Kutschersaal wird zum Kino

Das Filmteam mit hohem Besuch (von rechts): Filmemacher Joachim Maack, Regionalmuseums-Leiter Erhard Niemann, die Moderatoren Lina Pfau und Nils Wilke-Rampenthal sowie Heinrich Prinz von Hannover. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Seltene Gelegenheit: Fast alle Bürgermeister der 14 Ortschaften im Großen Freien waren zu diesem Anlass zusammen gekommen. (Foto: Susanna Veenhuis)

40 Minuten Film über die Dörfer des Großen Freien, Prinz von Hannover zu Gast

RETHMAR (sv). Riesig war das Interesse an dem neuen Film über die 14 Dörfer des Großen Freien, der Kutschersaal auf dem Rittergut Rethmar platzte fast aus den Nähten. An die 250 Besucher konnte Erhard Niemann, Vorsitzender des Regional-Museums Sehnde, begrüßen. Bei Kaffee und Kuchen wollten sie alle die neueste Privatproduktion über ihre Heimat- oder Nachbarorte ansehen. Einen gewissen royalen Glanz verlieh Heinrich Prinz von Hannover mit seiner Gegenwart der Veranstaltung. Auch der Ehrengast aus dem Welfenhaus verfolgte interessiert die Ausführungen der Bürgermeister über ihre Dörfer.
Erhard Niemann an die Gründung des Regional-Museum-Vereins vor 18 Jahren mit Adolf Thölke, Dietrich Vollbrecht, Harald Schönrock und Siegfried Strelow als Männer der ersten Stunde – allen voran der mittlerweile verstorbene Adolf Thölke. Der Sehnder Bürgermeister Olaf Kruse lobte den ehrenamtlichen Einsatz Maacks und des jungen Moderatoren-Teams. „Sie haben sich hier eingebracht – das ist ein Engagement, das man in Sehnde Gott sei Dank noch findet!“
Das Zeitfenster war klein: Maximal zwei Minuten waren vorgesehen für die Präsentation einer Ortschaft. Charmant interviewt vom Moderatorenteam Lina Pfau und Nils Wilke-Rampenthal, zeigten die Bürgermeister, was die Geschichte, das Typische und die Lebensqualität in ihren Dörfern ausmacht. „Kurz und knackig“ war das Dogma des engagierten Hobbyfilmers Joachim Maack aus Evern. Er war vom Verein Regional-Museum Sehnde mit dem Film beauftragt worden und hatte die Drehs aufgenommen, ausgewählt, geschnitten und mit Zwischenmusik unterlegt.
Der rund 40-minütige Film startet vor der Barock-Kulisse des Iltener Amtshauses aus dem Jahr 1738, das einst die Verwaltung des Großen Freien beherbergte. Einleitend erklärt Hinrich Stulle, der Deputierte der Reihestellenbesitzer im Großen Freien, die Herkunft der Bezeichnung und die Bedeutung für die Bewohner der entsprechenden Ortschaften. Ahlten, Anderten, Bilm, Evern, Dolgen, Gretenberg, Haimar, Harber, Höver, Ilten, Klein Lobke, Lehrte, Rethmar, Sehnde gehören noch heute dazu. Die Vorstellungsrunde beginnt in Anderten an der Schleuse, wo Bürgermeister Klaus Dickneite das Besondere seines Orts im Dialog mit den beiden Moderatoren herausstellt. Dass die Höveraner früher mal als „Querhöver“, als sture Querköppe galten, wusste Christoph Schemschat zu berichten – sehr zum Amüsement der Zuschauer. Heute hätten sie wegen der Zementfabrik seit über hundert Jahren im Ort einen anderen Kosenamen: Betonköppe!
Mit weiteren Anekdoten, aber auch sachlichen Berichten reiht sich Vorstellung an Vorstellung, ohne jemals langweilig zu werden. Durch die kurzen und kurzweiligen Szenen erhalten Zuschauer einen sehr lebendigen Einblick in die Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale jedes Orts, den die Repräsentanten gut herauszustellen wussten. Dass dahinter viel Arbeit steckt, ist nicht zu ahnen. „In manchen Orten waren wir drei Mal zum Drehen“, sagte Joachim Maack.
Der Schlussapplaus bestätigte, dass sich die Mühe gelohnt hat.
Die meisten Besucher nutzten die Gelegenheit, im Anschluss mal wieder den einstündigen Schwarz-Weiß-Film von 1957 zu sehen, der mit den gezeigten Personen viel Wiedererkennensfreude auslöste.
Der aktuelle Film kann auf DVD für 20 Euro jeden Sonntag zwischen 14.30 und 17.30 Uhr im Regional-Museum auf dem Rittergut Rethmar oder bei Erhard Niemann, Telefon 05138 98 51, erworben werden.