„Hier kommt die Turbo-Lotte!“

Wenn Windhunde rennen: Podenco Nori ist glatt über das Ziel hinausgeschossen und ist der Schnellste seiner Sorte. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Jack-Russel-Terrier im Landeanflug: Begeistert saust Aqido auf sein Frauchen zu – und heimst schließlich den Sieg in der Klasse der Minis ein. (Foto: Susanna Veenhuis)

Hunde haben Spaß, Menschen schwitzen beim Hundsgalopp

SEHNDE (sv). „Ja komm, komm, komm, hierher, kooomm!“ Frauchen oder Herrchen oder auch alle beide zusammen stehen auf der Wiese, rufen, hüpfen manchmal sogar auf und ab und wedeln mit Hundespielzeug, Kauknochen oder Bällchen. Beim PSV-Hunderennen schien es um einen Wettkampf der menschlicher Albernheiten zu gehen, damit die Vierbeiner die 50-Meter-Strecke im Hundsgalopp zurücklegen. Und Aki, Murphy, Mücke oder auch Kurt rennen, was das Zeug hält. Nach längstens sechs Sekunden ist der Spaß schon vorbei und Aki, Murphy, Mücke und Kurt holen sich am Ziel ihre Belohnung ab. Das sind meistens das Lieblingsspielzeug oder auch Leckerlies und manchmal auch einfach nur Frauchen oder Herrchen, die dann freudigst begrüßt werden, als hätte man sich zehn Jahre nicht gesehen.
Zum zweiten Mal hat der Polizeihundesportverein Sehnde (PHSV) zum Hunderennen auf sein Gelände am Schacht eingeladen, und wieder sind 30 Starter gemeldet, obwohl der Thermometer-Strich langsam, aber sicher über die 30-Grad-Marke krabbelt. „Bei unserem ersten Rennen 2018 war es auch schon so heiß, wir haben bestens vorgesorgt, überall gibt es Schattenplätze und Wasser, und auch für die Zweibeiner gibt es Essen und Getränke im Schatten“, sagt Nadine Wollborn vom PHSV mit einem Augenzwinkern. 40 Teilnehmer waren es da.
Mit den Windhund-Rennen, bei denen viele Hunde um die Wette laufen und ihren Besitzern möglichst hohe Wettprämien einbringen sollen, hat das nichts zu tun. Der Spaß steht im Vordergrund, wenn die Hundehalter ihre Lieblinge auf die Rennstrecke schicken. Zuerst müssen sie selber die 50-Meter-Distanz überwinden, was die meisten mehr oder weniger zügig erledigen, um sich im Ziel hinter der zweiten Lichtschranke zu positionieren. Erst dann darf der vierbeinige Liebling los, und der zischt wie ein geölter Blitz vorbei. Schnell vorbei ist auch der Rennspaß und Birgit Fitjer gibt das Ergebnis bekannt. Mücke, genannt Mügge, hat nur 4,46 Sekunden gebraucht. Das schafft kein Mensch, und so mancher, der selber über die Strecke rennt, muss die ironischen Anfeuerungssprüche von Birgit über sich ergehen lassen. Manchmal auch der Halter eines Hundes, der mitten im Lauf plötzlich die Pfoten zum Bremsen in die Wiese haut, weil es da irgendetwas mordsmäßig Interessantes zu schnuppern gibt. Meistens lässt sich das Tier wieder zum Weiterlaufen oder -trotten animieren, aber die Rennzeit ist hin. Macht nichts, man kann ja nochmal starten.
Da sich alle möglichen Rassen, Mischungen und Temperamente bei dem Rennen tummeln, gibt es der Gerechtigkeit halber vier Klassen: Mini sind die Kleinsten bis 30 Zentimeter Schulterhöhe, Midis gehen bis 50 und Maxis sind alle darüber, Windhunde haben eine Extragruppe. Auffallend ist die Airdale-Dichte. Allein Linda Meß aus Heidgraben bei Tornesch hat drei mitgebracht, darunter Whoopie, die auch so gerne läuft. „Alle sagen immer: wuup, wuup, die Turbo-Lotte kommt“, lacht Linda. Helmut Fitjer aus Hannover hat auch zwei, sie heißen Kurt und Norbert. „Airdales sind furchtlos und mutig, dabei familienfreundlich, überhaupt nicht aggressiv und sehr lustig“, sagt er. „Und sie sprechen in ganzen Sätzen“, ergänzt Linda, und das meint sie auch so.
In der Ergebnis-Auswertung ist bei den Minis Jack-Russel-Terrier Aqido mit 5,8 Sekunden der Schnellste. Mix Motte bei den Midis liegt mit 4,78 Sekunden vorn, Podenco Nori mit 4,89 Sekunden in der Windhundklasse. Absoluter Champ ist Athos. Herrchens anstrengende Tanzeinlage trotz kaputter Knie, das Wedeln mit dem Wurfspielzeug und seine anfeuernden Rufe vom Ziel aus quittiert der schwarze Schäferhund mit tollen Siegerquoten. „Von 33 Rennen hat er 22 gewonnen, er apportiert gern und noch lieber rennt er“, sagt Udo Ludwig aus Bartolfelde im Harz stolz. Auch hier siegt er in der Klasse der Maxis mit 4,2 Sekunden und ist auch insgesamt der Schnellste. „Wir mögen das beide, und so fahren wir zu den Rennen. Ist doch besser, als Flaschparker aufzuschreiben“, sagt der Rentner und krault Athos am Hals.
Der PHSV hat auch eine Ferienpass-Aktion organisiert, bei der 15 Kinder Gelegenheit hatten, den Umgang mit Hunden kennenzulernen. So konnten sie übers Streicheln und Kraulen erste Bekanntschaft mit den Tieren machen und bei Vorführungen im Longieren, in der Unterordnung und im Schutzdienst vielerlei über die Fähigkeiten von Hunden erfahren. Am meisten Spaß machte den Sechs- bis 14-Jährigen der Hundebox-Contest, bei dem es darum ging, wie viele Kinder in eine Box passen. Der Rekord liegt bei 13, verkündete Nadine Wollborn; in Sehnde quetschten sich immerhin neun kichernde Kinder in die Kiste.