Kurzer Wahl-Krimi in Sehnde mit einem knappen Sieg

Strahlender Sieger: Carl-Jürgen Lehrke (li., hier mit dem Sehnder CDU-Chef Dr. Jens Lüders) wird mit Hochrufen auf seiner Wahlparty im Apart Hotel empfangen. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
„Natürlich ist man enttäuscht,“ sagt Wolfgang Toboldt (mit der Sehnder SPD-Chefin Dr. Silke Lesemann im „Kretschmanns“) nach der „verdammt knappen“ verlorenen Wahl. (Foto: Svenja Steinseifer)

Ein Beitrag von Svenja Steinseifer: Carl Jürgen Lehrke behauptet sich gegen Wolfgang Toboldt

SEHNDE (fsv). Gebanntes Starren auf die Monitore – es ist am Sonntagabend bei der Bürgermeisterwahl in Sehnde zunächst ein knappes Rennen zwischen der CDU und der SPD. Carl-Jürgen Lehrke (CDU) gegen Wolfgang Toboldt (SPD).
Michael Hitzmann bei der SPD-Wahlparty in „Kretschmanns Restaurant“ klickt immer wieder auf „aktualisieren“ und ringt zwischendurch die Hände. „Man kann so wenig tun“, sagt er und starrt gebannt weiter auf den Wahl-Krimi auf dem Bildschirm vor seinen Augen.
18.14 Uhr: Im Ratssaal der Sehnder Rathauses herrscht Leere. Es wird gewettet. Wer wird die ersten Ergebnisse liefern? Klein Lobke mit 212 Wahlberechtigten gewinnt die Wette. 70,5 Prozent für die CDU und Carl-Jürgen Lehrke, 29,5 Prozent für die SPD und Wolfgang Toboldt.
18.30 Uhr: Im gesamten Wahlgebiet Sehnde liegen CDU (50,1 Prozent) und SPD (50,4 Prozent) fast gleichauf. Aus einem knappen Rennen entwickelt sich langsam ein Wahl-Krimi.
18.38 Uhr: 25 von 32 Wahlkreisen sind ausgezählt. Auf der Wahlparty der SPD in Kretschmanns Restaurant herrscht angespannte Stimmung. CDU: 51,3 Prozent. SPD: 49,7 Prozent.
18.43 Uhr: Im Wahlbezirk Rethmar gewinnt Wolfgang Toboldt klar mit 52,8 Prozent. Im gesamten Wahlgebiet Sehnde holt die SPD um 18.45 Uhr mit 48,6 Prozent minimal auf. CDU: 51,4 Prozent.
18.50 Uhr: 28 von 32 Wahlkreisen sind ausgezählt. „Das geht leider in die falsche Richtung“, sagt Michael Hitzmann und ringt die Hände: „Man kann so wenig tun!“ 370 Wählerstimmen trennen Wolfgang Toboldt und Carl-Jürgen Lehrke, der mit 51,4 Prozent vorne liegt. „Mir ist richtig schlecht“, klagt jemand. SPD: 47,9 Prozent.
18.57 Uhr: „Pessimismus breitet sich aus“, sagt Michael Hitzmann und klickt noch einmal auf „aktualisieren“. 29 Wahlkreise sind gezählt. Beide Parteien haben ein wenig zugelegt. CDU: 51,9 Prozent, SPD: 48,1 Prozent.
19:00 Uhr: „Bilm war noch nicht dabei“, sagt Hitzmann. „Oh gott“, antwortet jemand aus den hinteren Reihen. Bilm sei schwarz und die Differenz zwischen den Parteien ist gewachsen. Während die CDU zulegt, verliert die SPD. CDU: 52,2 Prozent, SPD: 47,8 Prozent.
19.03 Uhr: „Das war Bilm“, Michael Hitzmann klingt resigniert. Während die CDU weiter Boden gut macht, rutscht die SPD noch ein Stückchen ab. Ein Wahlbezirk steht noch aus. CDU: 52,4 Prozent, SPD: 47,6 Prozent. „Ok – das war´s“, bestätigt jemand. Der Gewinner heißt nicht Wolfgang Toboldt.
„Das war wirklich verdammt knapp“, sagt Silke Lesemann, Ortsvereinsvorsitzende der SPD. Trotz der Niederlage sei das Wahlergebnis für die SPD „ordentlich“. Und das es knapp werde, sei klar gewesen. „Natürlich bin ich enttäuscht“, sagt Wolfgang Toboldt. „aber gegen einen amtierenden Bürgermeister mit vier Prozent zu verlieren, nenne ich keine Außenseiterchance!“
Silke Lesemann sieht in dem knappen Wahlergebnis eine Bestätigung des fehlenden Vertrauensvorschusses des Gegenkandidaten in der Bevölkerung. „Das Ergebnis ist ein starkes Signal für Lehrte und ein guter Trend für uns insgesamt“, sagt Toboldt, „in diesem Sinne werden wir weiterkämpfen!“
„Nicht einfach“ sei es auch für die CDU gewesen. „Sehnde ist immer ein knappes Rennen“, weiß der Fraktionsvorsitzende Jens Lüders, „dafür müssen wir hart kämpfen“. Mit 60 Prozent habe hier ohnehin niemand gerechnet. 52,3 Prozent und 500 Stimmen – ein Wahlergebnis mit dem Carl-Jürgen Lehrke „leben kann“. „Das ist ein bisschen nüchtern“, findet Lüders, „ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss!“
„Wolfgang Toboldt ist in der Politik kein Unbekannter“, sagt Lehrke über seinen Gegenkandidaten. Und Sehnde sei „noch keine schwarze Hochburg“, nur weil ein paar Wahlen in Folge gewonnen werden konnten. „Ich glaube die Bürgermeisterwahl ist noch keine Aussage“, warnt Lüders, „die Wahl der Regionsversammlung kann noch ein starker Indikator sein.
Auch Carl-Jürgen Lehrke freut sich noch verhalten. „ich möchte die Politik weiter mit der Mehrheit im Stadtrat betreiben“, sagt er.
Um 22.35 Uhr steht fest: Auch in der Wahl der Regionsversammlung hat die CDU die Nase vorn: 41,3 Prozent für die CDU und 37,3 Prozent für die SPD. Ein starker Indikator?