Kriegerdenkmal erhält Kommentar

Helmut Süß und Uwe Büttner enthüllen die Tafel auf dem Kirchhof, auf der ein Kommentar zur Denkmal-Inschrift zu lesen ist. (Foto: G. Gosewisch)

Hinweistafel auf dem Kirchhof enthüllt

SEHNDE (gg). Gut drei Meter hoch ist das Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof an der Breiten Straße. Es ist ein in Stein gehauenes Soldatenabbild auf einem hohen Podest. In Augenhöhe des Betrachters ist eine Inschrift zu lesen, erschaffen im Jahr 1923, die nun zu einer besonderen Aktion geführt hat. Mitglieder des Kirchenvorstands, Andreas Fahl und Thomas Kinder, und die Pastoren Uwe Büttner und Damaris Frehrking formulierten gemeinsam einen Kommentar, eine Friedensbotschaft, denn „Die Inschrift auf dem Denkmal verharmlost Krieg und Leid, klammert Trauer, Vertreibung, Hunger, Seuchen und Elend als Folgen aus und verherrlicht den Heldentod. Dies kann uns nicht egal sein“, sagt Pastor Uwe Büttner. Auf dem Podest steht in Stein gemeißelt geschrieben: „Wer als Held sein Blut für der Freiheit Gut seinem Volk und seinem Lande gab, der schläft wohl im Grab.“ „Hier wurde nach dem Ersten Weltkrieg Trauer in Propaganda verwandelt“, erklärt Pastor Uwe Büttner. Der wahre Bezug wurde verschleiert. „Es ging im Ersten Weltkrieg nicht um die Verteidigung der Freiheit. Es war kein Befreiungskrieg, sondern Großmachtstreben. Der Krieger schaut von oben herab auf das Leben, er ruht, legt das Schwert aber nicht aus der Hand. Aber unsere Botschaft ist der Frieden“, sagt Pastor Uwe Büttner und nimmt Bezug auf die Verheißungen in jedem Gottesdienst. Andreas Fahl, promovierter Historiker, erklärt: „Anders als beispielsweise die Franzosen haben die Deutschen kein friedliches Totengedenken entwickelt. Somit drückt die Inschrift auf dem Denkmal den Zeitgeist aus.“ Um so wichtiger sei es, so der Hinweis von Ortsbürgermeister Helmut Süß bei der Enthüllung der Kommentar-Tafel, sich mit der Geschichte zu befassen, Rückschau zu halten und aus Fehlern zu lernen. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass es im Lauf der Zeit auch einfache Gedankenlosigkeit gebe. Anders sei nicht zu erklären, warum das Denkmal vor rund 40 Jahren ausgerechnet auf einen Kirchhof umgesetzt wurde. Bis dahin stand es im Bereich der jetzigen B65, für die zu der Zeit beim Ausbau Platz geschaffen werden musste. Genauers sei aber nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Erinnert wurde in der Runde daran, dass das Nachdenken über die Denkmal-Inschrift von einem Graffiti inspiriert war. „Nie wieder Krieg“ hatte ein Sprayer vor zwei Jahren in dicken Buchstaben auf den Heldentod-Pathos geschrieben. „Die Aussage ist richtig, nur in Graffiti-Form geht das nicht“, sagt Uwe Büttner, der mit der Enthüllung der Kommentar-Tafel der Friedensbotschaft die richtige Form geben will. Gut sei, so sein Hinweis, dass Gedenktagen wie dem Volkstrauertag mit der zeremoniellen Kranzniederlegung kein Widerspruch mehr bestehe, denn die Kommentar-Tafel basiert, wie der symbolische Kranz, auf dem Streben nach Frieden.