass der Prozentsatz der Jugendlichen, die mit der Diagnose „aktue Alkoholintoxikation“ stationär im Krankenhaus behandelt werden, nach wie vor viel zu hoch ist. Bei den männlichen Jugendlichen seien es 20,4 Prozent der Jungen, aber nur 12,8 Prozent der Mädchen in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen, die sich einmal im Monat zum Vollrausch trinken.
Nach wie vor zählt Alkohol jedoch für viele Jugendliche zum Feiern und Spaß haben dazu. „Wetttrinken“, „Flatrate-Partys“ seien dabei jedoch leider keine Seltenheit. Insgesamt 26.428 Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren wurden im Jahr 2009 in Deutschland wegen akuter Alkoholintoxikation stationär behandelt, davon waren 4.330 erst zehn bis 15 Jahre alt.
Was können Eltern tun?
Auf die Frage, wie Eltern ihren Kindern den richtigen Umgang mit Alkohol vermitteln können rät Andre Heckert vom präventiven Jugendschutz der Region Hannover den Erziehungsberechtigten mehr miteinander zu kommunizieren: „Gemeinsam könnten Eltern über ihre Erfahrungen diskutieren, sich darüber beraten was sie machen können, wenn ihr Kind angetrunken nach Hause kommt.
In den Medien gibt es viele Tipps und so macht sich allgemein eine Verunsicherung breit. Was können und was dürfen Eltern noch sagen? Nach wie vor haben Eltern aber immer noch so etwas wie ein Bauchgefühl und sollten sich auch darauf verlassen. So ist es durchaus in Ordnung mit den Kindern gemeinsam eine Fete zu planen und Regeln aufzustellen. So könnte man dabei beispielsweise nachfragen wer den Getränkeausschank bei der Feier übernimmt.
Eine verantwortungsbewusste Person, die auch die Bereitschaft zeigt die Notbremse zu ziehen und entscheidet, ab einem gewissen Punkt weniger Alkohol oder gar keinen an eine Person auszugeben, ist sicherlich keine verkehrte Lösung. In einem Gemeindehaus beispielsweise spricht zu dem nichts dagegen, wenn sich Eltern am Eingangsbereich als ,Türsteher' betätigen, auch um eine Aufstockung der Alkoholvorräte verhindern zu können.“
Die Angebote der Fachstellen
Für einige Projekte gibt es bei der Region Hannover einen Fördertopf. „Wir wollen das Prävention bei Jugendlichen ankommt und es lohnt sich immer nach Angeboten zu fragen“, sagt Andre Heckert. Anfragen sind unter Telefon (05130) 3 76 63 31 beim Team Jugendarbeit der Region Hannover/Jugendschutz möglich.