"Personalmangel bereitet Probleme"

Treffen im Klinikum Wahrendorff (von links): Marc Ziegenbein, Oliver Lottke, Heide Grimmelmann-Heimburg, Silke Lesemann, Marvin Linke und Günter Pöser. (Foto: SPD Wahlkreis-Büro)

Politisches Gespräch im Klinikum Wahrendorff

Köthenwald (r/gg). Personalmangel, ein unzureichender Personalschlüssel und ein Vergütungssystem, dass zu wenig mit der alltäglichen Arbeit zu tun habe - Heide Grimmelmann-Heimburg, Geschäftsführerin des Klinikums Wahrendorff, schlägt Alarm: Es müsse sich dringend etwas ändern, „wir stoßen an unsere Grenzen“. Mit diesen deutlichen Worten wandte sich die Geschäftsführerin an die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann, die gestern (Freitag) die Einrichtung besucht hat. An ihrer Seite: Oliver Lotte, der in der SPD-Landtagsfraktion für die Themen Psychiatrie und Wohnungslosenhilfe verantwortlich ist und im Sozialausschuss des niedersächsischen Landtags sitzt.
Ein großes Problem bestehe in den unterschiedlichen Betreuungsschlüsseln und der damit verbundenen Vergütung zwischen Menschen mit geistiger und mit seelischer Behinderung, was eine deutliche Benachteiligung von seelisch behinderten Menschen zur Folge habe. „Bei geistiger Beeinträchtigung kümmert sich eine Fachkraft um fünf Patient/innen, bei einer seelischen Behinderung um zwölf, obwohl beide die gleiche intensive Betreuung benötigen“, berichtete die Geschäftsführerin. Dabei sei auch das Krankheitsbild oft sehr ähnlich, denn bei vielen Patient/innen gebe es verschiedene Diagnosen und es sei manches Mal nicht eindeutig, welche Behinderung vorliegt, erklärte Professor Marc Ziegenbein, Chefarzt und ärztlicher Direktor des Klinikums, das im Bereich der Eingliederungshilfe über mehr als 1.100 Betten verfügt, davon 300 im sogenannten geschützten Rahmen.
Doch was ist die Ursache für die unterschiedlichen Betreuungsschlüssel? "Menschen mit seelischen Behinderungen haben keine Lobby, keine Vertreter für ihre Interessen“, betonte Grimmelmann-Heimburg. „Früher konnte man mit sogenannten Mischkalkulationen Finanzierungsengpässe auffangen - das geht heute nicht mehr“, sagte Oliver Lottke, der früher selbst in dem Bereich tätig war, bevor er in den Landtag einzog.
Der schlechte Personalschlüssel habe gravierende Auswirkungen auf die Fachkräfte des Klinikum Wahrendorff, Überlastungen seien die Folge. „Es wird immer schwieriger für uns, Personal zu finden“, sagte die Geschäftsführerin. Zudem werde das Personal teurer, die Erstattung halte jedoch nicht Schritt. So bekomme das Klinikum im nächsten Jahr 1,6 Prozent mehr für das Personal, die Tarifsteigerung falle jedoch höher aus. Zu Beginn der Corona-Zeit seien die Zustände in der Betreuung und Pflege zu Recht häufig thematisiert worden, der Fokus lag aber überwiegend auf den Altenpflegeheimen und Krankenhäusern. Das hätte sie sich auch für den Bereich der Eingliederungshilfe gewünscht. „Unser Personal arbeitet am Limit, aber bekommt keinen Bonus oder Applaus.“
Der Bereich Eingliederungshilfe müsse stärker in den Fokus gerückt werden - er dürfe nicht hinten runterfallen, forderte Marvin Linke, kaufmännischer Leiter Eingliederungshilfe der Einrichtung. Dem Bereich Eingliederung mache derzeit der Wohnungsmangel zu schaffen. Ziel sei es schließlich, die Bewohner zu stabilisieren, so dass sie eigenständig in ihrer eigenen Wohnung leben können. „Suche nach einer Wohnung ist ohnehin schon schwierig - doch für Menschen mit einer seelischen Behinderung kann das trotz Hilfe eine Überforderung sein.“
Bei vielen dieser Probleme sei die Politik auf Bundesebene gefragt - Oliver Lottke versprach, die genannten Anliegen im Sozialausschuss des Landtags zu thematisieren und lud Heide Grimmelmann-Heimburg außerdem zur einer Sitzung des Arbeitskreises der SPD-Landtagsfraktion ein. Silke Lesemann kündigte an, im nächsten Jahr gemeinsam mit Oliver Lottke in dem Klinikum Wahrendorff im Bereich der Eingliederungshilfe hospitieren zu wollen. „Ich bin so froh, dass Sie heute bei uns waren und mit Oliver Lottke einen wirklichen Experten im diesem Bereich mitgebracht haben“, betonte Heide Grimmelmann-Heimburg am Ende des Gesprächs.