Iltenerin holt mit „Jahrhundertschuss“ die Jubiläumsscheibe

Mit einem „Jahrhunderschuss“ von 1,4 Teilern hat die Iltenenerin Ingrid Meuer als Beste von 300 TeilnehmerInnen den Jubiläumswettkampf „300 Jahre Recht auf Scheibenschießen“ und damit die prächtige Jubiläumsscheibe gewonnen, die ihr Heinz Köneke, Vorsitzender der Schützenbruderschaft „Das Große Freie“ überreichte. In historischer Uniformtracht waren die „Freienbrüder“ Jürgen Schröter (li.) und Jürgen Frank (re.) die ersten Gratulanten. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)
 
Bei der Siegerehrung des Jubiläumsschießens „300 Jahre Recht auf Scheibenschießen“ zum Auftakt des diesjährigen Volks- und Schützenfestes war Ilten einmal wieder Mittelpunkt des historischen „Großen Freien“: Alle, die in dem historischen Gebiet 14 Freien-Ortschaften Rang und Namen haben, waren im Festzelt versammelt, in dem bei 500 Gästen die Sitzplätze knapp wurden. (Foto: Sabrina Dickhaeuser)

Im übervollen Festzelt war Ilten wieder Mittelpunkt im „Großen Freien“

SEHNDE/ILTEN (dik). In diesem Jahr stand das Iltener Volks- und Schützenfest ganz im Zeichen einer Tradition, die in einem Brauch mündet, der im Jahr 1711 durch einen Amtsbefehl im Gebiet des damaligen „Großen Freien“ das Recht auf Scheibenschießen erlaubte. Die heutige Schützenbruderschaft „Das Große Freie“ hatte deshalb, initiiert und vorrangig betreut vom Schützenverein Ilten am ehemaligen Amtssitz des „Großen Freien“ zum Jubiläums-Schießwettkampf „300 Jahre Recht auf Scheibenschießen“ in allen Ortschaften dieses historischen Gebietes eingeladen.
Iltens Schützenchef Carsten Elges, der Vorsitzende des Heimatbundes Niedersachsen, Heinz-Siegfried Strelow, der Vorsitzende des Vereins Regionlamuseum Rethmar, Dieter Borsum, der Vorsitzende des Vereins „Unser Dorf Ilten“, Günter Köpfer, und der Vorsitzende der Schützenbruderschaft, Heinz Köneke, zogen bei der Werbung für dieses Heimatjubiläum alle Register – und hatten Erfolg: Gut 300 EinwohnerInnen aus den 14 Ortschaften Höver, Harber, Ilten, Anderten, Bilm, Lehrte, Sehnde, Ahlten, Rethmar, Gretenberg, Evern, Haimar, Dolgen, Klein Lobke und Anderten hatten die Einladung zum Schießwettkampf begeistert angenommen. Auch BürgerInnen, die zuvor noch nie ein Gewehr in der Hand gehalten hatten, lieferten dabei sehr gute Ergebnisse ab.
Zur Siegerehrung der jeweils Besten in den Städten und Ortschaften und zum Auftakt des Iltener Volks- und Schützenfestes konnte Carsten Elges mehr 500 Gäste im Festzelt und stellte erfreut fest, dass das Jubiläumsschießen „300 Jahre Recht auf Scheibenschießen“ in Verknüpfung mit dem jährlichen Volks- und Schützenfest „wohl alle ‚am richtigen Nerv‘ getroffen hat.“
Der unerwartet große Ansturm hatte sogar den erfahrenen Festwirt René Ahrend kurzfristig vor logistische Probleme gestellt, musste er doch für ausreichend Sitzplätze sorgen – die rechtzeitig zum Einsetzen der Klänge des Jagdhornbläserkorps vom Hegering „Das Große Freie“ dann aber für alle zur Verfügung standen.
Prinz Heinrich von Hannover, als Vertreter der Königlichen Familie, konnte der Einladung zwar nicht nachkommen, da er zu einer Hochzeitsfeier im Rheinland eingeladen war. Der Prinz ließ jedoch seine Grüße ausrichten.
„Das Jubiläumsschießen hatten allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht und das zeigt auch, dass die „Freienrechte“ bis heute noch lebendig sind. Unser Herzblut hängt auch heute noch am historischen Amtshaus und Hof,“ bekannte sich Iltens Ortsbürgermeisterin Gisela Neuse zur lebendigen Erinnerung an „Das große Freie“.
„Tradition hat nur Zukunft, wenn sie nicht museal verstaubt, sondern von den Menschen in unserer Heimat gelebt wird“, ermahnte der Vorsitzende des Heimatbundes Niedersachsen, Heinz Siegfried Strehlow (Sehnde), die Gäste in seiner Festansprache. Bei diesem Festakt und Jubiläum sei dies absolut gelungen. Für seinen interessanten geschichtlichen Rückblick zum „Freienschießen“, als eines der dem „Großen Freien“ für die Bereitstellung von Kompanien für den Verteidungsfall gewährten Vorrechte, erntete Strehlow anerkennenden Beifall.
Die Gewinnerin des Jubiläums-Wettkampfes und damit der von der Sehnder Volksbank Springe-Pattensen-Ronnenberg und der Fleischerei Stache gestifteten Jubiläumsscheibe – eine solche das hat es im damaligen „Großen Freien“ leider niemals gegeben – ist eine Frau: Ingrid Meuer aus Ilten siegte mit einem sagenhaften 1,4 Teiler und kann jetzt zu recht mächtig stolz sein, Beste von 300 zu sein, noch dazu mit einem „Jahrhundertschuss“.
Weil das „Gesöff“, aber auch zu den Rechten im „Großen Freien“ gehörte, denn dort durfte man, „freier“ und einfacher als anderswo, auch Bier brauen, gab es darüber hinaus für die zehn Besten der jeweiligen „Kompanien“ Bierspenden aus einer Hannoverschen Brauerei.
Hier die besten SchützInnen der einzelnen „Kompanien“: Platz 1 für Höver, Bester Thorsten Hein, 5,5 Teiler aus dem Satz; Platz 2 für Harber, Bester Axel Hahne, 7,2 T.; Platz 3 für Ilten, Beste Ingrid Meurer, 1,4 T.; Platz 4 für Anderten, Beste Marlis Roessler, 7,0 T.; Platz 5 für Bilm, Bester Ralf Konerding, 13,8 T.; Platz 6 für Lehrte, Bester Heinz Köneke, 9,0 T.; Platz 7 für Sehnde, Beste Brigitte Thomas, 13,0 T.; Platz 8 für Ahlten, Bester Wilfried Bock, 12,2 T.; Platz 9 für Rethmar, Beste Claudia Wilk-Bertram, 14,2 T.; Platz 10 für Gretenberg, Bester Günter Petri, 24,8 T.; Platz 11 für Evern, Beste Gisela Klinge, 13,3 T.; Platz 12 für Haimar, Beste Heike Beinsen, 10,5 T.; Platz 13 für Dolgen, Bester Henning Wanke, 7,2 T. und Platz 14 für Klein Lobke, Beste Heike Diers, 50,9 T.