Neujahrsempfang im Klinikum: 45 Stichworte in 45 Minuten

Traditionell von einer Getränkekiste aus referierte Klinikchef Matthias Wilkening beim Neujahrsempfang des Klinikums Wahrendorff – diesmal über die “Wahre-Dorff-Seele“. (Foto: Susanne Veenhuis)

Gut 200 Besucher lauschen Klinikchef Matthias Wilkening zum Thema Seele

SEHNDE-ILTEN (sv). Traditionell voll war es beim Neujahrsempfang des Klinikums Wahrendorff in Ilten: Gut 200 Besucher verfolgten die Ausführungen von Klinikums-Chef Matthias Wilkening zum Thema „Die Wahre Dorff-Seele“, die er – ebenfalls ganz traditionell – auf einer Getränkekiste stehend erläuterte. Den musikalischen Part bestritt – auch schon gute Tradition – das Christian von der Osten-Trio.
„Ich habe hier 45 Stichworte, und zu jedem werde ich etwa zehn Minuten reden“, schockierte der Psychiater zu Beginn seine Gäste im Scherz. Die Stichworte hatten die Gäste zuvor notiert. Letztendlich kam der Leiter des größten psychiatrischen Krankenhauses jedoch beinahe mit 45 Minuten aus, in denen er beispielsweise seine Auffassung des Begriffs Inklusion als die Art und Weise beschrieb, „wir wir alle miteinander umgehen – nicht nur mit Menschen, die Hilfe brauchen, sondern wir alle miteinander und auch mit uns selbst!“
Kernaufgabe seines Klinikums sei es, sich um die Seele zu kümmern, sagte Wilkening. In seinem Vortrag ging er auch der Frage nach dem Sitz der Seele nach, der von Wissenschaftlern beispielsweise im Limbischen System verortet wird. Seele sei für ihn gleichbedeutend mit Wärme und Sonnenschein, wie sie beispielsweise van Gogh in seinen Bildern ausgedrückt habe, und am ehesten mit Musik darstellen, sagte Wilkening unter Verweis auf das Christian von der Osten-Trio.
„2015 wird ein Jahr sein, in dem unsere Freiheit auf die Probe gestellt wird“, nahm der Klinikchef Bezug auf die aktuellen Vorfälle und Demonstrationen. Dort seien auch alkoholisierte und enthemmte Berufsdemonstranten zu finden, „die landen dann bei uns!“
Alkohol als vom Gesetz akzeptierte Droge sei ein Mittel, das Menschen krank macht, dozierte Wilkening. Der Umgang mit Suchtkranken sei Aufgabe des Fachkrankenhauses für die Seele, das auch stets entsprechend ausgestattet sein müsse, um den wachsenden Ansprüchen gerecht werden zu können.
Leider gingen die Ölpreise nicht in die Berechnung der Pflegekosten seitens der Krankenkasse ein, so dass große Kreativität und Flexibilität gefragt sei, trotz gestiegener Heizkosten den Standard bei der Versorgung der Patienten zu halten. „Das heißt, es soll nicht kalt werden, aber es soll auch kein Pflegepersonal abgebaut werden“, erklärte der Arzt und lud anschließend alle Besucher zur Besichtigung und zum Probeschlafen in das neue Klinikum in Celle ein, das demnächst fertig gestellt wird.