Grußwort der Stadt Sehnde zum Jahreswechsel 2013/14

Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. (Foto: Stadt Sehnde)

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke betrachtet das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2014

Liebe Mitbürgerinnen und liebe Mitbürger,
der Jahreswechsel bietet die Zeit, das vergangene Jahr zu betrachten und einen Ausblick auf die nahe Zukunft zu wagen.
Rückblickend war der Sommer 2013 ein Sommer voller Emotionen. Während wir im Juni noch mit Sorge die Berichte aus den Hochwassergebieten Deutschlands verfolgten und Freiwillige der Feuerwehr und der Hilfsdienste beim Hochwassereinsatz in Hitzacker hautnah dabei waren, wurden bereits einige Wochen später unzählige Sehnderinnen und Sehnder Opfer eines Unwetters.
„Hagel 2013…ich war dabei!“ – ein Aufkleber mit diesem Spruch gehört zu den Verkaufsschlagern in Sehnde. Eine Möglichkeit dem erlebten Unglück mit Humor und auf ironische Weise zu begegnen. Der 27. Juli 2013 wird allen Sehnderinnen und Sehndern in Erinnerung bleiben. An diesem Tag wurde uns deutlich gezeigt, dass wir auch in unseren Breitengraden nicht sicher vor extremen Unwettern sind. Traumatische Erlebnisse, finanzielle Sorgen und Ängste aber auch gemeinsames Handeln, Helfen und Aufbruchsstimmung konnten wir alle hautnah erleben. In den Tagen und Wochen nach dem Hagelsturm sind viele an ihre Grenzen gegangen und haben wieder deutlich gezeigt, dass der Zusammenhalt in Sehnde groß ist. Statt zu resignieren, hieß es die Ärmel hochzukrempeln und sich den Herausforderungen zu stellen. Auch wenn schon viele Schäden beseitigt und reguliert werden konnten, werden zerbeulte Autos, Gerüste an Häusern und Handwerker bei Reparaturarbeiten auch 2014 noch zum Stadtbild gehören.
Für viele freiwillige Helferinnen und Helfer, die Feuerwehr und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung war das Hagelunwetter ebenso eine besondere Herausforderung. Von zahlreichen Einsätze und Hilfeleistungen und der Räumung des Freibades über viele städtische Gebäude, die zunächst notdürftig gesichert und dann langfristig repariert werden mussten, bis hin zu einer wahren PKW-Zulassungsflut im Bürgerbüro.
Genau eine Woche nach dem Hagelsturm sind viele tausend Sehnderinnen und Sehnder nach dem Motto „jetzt erst recht“ dem Ruf des Kalimanscharo gefolgt und haben ausgelassen das 4. Bergfest gefeiert. Obwohl man vom Berg aus einen klaren Blick auf die vielen notdürftig reparierten Dächer hatte, war das Fest eine Möglichkeit, den Sorgen zu entfliehen und in luftiger Höhe ausgelassen zu feiern. Den Kopf in den Sand stecken - keine Option für die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Stadt!
Vor dem Hintergrund der Unwetterschäden stehen alle sonstigen Projekte und Planungen in zweiter Reihe, was ihre Wichtigkeit und auch die Freude über die Umsetzung aber nicht schmälert.
Der Haushaltsentwurf für 2014 weist einen Haushaltsfehlbetrag in Höhe von knapp 2 Millionen Euro auf, aber die nun vorliegenden Jahresrechnungen der Jahre 2010 und 2011 zeigen, dass das sparsame Wirtschaften sich lohnt und die Zahlen dann unter dem Strich doch besser aussehen können, als ursprünglich befürchtet. Die pro Kopf Verschuldung konnte auf 175€ gesenkt werden und Darlehensaufnahmen werden auch im kommenden Jahr voraussichtlich nicht notwendig sein.
Den Blick auf die knappen Kassen haben wir gemeinsam mit den politischen Gremien nie aus den Augen verloren und trotzdem konnten einige große Projekte umgesetzt werden, die den Zusatz Familienstadt in unserem Logo bekräftigen. In acht Kindertagesstätten wurden die Betreuungszeiten erweitert, die Krippe in Bolzum wurde eingeweiht und mit dem Bau der Räumlichkeiten für zwei weitere Krippengruppen im Kindergarten Sehnde-West begonnen. Über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in den städtischen Kindertagesstätten um die Bedürfnisse der kleinen Sehnderinnen und Sehnder. Mehr Platz für Schüler und Vereinsarbeit bieten schon in naher Zukunft die Neubauten für die Grundschule und Feuerwehr in Rethmar. Nach umfangreichen Umbauarbeiten im Bonhoefferhaus in Sehnde konnte das Jugendfreizeitheim vor einigen Wochen umziehen.
Damit ist der Weg von der Kirche zum multifunktional genutzten Haus für Kinder, Jugend und Schule gelungen. Das Bonhoefferhaus ist somit ein Haus der Begegnung geblieben. Der Namenspate Dietrich Bonhoeffer hätte seine Freude an dieser Nutzung gehabt, denn die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lag ihm besonders am Herzen.
Dass Bauprojekte, die in der Bauphase auch Ärger und Verdruss mit sich bringen, meist im Ergebnis aber auf Zufriedenheit stoßen, zeigen die Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung und Neugestaltung der Ortsdurchfahrten in den Ortsteilen Bilm, Dolgen und Ilten. Die langen Staus in Ilten werden sich mit Abschluss der Arbeiten Ende des Jahres erledigen. Das Problem der gestiegenen Verkehrsdichte -vor allem zu den Stoßzeiten- wird dadurch aber leider nicht gelöst werden können.
Für das Jahr 2014 stehen wieder einige Vorhaben auf dem Plan. Die Umsetzung des Selbstlernzentrums in der KGS, die Sanierungs- und Umbauarbeiten im Hallenbad Höver, die Fortsetzung des Klimaschutzkonzeptes und der Energieberatungen, die bedarfsgerechte Planung weiterer Wohn- und Gewerbeansiedlung und vieles mehr.
Eine besonders wichtige Herausforderung wird die weitere Aufnahme und Integration von Flüchtlingen aus Krisen- und Kriegsgebieten sein. Knapp 50 Menschen, die ihre Heimat aufgrund der dort herrschenden Unruhen verlassen mussten, werden bis Ende 2014 eine Zuflucht in Sehnde finden. Unabhängig davon, ob Sehnde eine Heimat auf Zeit oder für das weitere Leben wird, ist die Aufnahme und Integration dieser Menschen eine Herausforderung für uns alle.
Neben dem Angebot einer Unterkunft und finanzieller Unterstützung zum Leben, sind soziale Kontakte und menschliche Hilfe wichtige Faktoren. Diese Hilfe kann staatlich, mit den sozialen Diensten allein, nicht geleistet werden. Hier setzen wir auch auf die Vielfalt und Qualität der ehrenamtlichen Arbeit in Sehnde, die seinesgleichen sucht und eine der Stützen unseres gesellschaftlichen Lebens darstellt. Schön wäre es, wenn sich für die Betreuung der Flüchtlinge freiwillige Helferinnen und Helfer als Integrationslotsen finden würden.
Ich habe letztens im Internet einen Spruch gefunden, den ich gern hier zitiere: „Wer seinen Kopf heute in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen“. Im vergangenen Jahr haben so viele von Ihnen gezeigt, dass sie nicht aufgeben und sich den Herausforderungen des Lebens stellen. Ich wünsche Ihnen und uns allen gemeinsam, dass wir mit diesem Tatendrang und einer positiven Einstellung auch in das kommende Jahr gehen.
Für das neue Jahr Gesundheit, Zufriedenheit, Glück und Erfolg bei all Ihren Vorhaben wünscht Ihnen
Ihr Bürgermeister
Carl Jürgen Lehrke